Vorläufer der veganen Revolution
Eine vegane Zukunft erscheint 2023 weit weg. Das Trendbarometer zeigt in die entgegengesetzte Richtung. Jedes Jahr werden mehr Nutztiere getötet. In den letzten zwanzig Jahren hat sich der globale jährliche Fleischkonsum auf 320 Millionen Tonnen mehr als verdoppelt, zwischen 1960 und heute fast verfünffacht.[2] Für Deutsche, Österreicher:innen und Schweizer:innen ist Fleisch längst kein Luxusprodukt mehr. Ein Durchschnittdeutscher muss nur gerade 35 Minuten arbeiten, um sich ein Kilo Hähnchen leisten zu können.[3] Auch in nicht westlichen Ländern vervielfachte sich die Produktion. In Indien stieg sie zwischen 1961 und 2017 um das 51-Fache, in China um das 29-Fache. Gleichzeitig nimmt die Fisch- und Meeresfrüchtezucht rasant zu. Mittlerweile stammt die Hälfte der weltweiten »Erträge« von Wassertieren aus Aquakulturen, 2030 sollen es zwei Drittel sein.[4]
Doch dieses Wachstum geht mit einem hohen ökologischen Fußabdruck und mit Risiken einher, die das friedliche Zusammenleben der Menschen bedrohen. Völlig unabhängig von der Sorge um die Lebensqualität und die Rechte der Nutztiere gibt es sieben Gründe, warum die Welt unweigerlich auf Peak Meat zusteuert, also auf den Moment, in dem die Wachstumskurve des Fleischkonsums bricht und dieser kontinuierlich zu sinken beginnt.[5]
Zunahme der Bevölkerung
In den nächsten fünf Jahren wird der globale Fleischkonsum um weitere 13 Prozent steigen, prophezeit der von der Heinrich-Böll-Stiftung herausgegebeneFleischatlas. Der Anstieg folgt zum einen aus dem Bevölkerungswachstum. Letztes Jahr erreichte die Menschheit die Acht-Milliarden-Marke. Zwar verlangsamt sich das Wachstum, und China, Russland, Japan oder Italien sind schon am Schrumpfen. Doch das Bevölkerungsmaximum ist noch nicht erreicht. Gemäß den jüngsten Projektionen der UNO wird die Menschheit 2038 die Schwelle zur neunten Milliarde überschreiten, jene zur zehnten Milliarde circa 2060. Erst ab den 2080er Jahren soll die Weltbevölkerung nicht mehr wachsen, bei einer Größe von etwa 10,4 Milliarden. Gegenüber dem heutigen Stand entspricht dies einer Zunahme von fast einem Drittel. Mehr als die Hälfte des Bevölkerungszuwachses bis zur Jahrhundertmitte findet in nur neun Ländern statt. Zu ihnen zählen Indien, Nigeria, Pakistan, die Demokratische Republik Kongo, Bangladesch, die Philippinen und Ägypten. Tansania und Äthiopien gehören ebenfalls zu diesen Ländern, wobei deren Landwirtschaft stark unter dem Klimawandel leiden wird.[6]
Zunahme des Fleischkonsums
Zum anderen ist der steigende Fleischkonsum ein Ergebnis von Wohlstandsgewinnen – insbesondere der neuen Mittelschichten in Asien und Afrika.Fleisch ist Status. Wer andere einlädt oder mit ihnen essen geht, will zeigen, dass er oder sie es geschafft hat. In der Regel gilt: Je höher das BIP, desto höher der Fleischverbrauch. Seit 1960 nimmt er weltweit jährlich um drei Prozent zu.[7] Die Covid-Pandemie und die darauffolgende Inflation brachten die Wachstumskurven zwar kurzzeitig zum Flackern, brechen den Trend aber nicht. Wenn man mehr als fünf Jahre in die Zukunft schaut, nehmen die erwarteten Veränderungen krasse Ausmaße an. DerWorld Resources Report von Weltbank und UNO prognostiziert, dass bis 2050 weltweit 50 Prozent mehr Nahrungsmittel produziert werden müssen. Die FAO geht von einer Steigerung des Fleischkonsums von fast 80 Prozent aus. Der Konsum von Hühnerfleisch dürfte sich verdoppeln, beim Rind erwarten Expert:innen eine Zunahme von 70 Prozent, beim Schwein von 40 Prozent.[8] Auch bei anderen tierischen Produkten wird ein Wachstum erwartet. Allein in China soll die Milchproduktion bis 2050 um 30 Prozent zulegen.[9] Für die Gesundheit des Planeten sind diese Steigerungen eine schlechte Nachricht.
Zunahme der Treibhausgase
Die von allen Rindern der Welt ausgeschiedenen Treibhausgase sind schädlicher als jene aller Pkws. Im Vergleich zum globalen Flugverkehr stößt die Landwirtschaft zehnmal und die Viehwirtschaft dreimal mehr CO2 aus.[10] Wer sich ein Jahr vegan ernährt, spart etwa so viel CO2 ein, wie bei einem Langstreckenflug anfallen. Anders als bei der Mobilität, wo die