: Birgit Loistl
: Glücksgefühle im kleinen Cafe in den Highlands Roman | Romantischer Liebesroman in Schottland
: Piper Verlag
: 9783492989534
: Große Gefühle in Schottland
: 1
: CHF 2.20
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 300
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Willkommen im romantischsten Café Schottlands: Wenn der Traum deiner schlaflosen Nächte plötzlich vor dir steht ... Für alle Leser:innen von Jenny Colgan und Kelly Moran  »Küssen ist wie Schokolade essen. Süss, manchmal klebrig und es macht unglaublich süchtig!« Tagsüber kümmert sich Ella um den Brautmodenladen ihrer Großtante, nachts schreibt sie unter dem Pseudonym Eliza Woods leidenschaftliche Liebesromane. Protagonist ihrer Geschichten ist dabei immer Adam Parker, New Yorker Immobilienmakler, Herzensbrecher und bester Freund von Cafébesitzerin Raelyn. In ihren Romanen lebt Ella jede Fantasie mit Adam aus. Da sie unter Pseudonym veröffentlicht, fühlt sie sich sicher. Unter keinen Umständen will sie, dass die Bewohner Duncans von ihrer Leidenschaft erfahren. Adam weiß nicht, dass Ella für ihn schwärmt, noch dass er der Held ihrer Bücher ist. Bis er eines Tages in Duncan auftaucht und zufälligerweise eine ihrer Geschichten zu lesen bekommt ... Mit einem Rezept für »Cruffins« »Ein schöner Wohlfühlroman und wer würde sich nicht in die Protagonisten verlieben oder ihnen die Meinung sagen ...und das schönste ist natürlich das happy end«  ((Leserstimme auf Netgalley))

Birgit Loistl wurde 1977 in Oberbayern geboren. Trotz ihrer Ausbildung zur Bankkauffrau galt ihre Liebe schon immer mehr den Buchstaben als den Zahlen. 2015 erfüllte sie sich einen großen Traum und veröffentlichte ihren ersten Roman, dem mehrere erfolgreiche Bücher als Selfpublisherin folgten. Sie liebt Eiskaffee, Spaziergänge im Regen und das Meer. Die Autorin lebt mit ihrer Familie und dem Familienhund in der Nähe von München.

Ella


Küssen ist wie Schokolade essen. Süß, manchmal klebrig, und es macht unglaublich süchtig!

 

Lächelnd stecke ich das Handy zurück in die Jackentasche und steige aus meinem Honda. Ich vermisse Marcy und ihre Sprüche schon jetzt, dabei ist es gerade mal zwei Stunden her, seit wir uns am Flughafen in Edinburgh voneinander verabschiedet haben. Automatisch wandert mein Blick zum wolkenverhangenen Himmel. Typisch für Schottland, noch typischer für Duncan. Es ist fast so, als bemitleidet mich der Himmel um den Verlust meiner Freundin.

Der Gedanke, dass Marcy und ihr Ehemann Henry jetzt dort oben in einem Flugzeug sitzen und nach Perth ins weit entfernte Australien fliegen, um Marcys Theatertournee mit einer Neuinszenierung von ShakespearesMacbeth zu starten, lässt mich lächeln. Ich bewundere Marcy für ihren Mut und ihre Zielstrebigkeit. Sie ist für das Theaterspielen geboren, aber ich denke, niemand hat es ihr wirklich zugetraut. Was unglaublich schade ist, denn in vielen von uns stecken unbekannte Talente und Träume, über die wir uns erst einmal selbst klar werden müssen. Es tut weh, übersehen oder gar in eine Schublade gesteckt zu werden. Bei Marcy war sogar beides der Fall. Man hat sie nicht gesehen und hat sie aufgrund ihrer pinkfarbenen Haare und der vielen Tattoos in eine Schublade gesteckt.

