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Hallie
Hallie schlug die Augen auf und stöhnte.
Grundgütiger.
Es pochte in ihren Schläfen, und sie streckte die Hand aus und zerrte an der Decke über ihrem Kopf. Herrlich, die kühle Luft im Gesicht, als sie sich endlich unter der schweren Bettdecke vorgekämpft hatte. Doch dann sah sie ihr eigenes furchterregendes Spiegelbild, das ihr blöde entgegenglotzte.
Spiegel?
Moment mal, was?
Und erst da ging ihr auf, dass sie nicht bloß quer im Bett lag, sondern auch ganz am Fußende. Und dass es nicht »das« Bett war, nichtihr Bett, sondern irgendein beliebiges Bett, weiß der Teufel, wessen.
O Gott, nein.
Nein,nein, nein, nein.
Szenen von letzter Nacht prasselten plötzlich auf sie ein, während sie sich wie auf rohen Eiern vorsichtig aufsetzte, damit nur ja die Matratze nicht wackelte, und dann mit einem Blick über die Schulter hinter sich aufs Bett linste. Zwischen ihnen ein Meer aus weißer Bettwäsche, Laken und Bettdecken in einem zerknüllten Haufen, aber ja – zweifellos, da lag jemand ganz oben im Bett und schlief.
Auf dem Kopf, der mit dem Gesicht nach unten auf dem Kissen zu liegen schien, ein Schopf dichter, dunkler Haare, die, wie sie aus eigener Erfahrung wusste, erstaunlich weich waren, wenn man mit beiden Händen hineingriff. Und dann sah sie ihn und sich gegen die Tür des Hotelzimmers gepresst, ihre Hände in seinen Haaren vergraben, während er …
GAH.
Nein.
Sie musste hier raus. Ihre Hose und einer ihrer Schuhe lagen neben der Tür. Der andere Schuh fand sich im Durchgang zum Bad, wo sie ihn von sich geschleudert hatte … Ja, sie erinnerte sich noch genau, wie sie ihn in die Ecke gepfeffert und dann die Hose abgestreift hatte, noch ehe sie die Tür hinter sich zugemacht hatten.
Depp, Depp, du dämlicher.
Sie bewegte sich ganz vorsichtig, fast wie in Zeitlupe. Alles, nur den Kerl jetzt nicht wecken. Mal ehrlich, wie peinlich wäre das denn?Hi, ich bin’s, weißt du noch? Ich bindie Barkeeperin, die dir alle Knöpfe vom Smokinghemd gerissen hat. Nein, Hallie musste sich so leise wie irgend möglich anziehen und dann rausschleichen, ohne dass er was davon mitbekam.
Sie ließ sich vom Fußende des Betts rutschen und landete auf allen vieren auf dem Boden. Krampfhaft versuchte sie, nicht daran zu denken, wie dreckig so ein Hotelteppich war – überall Körperflüssigkeiten,und dann das Ding mit dem Schwarzlicht, arrrgghhhhh –, und reckte den Hals, um nachzuschauen, ob er noch schlief.
Jawohl. Im Tiefschlaf. Oder auch tot. Also alles in Butter.
Sie duckte sich wieder und krabbelte zu ihrer Hose. Das war bestimmt ein Anblick, wie sie da in Trägertop und rosa Unterhose mit winzig kleinem Eichhörnchen-Print wie eine aufgezogene Spielzeugmaus durchs Zimmer krauchte. Sie war sich ziemlich sicher, dass damit ein weiterer Tiefpunkt erreicht war, allein jetzt war keine Zeit für Anstand und Würde.
Sie sprang in die Hose, so schnell es nur ging, und zog sie dann so leise wie menschenmöglich hoch, während sie wie gebannt aufs Bett starrte.Bitte, schlaf weiter. Sie schlüpfte mit den Fü