Kapitel 2
Sieben Monate waren vergangen, seit Neveflora ihre Mutter verloren hatte.
Obwohl das übliche Trauerjahr noch nicht vorüber war, hatte ihr Vater den Beschluss gefasst, erneut den Bund der Ehe einzugehen. Heute schon sollte die junge Braut eintreffen. Eine Königstochter aus einem der südlichen Königreiche. Nach allem was Neveflora bisher wusste, war Prinzessin Agnes-Maria kaum älter als sie selbst.
Traurig dachte sie an das Gespräch mit dem König vor vier Wochen.
»Liebe Tochter«, hatte ihr Vater begonnen. »Deine Mutter ist vor sechs Monaten gestorben. Sie wird immer in meinem Herzen bleiben. Ich liebe sie nach wie vor. Es vergeht kein Tag, an dem ich mich nicht nach ihr sehne.«
Neveflora hatte gesehen, wie er um Fassung gerungen hatte, um weitersprechen zu können, während sie selbst ebenfalls mit den Tränen zu kämpfen hatte. »Letzten Monat ist eine Depesche von König Frederic gekommen. Es gab einen Skandal um seine Tochter. Aus dem Grund ist ihm sehr daran gelegen, dass diese so schnell wie möglich verheiratet wird. Je weiter weg von Marlanda, desto besser. Ihm ist bewusst, dass deine Mutter erst vor kurzem verstorben ist. Dennoch hat er mir die Hand seines Kindes angeboten. Allerdings unter der Bedingung, dass die Hochzeit alsbald stattfindet.«
Ein leichtes Kopfschütteln hatte seine nächsten Worte begleitet. »Ich wurde inoffiziell über den Skandal unterrichtet. Für mich ist dieser Vorfall kein Hinderungsgrund, die Prinzessin zu ehelichen. König Frederic ist ein starker Bündnispartner. Deshalb habe ich, trotz aller Bedenken wegen des sehr frühen Zeitpunktes, dem Vorschlag zugestimmt. Würdest du bitte veranlassen, dass die Gemächer für Prinzessin Agnes-Maria hergerichtet werden? Sie ist etwa in deinem Alter. Bist du so lieb und schaust, dass sie sich bei uns wohlfühlen kann?«
Innerlich erstarrt hatte Neveflora nur genickt. Dass ihr Vater erneut heiraten würde, war ihr bewusst gewesen. Dass ihre Mutter bereits nach so kurzer Zeit ersetzt werden sollte, schockierte sie dennoch. Sie wollte ihm ke