Die Kaiserzeit
OCTAVIAN UND DIE ERRICHTUNG DES PRINZIPATS
Auch, wenn mit der Schlacht bei Actium eine neue Großepoche der römischen Geschichte beginnt, war der Übergang zwischen Republik und Kaiserzeit kein scharfer Bruch, sondern fließend. Das zeigen sich an mehreren Punkten:
Zu einer Änderung der Regierungsform kam es allein deswegen, weil die kleine stadtrömische Elite in eine Krise geriet und es nicht schaffte, diese beizulegen. Zweifellos gab es in der späten Republik viele Probleme, darunter auch solche wie die Verelendung der Landbevölkerung, die einiges an sozialem Zündstoff in sich bargen. Gelegentlich erhoben sich die Unzufriedenen auch, wie 73 bis 71 Sklaven unter Spartacus᾽ Führung, aber keiner dieser Missstände brachte die Republik zum Einsturz und der Bürgerkrieg wurde nicht von Aufständen begleitet, verschärft oder auf andere Art beeinflusst. So änderte sich für die einfachen Menschen, speziell außerhalb der Hauptstadt, erst einmal gar nichts, als sie nicht mehr in einer Republik lebten, sondern unter einem Princeps. Die Gesellschaft war selbstverständlich nicht statisch und entwickelte sich wie das Herrschaftssystem weiter, aber das ging über wesentlich längere Zeiträume vor sich.
Caesars Ernennung zum Diktator auf Lebenszeit war zwar weder eine Königsherrschaft noch eine Kaiserherrschaft, aber bereits eine Monarchie in dem Sinn, dass der Begriff von seinen griechischen Wurzeln her nichts anderes bedeutet als Herrschaft eines Einzelnen. Da nach seiner Ermordung seine Unterstützer die Oberhand gewannen, kam es auch nicht zu einer Rückkehr vom Notfallmodus der Republik zu ihrem Normalbetrieb. Das Triumvirat fußte auf diktatorischen Vollmachten, wenn sie auch zwischen drei Männern aufgeteilt waren, und Octavian konnte später auf vielen Entwicklungen aufbauen, die Caesar grundgelegt hatte.
Auch von der anderen Seite her gedacht ergibt sich das Bild eines fließenden Übergangs. 31 war das Triumvirat endgültig Geschichte und Octavian somit der einzige verbliebene Machthaber. Er war aber noch nicht der Princeps, wie die Kaiser bis 284 genannt wurden. Der Beginn seiner Regierungszeit wird erst auf das Jahr 27 datiert. Actium als Beginn der Kaiserzeit anzusetzen, hat dann auch weniger damit zu tun, dass sich zu diesem Zeitpunkt bereits etwas Grundlegendes verändert hätte, als damit, dass sich derjenige im Machtkampf durchsetzte, der ein paar Jahre später der erste Princeps sein würde: Octavian, besser beka