: Cassie May
: Nordseesturmtage Roman | Liebesroman für Tierliebhaber:innen am Meer
: Piper Verlag
: 9783377900135
: 1
: CHF 4.50
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: German
: 278
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein Sommer an der Küste, eine entlaufene Savannah-Katze und eine zweite Chance für die Liebe Als Tiermedizinstudentin Leo in ihr kleines Heimatdorf an der Nordsee zurückkehrt, will sie nur ihr Abschlusspraktikum absolvieren, um endlich in der Praxis ihres Vaters arbeiten zu können. Doch dann streikt ihr Auto und sie trifft in der Werkstatt auf Nils, einen Bekannten aus ihrer Jugend, der inzwischen als Mechaniker arbeitet. Überraschend gesteht er Leo, dass er sich schon lange für sie interessiert. Bei einem romantischen Strandspaziergang kommen sich die beiden näher, aber eine entlaufene Rassekatze und zwei zwielichtige Typen stellen Leos Liebesglück auf eine harte Probe. 

Mitten im Speckgürtel von Stuttgart lebt, sitzend auf einem Haufen unvollendeter Geschichten, Cassie May. Geboren 1990 im Ländle, entdeckte sie früh ihre Leidenschaft für Geschichten über Herzschmerz und Freundschaft. Es dauerte jedoch bis in ihr Studium hinein, ehe sie den Schritt wagte und ihr erstes Werk veröffentlichte. Dem Romance-Genre mit seinen Spielarten ist sie dabei stets treu geblieben. Heute, 7 Jahre, 6 veröffentlichte Bücher und unzählige Liter Kaffee später, hat sich eine Sache nicht geändert - die Liebe zur Liebe und all ihren Facetten, die nur darauf warten, auf Seiten gebannt zu werden.

Kapitel 1


Mit einem jämmerlichen Stöhnen rollte der knallrote Mini auf den Hof des alten Bauernhofs und blieb stehen. Aufatmend zog Leonie den Schlüssel ab und sah nach rechts. »Na, das ging gerade noch mal gut, oder was meinst du, Simba?«

Sie kraulte das goldfarbene Löwenkopfkaninchen kurz hinter den Ohren, bevor sie die Autotür öffnete und ausstieg. Genießerisch atmete sie die würzige Landluft ein. Mit einer kleinen Anstrengung erhaschte sie auch noch den salzigen Geruch des Meeres zwischen den vertrauten Düften ihres Zuhauses an der Küste zwischen Husum und Hamburg.

»Na, das klang nicht so gut, Cousinchen.«

Leonie fuhr herum und schloss lachend ihren jüngsten Cousin in die Arme. »Mensch, Nikki, hast du mich erschreckt. Ja, ich weiß, aber ich hatte keine Zeit, mich auch noch um das Auto zu kümmern, bevor ich aus Berlin weg bin. Zum Glück hat es zumindest gehalten, bis ich von der Autobahn runter war, dann hat die Servolenkung ausgesetzt, aber der Kleine hat schon seit Tagen komische Geräusche gemacht. Ist Till schon da? Ich hatte gehofft, er könnte es sich mal ansehen.«

Mit einem gequälten Gesicht machte Niklas sich von ihr los und schüttelte den Kopf. »Du sollst nicht immer Nikki zu mir sagen! Und Till ist noch nicht da. Der kommt frühestens nächste Woche.«

»War ja klar, dann muss ich wohl zu Mücke. Hilfst du mir beim Auspacken?«

»Ich habe keine Zeit, bin verabredet. Ciao, Cousinchen, schön, dass du wieder da bist!« Damit schwang Niklas sich auf sein Rad, winkte noch einmal und strampelte vom Hof.

