: Katharina Levashova
: La Vie Kein Ende ohne Anfang
: Buchschmiede von Dataform Media GmbH
: 9783991399612
: 1
: CHF 8.70
:
: Erzählende Literatur
: German
Die Zeit eines Menschenlebens scheint wie ein Wimpernschlag im Vergleich zur Erdgeschichte. Auch Ferdinands Tage sind bereits gezählt. Trotz seiner siebenundneunzig Jahre arbeitet sein Verstand auf Hochtouren. Er nimmt die Alltagssorgen seiner Mitmenschen besonders intensiv wahr. Dabei erinnert er sich an die Tage seines Lebens, die Menschen und den Krieg, die ihn in seiner österreichischen Heimatstadt Melk so geprägt haben. Was hat der alte Ferdinand mit seiner vom Leben gebeutelten Enkeltochter und ihren Freundinnen, einem syrischen Flüchtlingsmädchen und dem jungen Liebespaar gemeinsam? 'La Vie' ist eine Erzählung über Generationen, die aus unterschiedlichen Perspektiven den alltäglichen Wahnsinn des Lebens aufgreift. Ein Buch mit Einblicken zu Neunfängen und Endlichkeit, ungeschönt und aus dem Leben gegriffen.

Katharina Levashova, geboren 1983 in Mautern/Donau, liebt ihren Brotberuf im Gesundheitsmanagement, wollte aber eigentlich immer nur eins: Schriftstellerin werden. Kurz vor ihrem 40. Geburtstag erfüllt sie sich diesen Lebenstraum mit ihrem Debut"La Vie". Die Autorin lebt in Österreich, hat drei Kinder und liebt neben Büchern auch Filme, Serien, Tee und Schokolade.

Prolog

Denken Sie auch manchmal darüber nach, wie fürchterlich das Leben eigentlich sein kann, wo es doch zeitgleich so wunderbar strahlt? Ich durchaus. Grundsätzlich nehme ich mir sehr viel Zeit zum Denken. Auf meinem Platz hier - auf der hölzernen Parkbank unter den alten Linden - sitze ich und sinniere vor mich hin. Es ist einer meiner vielen Lieblingsplätze in der Kleinstadt. Diese Bäume wurden vor meiner Geburt gepflanzt. Ihre Stämme sind dick, die Rinde rissig und ihre Äste knorrig. Es wurde mir einmal erzählt, diese mächtigen Gefährten könnten tausend Jahre alt werden. Es mag seltsam klingen: Die Kraft der Bäume erdet mich. Hilft mir, tief in mich hinein zu blicken, nachzudenken, über mich und mein Leben. Über andere Menschen, über meine Arbeit im Sägewerk, der ich früher einmal nachgegangen bin, die nächste Mahlzeit, einen schönen Urlaub, an den ich mich erinnere. Über die Sorgen, die mir meine Kinder machen. Immer noch, obwohl selbst deren Kinder schon Kinder haben. Die Menschen nehmen sich viel zu wenig Zeit zum Denken. Ich behaupte, wer sich mehr Zeit nimmt, um nachzudenken, trifft bewusstere Entscheidungen und ist glücklicher.

Denken sollte wieder in Mode kommen. Nicht dieses High-End-Denken, motiviert vom Erfolgstrieb, auf dem Nährboden des unendlichen Wissens, das sich die jung