: Alisha Bionda, Cat Lewis, G. L. M. Nani, Thomas Tippner, Stefan S. Kassner
: Der Mops, der Osterhase spielte
: Ashera Verlag
: 9783910587113
: 1
: CHF 4.50
:
: Erzählende Literatur
: German
: 200
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Im Licht der Ostersonne bekommen die Geheimnisse der Erde ein anderes Licht. (Friedrich von Bodelschwingh) Stefan S. Kassner, Cat Lewis, G. L. M. Nani und Thomas Tippner unterhalten die Leser auf sehr unterschiedliche Weise zum Thema Ostern und Osterhase. Mit der Titelnovelle von Stefan. S. Kassner

Alisha Bionda wurde in Düsseldorf geboren und lebt seit 1999 auf den Balearen. Schon seit frühester Kindheit haben es ihr die Literatur und Musik angetan. Aber auch die bildenden Künste. Ihre ersten Fantasy-Romane sind im Ueberreuter-Verlag in der von Wolfgang Hohlbein ins Leben gerufenen 'Edition Märchenmond' erschienen. Seit 2009 gibt sie 18 Reihen in verschiedenen Verlagen heraus.

G. L. M. Nani


 

Glauben Sie an den Weihnachtsmann? Wie sieht es mit dem Schutzengel aus? Glauben Sie, an die Phantasie und an ihre Macht? Und dass Bauchrednerpuppen ein Eigenleben haben? Glauben Sie an den Osterhasen?

 

Frühlingsbeginn. Montagmorgen. Erster Arbeitstag. Ich bin spät dran. Der verdammte Wecker hat sich einen Aprilscherz erlaubt, dabei sind wir noch im März. Haare waschen kann ich mir sparen, duschen nicht. Auf meinen Kaffee kann ich nicht verzichten, auf die Haferflocken schon. Mein Magen wird dann wahrscheinlich im Stuhlkreis knurren. Also nochmal: Auf meinen Kaffee kann ich nicht verzichten, auf die Haferflocken auch nicht. Ich soll die Leitung der Selbstwertgruppe in der psychiatrischen Tagesklinik Sockus übernehmen. Der Direktor Prof. Dr. med. Christian Grind rief mich höchstpersönlich am Freitagabend völlig aufgewühlt an und begrüßte mich mit folgenden Worten: „Sehr geehrte Frau Silber, bitte lassen Sie mich ausreden! Sie sind meine einzige und letzte Hoffnung. Mir ist bewusst, dass wir auf Kriegsfuß stehen; mir ist bewusst, dass es hauptsächlich meine Schuld ist, weil ich Ihre Methoden belächle, ehm … ehm … bisher belächelt habe, aber bitte, bitte Frau Silber …“

Was soll ich sagen? Er hat mir einen Blankoscheck angeboten, nicht nur was das Honorar betrifft, sondern auch für die Methoden. Meine Methoden, die er noch vor zehn Jahren als ‚Hexenwerk‘ und ‚unorthodox‘ bezeichnete. Und dies auf einer Konferenz. Das Einzige, was ich zu tun habe, ist die besagte Selbstwertgruppe zu übernehmen. Der Kollege Herr Dr. Thomas Heilig, sei seit einem Monat wegen Überforderung bis auf Weiteres ausgefallen und es findet sich keinen Ersatz. Auf meine Frage, was mich für eine Truppe erwarten werde, bat mich der Direktor, mir am Montag selbst ein Bild zu machen. Das bedeutet, dass ich von Serienmörder zu Narzissten, von ‚Ich-Spreche-Nicht-Mal-Wenn-Du-Mich-Mit-Fragen-Überhäufst-Introvertierte‘ zu ‚Lassen-Sie-Mich-Bit-te-Diesen-Gedanken-Noch-Aussprechen-Quasselstrippen‘ alles vorfinden kann.

Hatte ich erwähnt, dass ich spät dran bin? Der Direktor wird mir verzeihen, ich nicht. Denn die Patienten werden schon im Raum sein, wenn ich ankomme. Augen zu und durch! Ich kann es nicht ändern, also warum aufregen?

 

 

Die Vorstellungsrunde

 

Kennen Sie das Gefühl, wenn ein Fingernagel abbricht und alle anderen noch perfekt manikürt sind? Genauso fühle ich mich in dieser Klinik … wie der abgebrochene Nagel meines Mittelfingers. Nach einer temporeichen Führung durch das Gebäude – ich hoffe, ich kann die Kaffeeküche und das Klo ausfindig machen, wenn ich sie zur Wiederbelebung oder Erleichterung brauche – stehe ich vor dem Gruppenraum 027. Ich kann klopfen und direkt eintreten oder lauschen. Raten Sie mal? Sie hätten dasselbe ge