: Lynda Cohen Loigman
: Saras Gespür für die Liebe Roman
: Goldmann Verlag
: 9783641309312
: 1
: CHF 2.70
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 400
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Dieser Roman lässt einen wieder an die Liebe glauben – das perfekte Buch für Valentinstage und Frühlingsgefühle!

Ein Buch so magisch und zeitlos wie die Liebe selbst.
Sara Glikman kann Seelenverwandte erkennen. In den Straßen New Yorks stiftet sie um 1910 schon als Kind so manche Ehe, sehr zum Ärger traditioneller jüdischer Heiratsvermittler. Die sehen ihr Geschäft bedroht und machen Sara das Leben so schwer, dass ihre Gabe zum Fluch werden könnte.
Saras Enkelin Abby hat nach der Trennung ihrer Eltern früh den Glauben an die Liebe verloren und arbeitet als Scheidungsanwältin. Doch als sie die Aufzeichnungen ihrer geliebten Großmutter erbt und deren Botschaften zu entschlüsseln versucht, gerät ihr Leben ins Wanken. Gehört das Paar, für das sie einen Ehevertrag aufsetzt, wirklich zusammen? Bereitet sie eine Scheidung vor, die alle unglücklich macht? Abbys Bauchgefühl wird zum Problem – hat sie womöglich mehr von Sara geerbt als nur deren Notizen?

Auf der Liste der besten Bücher des Jahres von New York Post • People • BuzzFeed

»Die Lektüre wird auch das kälteste Herz zum Schmelzen bringen! Wer Jenny Colgans ›Wo das Glück zu Hause ist‹ mag, wird auch dieses Buch lieben.« Readbakecreate.com

3. Kapitel


Sara

1913

Wollt Ihr ein Kind wegen eines Stückchens Huhn verklagen?

Trotz der verblüffenden Feststellung des Rabbi dachte Sara erst wieder ans Ehestiften, als drei Jahre vergangen waren. Während dieser Zeit war ihr die widersprüchliche Natur ihrer neuen Heimat klar geworden: New York war gleichzeitig ein Ort der unbegrenzten Möglichkeiten und des erschreckenden Mangels.

Sie wohnten zu acht (einschließlich Hindel und ihrem Mann) in der Cannon Street, in einem Drei-Zimmer-Apartment mit einer Toilette auf dem Flur, die sich zu viele Hausbewohner teilten. Das mittlere Zimmer unterschied sich von den anderen durch einen schweren eisernen Herd und ein trogartiges Spülbecken, das an der Wand angebracht war. »So schrecklich ist es doch gar nicht«, behauptete ihre Mutter beharrlich. Ihre Augen jedoch sagten etwas anderes, sie verweilten auf der abblätternden Farbe, den staubigen Fußböden, den Wasserflecken an der Zimmerdecke.

Die ersten drei Monate bevor Hindel heiratete, schlief Sara in der Küche neben ihrer Schwester. Jeden Abend schrubbten sie den hölzernen Esstisch, legten eine Decke darüber und rollten sich wie Katzen darauf zusammen. Ihre Eltern nahmen das kleinste, fensterlose Zimmer – das einzige mit einem richtigen Bett –, und die drei Jungen teilten sich zwei Feldbetten im Wohnzimmer. Doch nachdem Hindel und Aaron vermählt worden waren, war Sara gezwungen, sich mit ihrem jüngsten Bruder George ein Feldbett zu teilen. Nacht um Nacht lag sie im Dunkeln wach und lauschte dem fürchterlichen Dauerschnarchkonzert ihrer Brüder, dem Seufzen ihrer Schwester und dem Gebrüll, das von der Straße hereindrang. Morgens wachte sie steif und erschöpft auf, aß ein paar Bissen Brot und ging mit George zur Schule in der East Fourth Street.

Ganz gleich, wie wenig sie gegessen hatte oder wie müde sie war, verspürte Sara doch immer einen Energieschub, wenn sie das Klassenzimmer betrat. Gemeinschaftskunde und Geschichte, Rechnen und Lesen – es gab kein Fach, das sie nicht interessierte. In Kalarasch gingen nur Jungen zur Schule, in Amerika jedoch bestand ihre Klasse zur Hälfte aus Mädchen. Sie waren nicht besonders nett zu Sara mit ihren abgetragenen Kleidern und den unordentlichen Zöpfen, doch die störte das nicht im Geringsten. Mit ihrer Familie in so beengten Verhältnissen zu leben, hieß, dass sie sich mehr nach Privatsphäre sehnte als nach Freunden. Alleinsein war ein unvorstellbarer Luxus.

Dank ihrer Begeisterung für die Schule lernte Sara schneller Englisch zu sprechen als ihre Geschwister. Bald lieh sie sich Bücher von ihrer Lehrerin und ging einmal in der Woche in die Bibliothek am Tompkins Square. Nachts saß sie am Fenster, während ihre Brüder im Schlaf ächzten, und las beim gedämpften Schein der Straßenlaterne. Die Geschichten löschten den Lärm im Hausflur aus. Sie ließen das Trampeln der Nachbarn über ihnen verstummen. Sie bezauberten sie und lenkten sie gerade genug ab, dass sie den Aufruhr in ihrem Kopf loslassen konnte.

Der Nachteil daran war natürlich, dass sie noch weniger schlief, und das Blinzeln im Laternenlicht schwächte ihre Augen. Als ihre Lehrerin bemerkte, dass sie Mühe hatte, die Schrift an der Tafel zu lesen, setzte sie Sara in die erste Reihe und gab ihr eine Nachricht für zu Hause mit.

Die Hände von Saras Mutter zitterten, als sie das Blatt Papier auseinanderfaltete. »Was steht da drauf?«, fragte sie ihre Tochter. »Was ist passiert?«

»Gar nichts ist passiert. Mrs Stewart sagt, ich bin eine ausgezeichnete Schülerin. Sie hat dir und Papa geschrieben, weil sie glaubt, dass ich vielleicht eine Brille brauche. Ihr ist auf