4. KAPITEL
Zur Wilhelminischen Epoche gehörten nicht nur Paraden und Pickelhauben, sondern auch das Streben des Kaisers, das Deutsche Reich von einer Großmacht zu einer Weltmacht auszubauen.
Viele Unternehmen und Händler fühlten sich von dem Regenten gut vertreten, hofften auf stetiges wirtschaftliches Wachstum. Die meisten Deutschen sahen in Wilhelm einen hervorragenden Repräsentanten; man war stolz, ein Deutscher zu sein.
Friedrich sah den Kaiser im Gegensatz zu Charlotte weiterhin skeptisch. Er informierte sich über die Tageszeitung, die er seit einem Jahr abonniert hatte. Er fand die außenpolitischen Entscheidungen des Kaisers riskant. Er befürchtete, die Großmannssucht Wilhelms vergraulte die vorhandenen Bündnispartner.
Als das Deutsche Reich 1895 die chinesische Hafenstadt Tsingtau auf neunundneunzig Jahre pachtete, beunruhigte dies besonders Großbritannien, das seine Vorherrschaft schwinden sah. Im Laufe der Jahre erweiterte Wilhelm den Kolonialbesitz des Deutschen Reichs. Bismarcks Worte, das Reich genüge sich selbst, schienen unbedeutend zu werden.
Der technische Fortschritt war rasant. Neben die Schwerindustrie, die bis vor ein paar Jahren an erster Stelle stand, setzten sich die Chemie- und Elektroindustrie.
Auch der Betrieb, in dem Friedrich beschäftigt war, entwickelte sich zu einem großen renommierten Unternehmen. Seine Verantwortung wuchs im personellen wie auch produktiven Bereich. Bedingt durch die hohen Auftragszahlen fuhren sie doppelte Arbeitsschichten, sein Chef stellte neue Arbeiter ein. Der wirtschaftliche Aufschwung hielt sich ein paar Jahren, dann schwächte er kurzzeitig ab, die Auftragslage verändert sich vorübergehend, bis die Konjunktur sich wieder erholte, und eine erneute Blüte einsetzte.
Friedrich war erfolgreich in seinem Beruf. Bei seinem Chef stieg er stetig im Ansehen, er vertraute ihm. Friedrich erfüllte dies mit Stolz, er war verantwortlich für die Arbeit von