-Emma-
»Also, ich an deiner Stelle würde ihn vergessen und aufhören, ihm nachzuweinen«, meint Rebecca, während sie einen perfekten Lidstrich zeichnet. So gut wie meine beste Freundin bekomme ich das nie hin. Ich kann froh sein, wenn ich mir bei dem Versuch nicht den Kajalstift ins Auge bohre.
»Ich weine ihm nicht nach«, wehre ich mich und verschränke die Arme vor der Brust.
»Machst du, Süße.« Rebecca dreht sich zu mir um und zeigt mit der Mascarabürste in meine Richtung. Seufzend lasse ich mich auf ihrem Bett nach hinten in die Kissen sinken, breite die Arme aus und starre an die Zimmerdecke. Ich weine wirklich nicht mehr. Zumindest ist es in den letzten Wochen deutlich besser geworden als zu Anfang, nachdem ich frisch von Stefan getrennt war.
»Wenn du ihn schon vergessen hättest, dann würdest du ganz sicher nichtso in meinem Zimmer hocken, sondern heute Abend mit mir mitkommen. Es wird bestimmt lustig auf Lauras Party!«
Mitso meint meine Freundin die alte Jogginghose und den Hoodie mit dem Glitzereinhorn, den ich trage. Und klar, Lauras Partys sind immer lustig, das bezweifle ich nicht, denn ich habe meine Mitbewohnerin und beste Freundin schon oft genug begleitet. Doch heute ist mir einfach nicht nach Ausgehen. Außerdem bin ich mit meinem Kumpel Marius verabredet. Er hat mir versprochen, einen Filmabend zu machen, um mich wegen der Trennung abzulenken. Einen gemütlichen Abend auf der Couch mit meinem besten Freund, dem ich die Ohren vollheulen kann. Okay, jetzt fürchte ich, Becks könnte doch recht haben. Ich sollte aufhören, mir so viele Gedanken wegen Stefan zu machen, und ihn endlich vergessen.
Ich drehe mich auf die Seite, stütze mein Gesicht in die Handfläche und beobachte Rebecca dabei, wie sie in ein hautenges, rotes Kleid steigt, das ihr nur ganz knapp bis zu den Knien reicht.
»Ich habe heute schon etwas vor, Becks. Das habe ich dir doch bereits gesagt«, bleibe ich standhaft. Aktuell Habe ich wirklich keinen Nerv dazu, mich genauso aufzubrezeln wie meine Freundin.
»Natürlich hast du das«, entgegnet Rebecca grinsend, dann kommt sie zu mir rüber. »Hilfst du mir bitte mit dem Reißverschluss?«
Ich setze mich auf und schließe das Kleid.
»Ja, habe ich«, entgegne ich mit Nachdruck, denn das ist die Wahrheit. Ich freue mich, meinen besten Freund wiederzusehen.
»Sicher, Emma, ich kann mir deine Abendplanung schon bildhaft vorstellen. Du wirst dir mit Marius irgendeinen schlechten Liebesfilm ansehen und Kuchen essen. Ich kenne dich. Du solltest lieber rausgehen, um dich zu amüsieren, solange du noch jung bist. Wenn du immer nur mit Marius rumhängst, findest du keinen Mann fürs Leben.«
Ich schnaube. Einen Mann fürs Leben! Den hatte ich, bis ich vor zwei Wochen rausgefunden habe, dass er mich mit einer anderen betrügt. Stefan hat mich wirklich enttäuscht, weshalb ich erst mal die Nase voll von Beziehungen habe. Der Mann fürs Leben kann mir echt gestohlen bleiben.
Rebecca steigt in ihre roten High Heels und schnappt sich die Handtasche.
»Wer sagt, dass ich mit Marius nicht insPink Paradise gehe?«, entgegne ich trotzig. Nur ungern würde ich zugeben, dass sie mit ihren Worten genau ins Schwarze getroffen hat.
»Natürlich! Aber da findest du eher einen passenden Mann für ihn als für dich selbst, Em.« Becks kichert, während sie sich noch einmal im großen Spiegel betrachtet. Da hat sie vermutlich recht. Aber das ist mir gleich, ich habe die Nase voll von Beziehungen! Ich erhebe mich vom Bett und folge meiner Freundin in den Flur, um sie zu verabschieden.
»Hab viel Spaß, aber übertreib es nicht wieder«, ermahne ich sie, während sie mich kurz umarmt.
Rebecca lacht. »Keine Sorge, Süße. Diesmal musst du mich nicht abholen. Ich nehme ein Taxi.«
»Meinst du, der Taxifahrer hält dir die Haare, wenn du dich übergeben musst?«, necke ich sie, und zum ersten Mal seit Wochen ist da wieder so etwas wie ein Lächeln in meinem Gesicht. Jetzt lacht meine Mitbewohnerin noch mehr.
»Nein. Das würde nur eine beste Freundin machen