Ich bin mir ziemlich sicher, bei mir ist es auch so. Aber im Gegensatz zu meiner Freundin falle ich kaum auf. Weder durch meine Stimme noch durch mein Aussehen. Ich bin auch nicht wirklich unsichtbar, eher blass. Farblos. Irgendwie wie Milchglas.

Ich möchte gerne behaupten, dass ich Marcys Talent immer schon gesehen habe, aber das wäre gelogen. Klar wusste ich von ihrer Liebe zum Theater, aber als Teenager hielt ich es bloß für einen ihrer vielen Träume. Sie hatte eine ganze Liste davon unter ihrem Kopfkissen.

  • Einmal auf Julias Balkon in Verona stehen.
  • Nacktbaden in Loch Ness.
  • Die Haare pink färben.

Manches davon ist bereits wahr geworden. Zu meiner Verteidigung muss ich allerdings sagen, dass ich in den letzten Jahren in Edinburgh gelebt habe, um mein Modedesign-Studium abzuschließen, und erst seit vier Monaten wieder in Duncan lebe. Marcy und ich haben uns in der Zwischenzeit ein wenig aus den Augen verloren. Was hauptsächlich an mir lag. Ich bin ihr aus dem Weg gegangen. Wie fast jedem hier in Duncan.

Vielleicht hätte ich sie sonst eher wahrgenommen.

Wobei ich ziemlich sicher bin, dass es auch mit Henry Lucas aka Megastar ausWar of Kingdoms, aka Sexiest Man Alive zu tun hat. Aber nicht auf die Weise, wie die Medien es gerne darstellen. Dort heißt es, Marcys Karriere wäre in Fahrt gekommen, weil sich die beiden ineinander verliebt haben. Und dass Henry seine Kontakte hat spielen lassen, damit Marcy überhaupt eine Chance hatte, an der renommiertesten Schauspielschule Europas in Glasgow angenommen zu werden. Aber das ist nicht die Wahrheit. Henry stärkt ihr den Rücken, und der Blick, mit dem er sie ansieht, geht einem durch und durch. Als gäbe es auf dieser Welt niemand anders als sie. Als wäre sie sein Leitstern am Firmament. Sein einziges Licht in der Dunkelheit. Traurigkeit überkommt mich. Ich glaube, es ist nicht jedem Menschen bestimmt, so angesehen zu werden. Nein, dieses Glück haben nur die wenigsten Menschen, und sie wissen es nicht einmal. Das ist das wirklich Schreckliche daran. Richtig bewusst wird es nur denjenigen, die sich danach sehnen.

Mein Handy klingelt. Zum gefühlt hundertsten Mal in den letzten zwanzig Minuten. So lange starre ich schon auf das Ortsschild. Ich habe keine Ahnung, wer mich so dringend erreichen will, aber momentan ist es mir auch egal.

Willkommen in Duncan.

 

Jemand hat in das »a« einen zwinkernden Smiley gemalt, und es ist, als verspotte er mich jedes Mal aufs Neue.

Na, wieder zurück?

Hat dich der Fluch auch erwischt? Jeder kehrt wieder zurück – früher oder später trifft es alle. Niemand schafft es, Duncan für immer den Rücken zu kehren.

Als hätte ich eine Wahl gehabt. Als ich vor fünf Jahren von Duncan nach Edinburgh gezogen bin, hätte ich nicht mal im Traum geglaubt, jemals wieder hier aufzuschlagen. Aber vielleicht ist es wirklich so. Eines Tages kehrt man immer an den Ort zurück, an dem alles angefangen hat.

Es ist nicht mehr weit bis zu Tante Marys Haus, das sich am Ortsende von Duncan befindet, eingepfercht zwischen dem alten Kuhstall von Lydia Richardson, in dem sie immer noch ein Dutzend Highland Rinder untergebracht hat, und dem Rosengarten von Mrs Green. Seit meiner Rückkehr wohne ich wieder bei meiner Großtante, nachdem sie einen Schlaganfall erlitten hat.