»Na toll. Danke auch, Niklas.« Leo sah ihm nach und zuckte mit den Schultern. »Hilft ja nichts.« Sie öffnete den Kofferraum und wuchtete zwei Koffer raus, bevor sie die Beifahrertür aufzog, um die Transportkiste mit dem Kaninchen zu holen. Schwer bepackt stolperte sie in Richtung Haupthaus und ließ alles vor der Tür fallen. Grinsend stieß sie die wie immer unverschlossene wuchtige Holztür auf und machte lautstark auf sich aufmerksam. »Hallo? Jemand zu Hause?«

»Leo? Bist du das? Mit dir habe ich ja noch gar nicht gerechnet!« Ihre Mutter Birgit kam lachend die Treppe hinuntergeeilt. »Du siehst müde aus, Liebes. Geht es dir gut?«

In eine Wolke aus teurem Parfüm und den ganz eigenen Geruch ihrer Mutter gehüllt entspannte Leo sich augenblicklich. »Ja, alles gut. Es waren nur ein paar stressige Wochen mit der Auflösung meiner Wohnung, die ich ja zum Glück möbliert gemietet hatte und dem Umzug … und dazwischen noch mein Praktikum. Aber jetzt bin ich ja hier und habe erst einmal frei. Ich fange erst in vier Wochen an, bei Daddy zu arbeiten, außer mir wird vorher langweilig.«

Der Blick ihrer Mutter fiel auf die Transportkiste, und augenblicklich verwandelte sich ihr Lachen in eine ablehnende Miene. »Was ist das? Sag mir nicht, dass da ein Tier drin ist. Du weißt genau, ich will nicht noch mehr Viehzeug auf dem Hof!«

Leo schob schmollend ihre Unterlippe vor. Sie wusste genau, wie sie ihre Mutter für den neuen Mitbewohner begeistern könnte. »Mamilein, sei doch nicht so. Simba ist wirklich ganz lieb, und ich konnte ihn schlecht in Berlin lassen, oder? Er wurde bei einer Hausdurchsuchung beschlagnahmt und war wirklich in einem schlechten Zustand, deshalb konnte ich ihn nicht ins Tierheim bringen. Nachdem ich ihn aufgepäppelt hatte, ist er mir so sehr ans Herz gewachsen. Er hat wirklich Schlimmes durchgemacht. Du kannst dir nicht vorstellen, wie diese Wohnung ausgesehen hat! Er wird hier kaum weiter auffallen. Wir stecken ihn einfach mit Cassiopeia zusammen, dann passt das schon.« Während sie vor sich hin quasselte, hatte sie das Kaninchen aus der Transportkiste geholt und an ihre Brust gedrückt.

Wie erwartet schmolz der Widerstand ihrer Mutter dahin, als sie die Leidensgeschichte des kleinen Nagers hörte. »Ach je, der arme kleine Kerl. Kannst du ihn nicht zu den Hühnern stecken? Cassiopeia läuft ja frei rum, und ich glaube nicht, dass das klappen wird.«

Leo nickte. »Ich werde mit Daddy darüber sprechen, was er davon hält. Simba braucht auf jeden Fall ein eigenes Haus. Es ist nämlich ein Mädchen, trotz des Namens. Kannst du ein bisschen auf sie achten? Ich muss Pollux satteln und dann zu Mücke reiten. Mir ist gerade mein Auto verreckt, und ich habe keine Lust zu warten, bis jemand aus der Werkstatt herkommen kann. Ich nutze also direkt die Zeit und reite aus.«

»Was? Was ist passiert? Wo ist dein Auto?«

Leo deutete auf die Einfahrt, wo ihr Mini immer noch am Wegesrand stand. »Ich habe es gerade noch so auf den Hof geschafft. Ich stehe direkt neben der Einfahrt. Man kommt noch einigermaßen gut durch, aber das Ding fährt keinen Meter mehr.«

Birgit Falkner streckte die Arme nach dem Kaninchen aus. »Na, gib schon her. Deine Koffer bringe ich auch nach oben. Es wundert mich ja, dass du nicht einfach alles hierhin gestellt hast und direkt im Stall verschwunden bist. Ich weiß doch, wie sehr du Pollux vermisst hast.«

»Aber, Mama«, protestierte Leo grinsend. »Wie kommst du denn auf so was? Ich würde dir nie ein fremdes Tier vor die Tür stellen!«

»Natürlich nicht. Du bist ja auch das vernünftige Kind. Meistens zumindest. Einsame Tiere haben nur deine Schwester und deine Cousine angeschleppt. Aber jetzt los, bevor ich es mir anders überlege. Geh schon, Töchterchen.« Sie strubbelte Leo noch einmal kurz durch die langen Locken und schob sie in Richtung Stall.

