: Elisabeth Herrmann
: RAVNA - Arktische Rache Nordic All-Age-Thriller der SPIEGEL-Bestsellerautorin
: cbj
: 9783641296735
: Die RAVNA-Reihe
: 1
: CHF 7.10
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: German
: 448
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Weiß wie Schnee und rot wie Blut. Die packende Fortsetzung des All Age-Romans von SPIEGEL-Bestsellerautorin Elisabeth Herrmann

Ravnas Heimat liegt hoch im Norden Norwegens bei ihrer Mutter Hedda und deren Rentieren, auch wenn sie mittlerweile Studentin der Polizeihochschule in Oslo ist. Als ihr leiblicher Vater, den sie kaum kennt, ein Treffen in der Hauptstadt vorschlägt, willigt sie überrascht ein. Doch bevor sie miteinander sprechen können, stürzt er ihr mit einem Messer im Rücken vor die Füße. Einem samischen Messer, das ihre Mutter geschnitzt hat. Schwer verletzt wird er ins Krankenhaus eingeliefert und die Polizei nimmt ihre Ermittlungen gegen Hedda auf. Ravna ist die Einzige, die an Heddas Unschuld glaubt. Doch ihre Mutter verschweigt ihr etwas ...

Elisabeth Herrmann fesselt mit ihren mitreißenden und atmosphärischen Thrillern ein großes Publikum. Die Leser*innen erwarten starke Heldinnen, dunkle und mystische Fälle und intelligente Hochspannung.

Alle Bände der RAVNA-Reihe:
Tod in der Arktis (Band 1)
Die Tote in den Nachtbergen (Band 2)
Arktische Rache (Band 3)

Elisabeth Herrmannwurde 1959 in Marburg/Lahn geboren. Nach ihrem Studium als Fernsehjournalistin arbeitete sie beim RBB, bevor sie mit ihrem Roman »Das Kindermädchen« ihren Durchbruch erlebte. Fast alle ihre Bücher wurden oder werden derzeit verfilmt: Die Reihe um den Berliner Anwalt Joachim Vernau sehr erfolgreich vom ZDF mit Jan Josef Liefers. Elisabeth Herrmann erhielt den Radio-Bremen-Krimipreis, den Deutschen Krimipreis und den Glauser für den besten Jugendkrimi 2022. Sie lebt mit ihrer Tochter in Berlin und im Spreewald.

1.


Samstag, 4. Februar 2023

Jokkmokk, Wintermarkt der Samen

Die Tage wurden länger.

Jeden Morgen stand die Sonne etwas früher auf, jeden Nachmittag verschwand sie ein paar Minuten später. Ihr mattes, aschgoldenes Licht traf auf den Rauch und die Wärme und die vielen Menschen, die sich durch die engen Gassen zwischen den Ständen schlängelten.

Jedes Jahr fand in der kleinen Stadt Dálvvadis3 im Norden Schwedens einer der ältesten Märkte der Welt statt: derVintermarknad4. Vierzigtausend Menschen kamen in die kleine, kaum dreitausend Einwohner zählende Stadt am Polarkreis und verwandelten das verschlafene Örtchen in das Zentrum der samischen Welt.

Bei knackigen Minusgraden zogen Rentier- und Hundeschlitten durch die verschneiten Straßen. Die bunten Trachten erzählten von der Herkunft ihrer Träger: Kautokeino, Trondheim, Jämtland, Dalarna … Touristen bestaunten das Kunsthandwerk; Konzerte, Ausflüge und vor allem die samische Küche rundeten das Angebot ab. Familientreffen, Socialising, Geschäft. Aber insbesondere eines: ein riesengroßer Spaß in eisiger Kälte.

Ravna packte Lars am Arm und schob ihn durch die Menge, die sich vor dem Stand ihrer Mutter Hedda zusammengedrängt hatte.

»Hier! Hier ist es!«

Mit glühenden Wangen und leuchtendem Blick deutete sie auf die Auslage, in der Messer mit stählernen, breiten Klingen und einem Schaft aus geschnitztem Rentierhorn und Masurbirke lagen. So kunstvoll, filigran und fein ausgeführt unterschieden sie sich sehr von den normalen Gebrauchsmessern, die für tägliche Arbeiten und zu wesentlich günstigeren Preisen an anderen Ständen angeboten wurden.

»Unserestuoraniibi5

Sie hob den Glasdeckel der Vitrine an und holte eines der schweren Stücke heraus.

»Jeder von uns Samen besitzt mindestens drei Messer, für die verschiedensten Arbeiten. Das hier zum Beispiel wird für alle groben Sachen verwendet. Zum Spalten der Rentierknochen oder fürs Hacken von Feuerholz.«

Sie reichte ihm das Messer. Er trug wie jeder hier bei minus fünfzehn Grad bis minus vierzig Grad dicke Fäustlinge. Die Kälte hatte seine Nasenspitze gerötet und unter der dicken Wollmütze, über die er noch die Kapuze seiner Daunenjacke gezogen hatte, blitzten sie seine blauen Augen an.

»Interessante Tatwerkzeuge.«

Vorsichtig nahm er ihr das Messer ab und betrachtete es neugierig. Er warPolitibetjent6 in Kirkenes und wusste, wie schnell ein Gebrauchsgegenstand zur Waffe werden konnte. Ravna, aus eigener, bitterer Erfahrung, auch.

»Heddas Messer sollte man sich eher an die Wand hängen. Schau mal, diese Verzierungen. Und hier …« Sie wies auf das flache Ende des Schafts. »Da hat sie ein paar von unseren Runen eingearbeitet. Jedes sieht anders aus. In dieses hier hat sie die Sonne und den Gott der Jagd geschnitzt. Und unser Familienzeichen, diese Striche in der Mitte.«

»Was kostet so eins?«

Er sah aus, als würde er sich wirklich überlegen, es zu kaufen.

»Verhandlungssache«, sagte sie. »Wenn man natürlich die Tochter der Künstlerin kennt und sie ein gutes Wort einlegt –«

»Ravna!«

Sie fuhr zusammen und drehte sich um. Hedda, bis eben im Gespräch mit einem Kunden, blitzte sie wütend an.

»Sag diesem Trottel, er soll das Messer zurücklegen!«, fauchte sie auf Samisch.

»Eadni?7«

Ravna s