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Fode stand am Hafen von Dakar und starrte nachdenklich aufs Meer. Er sah die kleinen Pirogen mit ihren Fischernetzen, das glitzernde Wasser und den blauen Himmel, aber alles wirkte farblos und schal, und obwohl die Sonne mit voller Kraft herunterbrannte, fröstelte es ihn. In der Ferne konnte man unscharf die ehemalige Sklaveninsel Gorée erkennen, verhangen von Dunstschleiern, die vom Wasser aufstiegen. Er schob die Hände in seine Hosentaschen und kickte lustlos ein paar kleine Steine vor sich hin. Soeben hatte er eine Nachricht von seiner Freundin Hannah bekommen, in der sie schrieb, dass auch ihr letzter Versuch, ein Visum für Österreich für ihn zu beantragen, gescheitert war. Das war eine herbe Enttäuschung für sie beide, denn sie hatten sich große Hoffnungen gemacht, dass es diesmal endlich funktionieren würde. Sein Problem bestand darin, dass er keinen Pass hatte und es auch nicht wagte, auf die Botschaft zu gehen, um einen zu beantragen. Er war aus Guinea geflohen und wollte auf keinen Fall riskieren, wieder dorthin zurückgeschickt zu werden. Hannah hatte in Österreich alles erdenklich Mögliche versucht, um ihm zu helfen, aber es hatte einfach nicht geklappt.
Jedenfalls war alles ziemlich trostlos, um es auf den Punkt zu bringen. Er hing nun seit fast einem halben Jahr in dieser verdammten, heruntergekommenen Stadt herum und hatte nichts anderes zu tun, als zu warten. Er wartete auf ein Mail oder einen Anruf von Hannah, er wartete auf ein Visum für Europa, er wartete auf Geld von seiner Mutter, er wartete darauf, dass sein Leben endlich weiterging. Hier hatte er keine Freunde, keine Familie, keine