Vorwort
Im Schnellverfahren zur Transzendenz
Da wir meditieren, seit wir denken können, und zudem als Achtsamkeitslehrer tätig sind, war es uns fast schon peinlich, als wir entdeckten, dass es sozusagen eine Schnellstraße gibt, die uns in nur fünf bis fünfzehn Sekunden zur Transzendenz führt. Allein der Gedanke stand im Widerspruch zu allem, was wir über Meditation wussten, bevor wir unsere Recherchen begannen. Doch ja, es funktioniert. Und dazu ist nicht mehr nötig, als dass Sie sich im ganz normalen Alltag für das machtvolle Gefühl des Staunens öffnen. Unser Leben hat sich dadurch enorm verändert. Und da sich unsere Resultate auch bei Tausenden Patienten, Klientinnen und Studienteilnehmern verlässlich wiederholten, hatten wir den Beleg, dass unser Schnellverfahren – die A.W. E.-Methode – wirkt.
A.W. E. steht für »Aufmerksamkeit(attention), Warten(wait), (Ausatmen und) Erweitern(exhale and expand)«. Dieser dreistufige Prozess, der zwischen fünf und fünfzehn Sekunden dauert, verpasst Ihnen sozusagen eine »Mikrodosis Achtsamkeit«. Es handelt sich um eine kurze, formlose Achtsamkeitsübung, deren Wirksamkeit wissenschaftlich erwiesen ist. Die A.W. E.-Methode erzeugt in diesen wenigen Sekunden ein Gefühl der Ehrfurcht (engl.awe [Ehrfurcht, Respekt, Scheu]) – eine starke Emotion, die uns staunen lässt und in einen Zustand erhöhten Gewahrseins versetzt. Dazu kommen noch bemerkenswerte Veränderungen in Geist und Körper, die Gesundheit und Wohlbefinden steigern.
Versuchen Sie, sich zu erinnern, wann Sie das letzte Mal diesen »Wow-Effekt« erlebt haben: vielleicht, als Sie den Anblick einer Landschaft wie des Grand Canyon oder der Wildnis Alaskas genossen, als Sie Ihrer Lieblingssängerin bei einem Konzert lauschten oder ein kleines Baby im Arm hielten und das Wunder des Lebens betrachteten. Ein Lächeln auf dem Gesicht, den Mund leicht geöffnet. Überlief vielleicht sogar ein Schauer Ihren Rücken? Dieses Gefühl der Ehrfurcht dauerte vielleicht nur ein paar Sekunden. Oder ein wenig länger. Aber Sie konnten es sicher tief in sich spüren.
Sie haben sich diese Gefühle nicht eingebildet. Während solcher außerordentlicher Erfahrungen geschieht unterhalb unserer Bewusstseinsschwelle einiges im Körper: Der Zustand Ihres Nervensystems verändert sich. Ihr Kampf-Flucht-Totstell-Reflex wird heruntergeregelt, während die parasympathischen Funktionen »Ruhe und Verdauung« stärker in den Vordergrund treten. Anders ausgedrückt: Sie werden ruhiger, geduldiger und weniger ängstlich. Gleichzeitig fühlen Sie sich aber energiegeladener und wie in einer Art Flow-Zustand, dem Gefühl, völlig in einer Beschäftigung aufzugehen. Der Spiegel Ihres proinflammatorischen Interleukin-6 (ein immunmodulierendes Protein) sinkt ab. Geschieht das öfter, so reduziert dieser Mechanismus chronische Entzündungen wie auch Ihr Risiko, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung, Demenz, Diabetes, Depressionen und noch einiges mehr zu bekommen. Ihr Liebeshormon-(Oxytocin-)Spiegel steigt, und mit ihm steigern sich Ihr Wohlbefinden und Ihre Kontaktfreude.
All dies vermag das Gefühl der Ehrfurcht zu leisten – und diese Effekte sind nur die Spitze des Eisbergs. Die noch sehr junge Wissenschaft vom Staunen hat entdeckt, dass wir, wenn wir dieses Gefühl häufiger erfahren, unsere zwischenmenschlichen Beziehungen verbessern können. Mehr Freude, Ausgeglichenheit und Lebenszufriedenheit, eine bessere kognitive Verarbeitung, mehr Wohlbefinden und Achtsamkeit, ein gestärktes Immunsystem und weniger Entzündungsmarker sind weitere positive Auswirkungen. Unsere Forschungsarbeiten konnten zeigen, dass das Gefühl des Staunens Stress, Ängste, Depressionen, Einsamkeit, die Gefahr eines Burn-outs und körperliche Schmerzen verringert. Der Wow-Effekt lindert existenzielle Ängste, einen besorgniserregenden Geisteszustand, bei dem wir sonst nur »Mittel« wie Psych