Aegidus
Eine Legende.
Zu Athen in Griechenland lebte im siebenten Jahrhundert eine hochadelige, mit Gütern reich gesegnete Familie. Sie stand an der Spitze der vornehmen Gesellschaft des Landes und genoß hohe Vorrechte und lebte im Vollgenusse der irdischen Freuden. Sie war zum Christenthum übergetreten, denn das Gebot: „liebe deinen Nebenmenschen wie du dich selbst liebest!“ gefiel ihr gar sehr. Sie fühlte sich durch die neue lehre doch nicht so außerordentlich verpflichtet; die Familie Aegid hatte nicht gar viele Nebenmenschen, sie stand ja zuhöchst in der Gesellschaft und die Bewohner des Landes wären ihr nicht bei-, sondern untergeordnet; das waren also keine Nebenmenschen. Und den Untergeordneten gebietet das Christenthum: Ehre deine Obrigkeit und sei ihr gehorsaml — So waren die Satzungen der großen lehre dem Hause Aegid wie aus der Seele gesprochen.
Diese Familie hatte