Rahel stützt sich mit beiden Händen auf dem Lavabo ab und wartet auf die Entscheidung ihres Körpers, ganz aufzugeben und in Ohnmacht zu fallen oder die Kraft doch noch aufzubringen, um stehen zu bleiben. Nach drei schweren Atemzügen fühlt sie, wie das Blut wieder langsam in ihren Kopf zurückfließt.Also keine Ohnmacht. Sie hebt den Blick zum Spiegel, der jetzt nah an ihrem Gesicht ist. Es ist nicht das erste Mal, dass ihr schwarz vor Augen wird. «Das sei wegen des niedrigen Blutdrucks», meinten die Ärzte. «Dieser sei besser als erhöhter Blutdruck», hieß es, als ob das etwas ganz Großartiges wäre. Wie hilfreich, dachte sie damals nur,lebenslängliche Ohnmachtsanfälle für mich. Noch ein tiefer Atemzug. Die schwarzen Punkte vor Rahels Augen verblassen langsam.
Die junge Frau, die Rahel im Spiegel erblickt, wirkt fremd, ihre Erscheinung kommt ihr nichtssagend vor. Langes, dunkelbraunes Haar fällt ihr auf beiden Seiten