»Danke. Du bist die Beste.« Leo beugte sich vor und drückte ihrer Mutter einen Kuss auf die Wange.

Sie eilte in den Stall und griff sich einen Führstrick. Wie immer stand ihr Pferd auf der Koppel, und sie pfiff sanft nach ihm. Laut wiehernd galoppierte der hoch gewachsene Wallach auf sie zu und steckte seine Nase laut schnaubend in ihre Ellenbeuge. »Na, Süßer, was hast du mir gefehlt. Suchst du nach Zucker? Ich habe leider gar nichts dabei, aber im Stall bekommst du etwas, okay? Wir müssen jetzt nämlich dringend wohin, verstehst du?«

Leo hängte den Führstrick in das Halfter ein und führte den Wallach zum Anbindeplatz vor dem Stall. »Du bist gar nicht so dreckig, wie ich dachte. Sehr gut.« Sie holte Sattel, Bürste und Zaumzeug und machte sich daran, Pollux mit schnellen Strichen zu striegeln, bevor sie ihn aufzäumte. Sie setze sich eine Reitkappe auf den Kopf und trabte klappernd vom Hof.

Ein sehnsüchtiges Wiehern folgte ihr, und Leo klopfte sanft auf Pollux’ Hals. »Vermisst dein Bruder dich schon? Wann war Nele denn das letzte Mal hier? Die treulose Tomate hat nun wirklich keinen Grund, nicht mit euch zu arbeiten, oder? Aber ab sofort wird das alles anders. Ich bin jetzt länger hier, und wir können ganz viele Ausritte machen, was hältst du davon?«

Pollux schnaubte und zog das Tempo an, als sie auf einen Feldweg kamen. Die Richtung, die er einschlug, stimmte, daher korrigierte Leo ihr Pferd nicht, sondern ließ ihn am langen Zügel laufen, bis sie zu einer Abzweigung kamen. Sehnsüchtig blickte Pollux in Richtung Strand, doch Leo lenkte ihn zum Dorf. »Komm, alter Junge, wir nehmen auf dem Rückweg die schöne Route.«

Der Rappe schüttelte unwillig prustend den Kopf, trabte aber brav auf den geteerten Fahrradweg entlang der Landstraße.

 

In gemütlichem Schritt kamen sie an der einzigen Autowerkstatt der Kleinstadt an, und Leo schwang sich elegant aus dem Sattel. Pollux am Zügel hinter sich herziehend trat sie auf den Hof der Werkstatt, auf dem mehrere junge Männer in der Sonne an Autos schraubten und miteinander scherzten. Als die Pferdehufe auf dem Asphalt klapperten, sahen sie auf und begannen zu grinsen.

Leo nahm ihre Reitkappe ab und schüttelte ihre langen Locken. »Ist Mücke da? Ich habe etwas, das er sich ansehen muss.«

Einer der Jungs schlenderte auf Leo zu und musterte sie ausgiebig. »Na, bei der einen PS kann er dir nicht helfen, aber ich wäre gern bereit, mir deine Probleme nach Feierabend mal anzusehen. Kannst ja vorbeikommen, ich wärme das Bett vor.« Er zwinkerte ihr zu, und Leo rollte mit den Augen.

»Spitzenidee. Mein Auto ist liegen geblieben, und bisher war ich immer bei Mücke, wenn was mit meinem Wagen war.« Sie grinste breit. »Außerdem glaube ich nicht, dass du mir irgendetwas zu bieten hast, was ich nicht schon gesehen habe, kleiner...