Mein Wecker schrillte. Automatisch schlug ich auf die Schlummertaste und hielt den Atem an. Hatte der Alarm auch Torin aus dem Schlummer gerissen? Vorsichtig drehte ich mich, um mich zu vergewissern, dass mein Mann noch schlief. Obwohl es Torin war, der am Morgen das Haus verlassen musste, und nicht ich, hasste er es, von meinem Wecker geweckt zu werden.
Noch immer die Luft anhaltend, rutschte ich aus dem Bett und huschte durch das dunkle Zimmer. Die schwarzen Blenden vor den riesigen Fenstern ließen kaum Licht durch, Torin konnte nicht schlafen, wenn es zu hell war. Oder zu laut. Oder zu warm, zu kalt, zu irgendwas. Er war sehr speziell. Leider auch unordentlich, weshalb ich stolperte und in voller Länge auf dem Boden aufschlug. Das Gegenstück zu dem Schuh, der mich zu Fall gebracht hatte, bohrte sich nun in meinen Bauch. Ich stöhnte leise, rieb mein Kinn, mit dem ich aufgeschlagen war, und betete stumm, dass ich Torin nicht geweckt hatte.
„Daingead, Weib!“, brüllte der aber auch schon und ließ mich zusammenzucken. Am frühen Morgen, da fing der Tag gleich prima an.
„Entschuldige“, flüsterte ich, wissend, dass es ohnehin nichts änderte. „Ich wollte nicht …“
„Ist es zu viel verlangt, dass du etwas Rücksicht nimmst!“
Ich rappelte mich auf, schob seine Schuhe zusammen und zu ihm hin. „Nein. Es tut mir leid, Torin, ich werde leiser sein.“
Er grollte etwas. Schritte näherten sich mir und ich wich schnell aus. Die Tür schlug zu. Einen Moment gönnte ich mir, in meiner Erleichterung zu baden, allerdings nur einen ganz kurzen, dann sprang ich auf und lief durch den engen Flur in den Wohnbereich. Die Edelstahloberflächen der offenen Küche begrüßten mich funkelnd. Es war eine Heidenarbeit, sie glänzend zu halten und es gab Tage, da hasste ich sie richtiggehend. Der Wassertank der Kaffeemaschine war leer und ich musste ihn auffüllen, was mich kostbare Sekunden kostete, außerdem zitterten meine Hände und mir fiel die Kapsel runter.
„Wo ist mein Frühstück?“, zischte Torin in meinem Rücken und schob mich zur Seite.
„Braucht noch einen Augenblick. Möchtest du dein Ei …?“ Sein Blick brachte mich zum Schweigen – und zum Zittern. Es fehlte nicht mehr viel, das sah man ihm an.
„Wo ist mein Kaffee?“
Mein Blick zuckte zur Maschine, die gurgelnd das geforderte Getränk bereitete. Das frische Aroma erfüllte bereits den Raum und machte die Frage unnötig.
„Noch nicht fertig?“, fragte er betont ruhig. Obwohl ich damit rechnete, traf mich sein Schlag, bevor ich ausweichen konnte. Er warf mich gegen die Kochinsel, an der ich mir die Hüfte prellte, sodass ich mir schnell auf die Lippe biss, um den Schmerzensschrei zu unterdrücken. „Es tut mir leid“, keuchte ich stattdessen. „Setz dich doch schon einmal, ich bringe dir den Kaffee und die Morgenzeitung.“ Die ich erst holen musste. Innerlich stöhnte ich. Ich befand mich auf verflucht dünnem Eis.
Torin trat auf mich zu, verstellte mir den Ausweg und zwang mich, zu ihm aufzusehen, indem er mein Kinn umfasste und es anhob. „Warum musst du so verflucht unzulänglich sein?“
Was mir auf der Zunge lag, schluckte ich schnell wieder herunter. Er hatte ja recht. Wie schwer konnte es sein, seinen Wünschen Folge zu leisten und ihn schlafen zu lassen, bis ich sein Frühstück gerichtet hatte, um ihn dann mit einer Tasse frischem Kaffees zu wecken und ihm derweil die Kleidung bereitzulegen? So manches Mal kam ich mir wie seine Leibeigene vor, dabei war ich die Tochter eines Dukes und er nur ein schottischer Baron. Vor hundert Jahren hätte man noch von einer Mesalliance gesprochen, so unvorteilhaft hatte ich mich verheiratet. Nun, meiner Mutter zufolge, war ein Baron besser als nichts, und unverheiratet zu bleiben wäre meine einzige Alternative gewesen.
Als er mich losließ, tat er es mit einer ruckartigen Bewegung, die mir eine Zerrung im Nacken zufügte.
„Du ve