Seit zwei Wochen lebt sie nun im St.-Clara-Pflegeheim, und auch wenn es mir das Herz zerreißt, sie dort zu sehen, ist es für sie am besten. Ich habe Tante Mary versprochen, mich um ihren BrautmodenladenMarry zu kümmern, während sie dabei ist, wieder gesund zu werden. So war es schon immer unser Plan gewesen. Bei dem Namen handelt es sich um ein Wortspiel. Schon als Kind habe ich die Brautkleider in ihrem Laden bewundert und habe damals beschlossen, eines Tages ihren Laden zu übernehmen. Nur die Umstände hätten anders sein können.

Noch vor ihrem Schlaganfall hat Tante Mary sich um eine Patientenverfügung gekümmert und mir eine alleinige Vollmacht für alle Bereiche inklusive einer Bankvollmacht erteilt, damit ich mich um ihren fünfstelligen Kredit kümmern kann, der wie ein Damoklesschwert über mir schwebt. Ich bin also in der Lage, alle möglichen Entscheidungen bezüglich des Ladens, ihrer finanziellen Mittel und auch über ihr Haus zu treffen.

Wobei ich keine Ahnung habe, wo ich das Geld hernehmen soll, um ihren Kredit zurückzuzahlen. Aber der Laden ist ihr Herzensprojekt, und ich hätte es nicht über mich gebracht, ihr Angebot abzulehnen. Ich werde schon eine Möglichkeit finden.

Doch die Kosten fressen fast alle Ersparnisse auf. Ganz zu schweigen von den Ausgaben für das Pflegeheim. Die Lebensversicherung, die sie sich hat auszahlen lassen, deckt zwar das meiste ab, aber für wie lange noch? Und was soll ich dann machen?

Mein Apartment in Edinburgh habe ich aufgegeben, denn selbst wenn meine Tante wieder nach Hause kommen sollte, wird sie sich nicht allein um sich kümmern können. Ich werde mich wohl an den Gedanken gewöhnen müssen, wieder hier in den Highlands zu leben.

Wieder klingelt mein Handy, aber ich bewege mich nicht vom Fleck. Grashalme kitzeln an meinen Knöcheln, und von den Hügeln ist ein leichter Wind zu spüren. Wenn man die Augen schließt und sich konzentriert, hört man sogar das Flüstern der Trolle. Es ist eine meiner liebsten Kindheitserinnerungen. Mom hat mir immer davon erzählt, wenn wir den West Highland Way entlanggelaufen sind. Der Wanderpfad führt von Glasgow durch die Highlands bis nach Ford William und ist eine sechsundneunzig Meilen lange Strecke. Noch immer höre ich die Stimme meiner Mutter, wie sie mir die Geschichten von Elfen, Feen und Wechselbälgern erzählt.

»Trolle flüstern einem den Weg zu, wenn man sich in den Hügeln verlaufen hat, aber man darf ihnen niemals glauben. Sie sind gerissene Lügner. Sie nehmen dich bei der Hand und locken dich fort. Danach kannst du dich an nichts mehr erinnern und findest nicht mehr den Weg nach Hause.«

Noch immer läuft mir ein Schauer über den Rücken, wenn ich daran denke. Es ist wohl eine der Geschichten, die allen Kindern hier erzählt werden, damit sie sich nicht zu lange in den Highlands aufhalten.

Ja, selbst mit fünfundzwanzig Jahren glaube ich noch daran. Als hätte ich keine anderen Probleme.

Ich lecke mir über die Lippen und spüre den kühlen Wind auf der Haut. Langsam gehe ich in die Hocke und grabe meine Hände in die trockene Erde. Sie rieselt zwischen meinen Fingern hindurch. Egal, was geschieht, egal, was sich verändert, Duncan bleibt immer das kleine Dorf mitten in den schottischen Highlands. Daran ändern auch ein weltberühmter Serienstar und eine angehende Theaterschauspielerin nichts. Ich atme tief durch, stehe auf und klopfe mir...