: Thomas Prünte
: Brücken bauen Das Geheimnis von Nähe und Distanz in der Partnerschaft
: Junfermann Verlag
: 9783749504329
: 1
: CHF 21.70
:
: Partnerschaft, Sexualität
: German
: 192
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die richtige Balance von Nähe und Distanz Sehnen Sie sich nach mehr Nähe und Zweisamkeit? Oder ist es Ihnen im Gegenteil zu eng in Ihrer Beziehung und Sie hätten gern mehr Freiraum? Wie bedeutsam das Bedürfnis nach menschlicher Nähe und Distanz ist, hat der Lockdown während der Corona-Pandemie gezeigt. Einem Menschen nah sein zu wollen und es nicht zu dürfen, ist schmerzhaft. Der Wunsch nach Distanz meldete sich bei all denen, die auf beengtem Raum mehr Zeit miteinander verbringen mussten, als sie es gewohnt waren. Die richtige Balance von Nähe und Distanz zu finden ist auch - nicht nur in Krisenzeiten - in jeder Partnerschaft eine Herausforderung. Dieses Buch ... - führt die Gründe auf, die die Umsetzung einer guten Balance erschweren, - gibt Anregungen, um die eigene Beziehung und die Beziehung zu sich selbst zu beleuchten und zu verbessern, - stellt Beispielpaare vor, deren Geschichten dabei helfen, bewusster mit Problemen von Nähe und Distanz umzugehen. Reflexionsfragen und Anregungen für einen Austausch mit dem/der Partner:in unterstützen dabei, passende Lösungen zu finden.

Thomas Prünte ist Dipl.-Psychologe und seit über 30 Jahren in eigener psychotherapeutischer Praxis in Hamburg tätig. Er arbeitet als Paartherapeut (EFT) sowie als Dozent an diversen Ausbildungsinstituten. Als Autor hat er sich ausführlich mit der Frage befasst, wie Menschen sinnerfüllt leben und lieben können.

1. Die gute Distanz


1.1 Nähe und Distanz – Ihre Bestandsaufnahme


Distanz aus der Nähe betrachtet

 

Ich möchte Ihnen zu Beginn dieses Buchs eine einfache Übung zur Orientierung vorschlagen. Sie hilft Ihnen dabei, ohne Worte eine Bestandsaufnahme des Nähe-Erlebens in Ihrer Beziehung vorzunehmen. So bekommen Sie ein besseres Gespür dafür, welche Aspekte für Sie besonders relevant sein könnten.

Nutzen Sie dieVorlage. Zeichnen Sie darin zwei Kreise. Ein Kreis symbolisiert den Partner, der andere Sie selbst. Bringen Sie durch den Abstand zwischen diesen Kreisen zum Ausdruck, wie nah oder fern Sie sich im Moment Ihrem Partner fühlen. Dann zeichnen Sie in das nächste Feld, wie Sie es gern hätten.

Wenn Sie Kinder haben, platzieren Sie diese ebenfalls in das Feld und verdeutlichen Sie, wie nah oder fern Sie Ihre Kinder zu sich selbst und Ihrem Partner erleben. Im nächsten Feld gestalten Sie dann Ihre Wunschvorstellung.

Bevor Sie loslegen, werfen wir einen Blick auf die Zeichnungen von Evelyn, Christiane und Johannes (Abb. 1.1–1.6).

Ein Kreis für dich und ein Kreis für mich

So nah / distanziert empfinde ich uns im Moment

Abbildung 1.1: Evelyn:Jeder ist im Moment für sich. Wir sind zwei eigenständige Persönlichkeiten, das gefällt mir. Da ist viel Raum zwischen uns. Das ist einerseits ganz angenehm, weil ich viel Freiraum habe, andererseits fehlen mir Nähe und warmer Kontakt.

So wünsche ich es mir

Abbildung 1.2: Evelyn:Ich wünsche mir, dass wir uns näher kommen. Wir müssen nicht unbedingt verschmelzen, denn Abgrenzung ist mir wichtig. Deswegen überschneiden sich die Kreise nicht.

So ist es mit den Kindern und uns

Abbildung 1.3: Christiane:Meine Tochter ist nah bei mir. Unser Sohn sucht eher die Nähe seines Vaters, wobei da durchaus etwas Distanziertheit zu spüren ist. Manchmal denke ich, wir könnten als Paar mehr Zeit für uns haben und uns näherstehen.

So wünsche ich es mir mit uns und den Kindern

Abbildung 1.4: Christiane:In meiner Wunschvorstellung rücken mein Mann und ich näher zusammen. Obwohl ich es in der Zeichnung nicht gut ausdrücken konnte, stelle ich mir vor, dass auch er mehr Kontakt zu unserer Tochter aufbaut und mein Sohn mir etwas näher kommt.
Ganz praktisch gedacht fände ich es schön, wenn mein Mann und ich Hand in Hand spazieren gehen, das haben wir in der letzten Zeit kaum noch gemacht. Die Kinder könnten abwechselnd mal an meiner und an seiner Hand gehen.

So nah / distanziert empfinde ich uns im Moment

Abbildung 1.5: Johannes:Mir ist es zu nah geworden. Wir machen im Moment viel zu viel zusammen. Manchmal bin ich deswegen gereizt und breche einen Streit vom Zaun.