: Cilli Pogodda
: Medientechnologie und Affekt Kameras, ihre Anwendung und die Poetik des Irakkriegsfilms
: Walter de Gruyter GmbH& Co.KG
: 9783110608151
: CinepoeticsISSN
: 1
: CHF 0.50
:
: Fotografie, Film, Video, TV
: German
: 305
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

TheCinepoetics book series aims at a theoretical and analytical reconceptualization of the discursivity of audiovisual images. The focus is not on the circulation of media representations but on the modes of this circulation: How do audiovisual images as figurations of media experience relate to other audiovisual images? What does it mean to describe different modes of audiovisual experience and recursivity as forms of cinematic thinking? From this perspective, the series' volumes provide analyses of the aesthetic dimension, historical function and cultural significance of their subjects, making the poetic logic of audiovisual images accessible to an interdisciplinary audience.

Please note also the English-language Cinepoetics books series (htt s://www.degruyter.com/serial/ INE%20E-B/html) and the series Cinepoetics Essay (ht ps://www.degruyter.com/serial CINE%20ES-B/html).



Cilli Pogodda, Freie Universität Berlin, Berlin.

Teil I: Medientechnologie, Affekt und praxeologisch perspektivierte Filmanalyse


2 Zwischen Technikmaterialismus und ästhetischer Erfahrung


2.1 Medientechnologie und Affekt: zum Forschungsstand


Die Frage nach dem Zusammenhang von Medientechnologie und Affekt ist in der aktuellen medienwissenschaftlichen Forschung im Grunde allgegenwärtig, wenn auch mehr oder weniger implizit: Die mediale Bedingtheit von Affekten, an die Körperlichkeit medialer und ästhetischer Erfahrung geknüpft, wird seit einigen Jahren als „Leitfrage“ filmtheoretischen Denkens diskutiert.1 Im Anschluss vor allem an das affekttheoretische Denken von Gilles Deleuze und die neo-phänomenologische Filmtheorie von Vivian Sobchack wird die Erfahrung des Filmsehens als ein grundlegend verkörpertes und affektives Ereignis konzipiert, das sich weniger als Reaktion auf die Repräsentationen oder semiotische Prozesse von Bildinhalten vollzieht, sondern vielmehr auf das technische Wahrnehmungsdispositiv des Films zurückgeht.2 Die vorliegende Arbeit möchte an diesen Theoriezweig anknüpfen und wird ihn daher im zweiten Teil des Kapitels eingehender beleuchten.

Zugleich muss angesichts dieses sehr breiten Diskurses die Perspektive deutlich verengt werden. Die theoretische Konzeptualisierung der technischen Bedingtheit verkörperter und affektiver Filmerfahrung bildet zwar eine wichtige Grundlage, steht jedoch nicht im Zentrum des Interesses der theoretischen Auseinandersetzung. Das Interesse ist spezifischer: Wie lässt sich in einer historischen Betrachtung die Funktion ganz konkreter medientechnischer Apparate der Unterhaltungselektronik für das affektive Erleben des Zuschauers beschreiben? Wie etwa verändern unterschiedliche Kameratypen dieses affektive Erleben? Es geht also nicht darum, das Kino als ein abstrakt bleibendes technisches Dispositiv zu konzipieren, das am Ende hinter der Wahrnehmungserfahrung der audiovisuellen Bilder verschwindet, sondern um die Frage, wie die veränderten technischen Bedingungen audiovisueller Bildproduktion in diesen Bildern sichtbar werden und wie dies veränderte affektive Erfahrungsqualitäten bedingt.3