Kapitel 2
Sieben Monate später
Simona
Verdammt, ich bin viel zu spät dran!
Ich hetze über den Campus, drängle mich auf dem Weg zum Hauptgebäude an anderen Studierenden vorbei. Die Professorin, mit der ich einen Termin habe, wartet sicher schon. Hoffentlich wirkt sich das nicht auf die enorme Chance aus, die wir besprechen wollen. Allein beim Gedanken daran schlägt mein Herz schneller, obwohl es schon wie wild Blut durch meine Venen pumpt, weil ich fast jogge. Ausgerechnet ich. Bei Bauch-Beine-Po-Workouts bin ich dabei, aber Joggen ist mir zuwider. Ich hechle wie ein Hund, spüre, wie mir Schweiß den Nacken herunterläuft. Doch ich will nicht riskieren, den Termin zu verpatzen.
In Gedanken schelte ich mich selbst dafür, bei meinem Me-Time-Programm die Zeit vergessen zu haben. Gerade heute wäre es wichtig gewesen, pünktlich zu sein. Immerhin habe ich jetzt eine Gesichtshaut wie ein Babypopo.Großartig.
Nach den turbulenten letzten Wochen hatte ich die Zeit für mich bitter nötig. Ich bin froh, dass jetzt wieder Ruhe eingekehrt ist und sich die Sache um Sara und Fabian geklärt hat.
Mein Handy vibriert in meiner Tasche. Ich ignoriere es. Dafür habe ich jetzt keine Zeit.
Ich bin derart in Eile, dass es mir fast nicht auffällt. Ein Student dreht sich nach mir um, wirft mir einen merkwürdigen Blick zu. Ich passiere eine Gruppe Frauen, die mich ebenfalls mustern, bevor sie tuschelnd ihre Köpfe zusammenstecken und sich über ein Handy beugen. Das bin ich gewohnt, mit meinen türkisblauen Haaren falle ich auf. Aber es hört nicht auf. Immer mehr Studierende drehen sich nach mir um, immer mehr skeptische Blicke, hochgezogene Brauen und Tuscheleien umgeben mich.
Was ist hier los? Habe ich etwa noch Reste der Algenmaske im Gesicht?
Zum Glück erreiche ich im nächsten Moment das Hauptgebäude, eile die schmalen Stufen hinauf und an den beiden Wolfstatuen vorbei, die den Eingang flankieren. Kann ich es mir leisten, einen Abstecher zur Toilette zu machen, um mein Gesicht zu prüfen?
Mein Handy vibriert erneut. Ich ziehe es heraus, ein Anruf meiner Mitbewohnerin Elora. Nachdem mir die Uhrzeit ins Auge springt, drücke ich sie fluchend weg und stelle das Handy stumm. Definitiv kein Abstecher mehr.
Ich haste weiter, ignoriere die Blicke, die mich zu verfolgen scheinen. Vor dem Büro der Professorin bleibe ich stehen. Ich streiche mein weißes Kostüm glatt, wische mir über die Wangen und ordne meine Haare. Dann klopfe ich an.
»Entschuldigen Sie meine Verspätung, Professorin Weber«, begrüße ich die Frau mittleren Alters, sobald ich eintrete. Ihre braunen Haare sind streng zurückgekämmt, die Brille sitzt zu tief auf der Nase.
»Kein Problem, nehmen Sie bitte Platz.« Sie deutet auf den Sessel vor ihrem Schreibtisch. Ein großes, kirschbraunes Ungetüm, auf dem sich neben einemiMac unzählige Bücher stapeln.
Ich komme ihrer Aufforderung nach und schla