1
Wren
Ich verdiene mir meinen Lebensunterhalt, indem ich dafür sorge, dass es Menschen besser geht – ohne sie dafür aufschneiden oder ihnen Medikamente verschreiben zu müssen. Ich finde das ziemlich cool, wenn ihr mich fragt. Als mobile Masseurin mache ich Hausbesuche. Das ist noch so etwas, was ich an meinem Job mag: Ich muss ihn nicht immer in denselben vier Wänden machen. Die Agentur, für die ich arbeite, Elite Massage, hat ein Büro in der Innenstadt. Dorthin gehe ich einmal im Monat, um mich mit allem einzudecken, was ich brauche, und um auf dem Laufenden zu bleiben. Als ich an jenem Nachmittag vorbeikam, hatte meine Chefin, Trina, Neuigkeiten für mich.
»So, ich habe noch einen neuen Termin für dich, falls du es morgen noch reinquetschen kannst«, sagte sie.
»Wo ist es?«, fragte ich und stopfte diverse Öle in meinen Rucksack.
»Brookline. Es wurde übrigens ausdrücklich nach dir gefragt.«
Ich hielt einen Moment inne. »Von wem?«
»Sein Name ist Dax Moody. Schon mal von ihm gehört?«
Ich schüttelte den Kopf. »Nein. Ist mir völlig unbekannt.«
»Nun, er ist jedenfalls in Ordnung.«
Trina überprüfte neue Klienten immer auf Vorstrafen, was ich sehr zu schätzen wusste, schließlich ging ich zu ihnen ins Haus und war oft allein mit diesen Fremden.
»Außerdem habe ich ihn gegoogelt und bin auf der Webseite seiner Firma gelandet«, fuhr sie fort. »Er ist Besitzer einer Kapitalanlagegesellschaft.«
Dax Moody. Hmm … nichts. »Vermutlich bin ich ihm von jemandem empfohlen worden.«
Trina deutete auf ihren Computer. »Schau dir mal dieses Grundstück an. Dort lebt er.« Sie hatte Google Earth aufgerufen und zoomte das Haus heran. Es war ein großes Ziegelgebäude mit einem schwarzen schmiedeeisernen Zaun drum herum.
»Wow«, sagte ich.
»Ja. Vielleicht solltest du dir mal was Hübscheres als das übliche T-Shirt und die zerrissene Jeans anziehen.« Sie zwinkerte mir zu. »Du weißt schon, falls er Single ist.«
»Wenn er in Brookline in einem Haus wie diesem lebt, ist er das garantiert nicht. Aber das ist sowieso egal. Gibt es da nicht die Regel, dass man Arbeit und Vergnügen nicht vermischen soll?«
Sie zuckte mit den Schultern und zoomte das Haus noch näher heran. »Du weißt doch, was man über Regeln sagt.«
Am nächsten Tag parkte ich vor dem weitläufigen Grundstück und fragte mich, woher die Schmetterlinge in meinem Bauch kamen. Ich hatte schon vorher wohlhabende Klienten gehabt. Aber irgendetwas an diesem Auftrag fühlte sich anders an, auch wenn ich nicht hätte sagen können, was es war.
Brookline grenzte direkt an die Stadt an, und mitten durch den Ort fuhr eine Straßenbahn. Durch die Nähe zu den Bostoner Hochschulen wohnte hier eine Mischung aus Studenten und wohlhabenden Professoren, je nach Vier