: Yela Brodesser
: Gestrandet Eine Fluchtgeschichte
: Buchschmiede von Dataform Media GmbH
: 9783991397069
: 1
: CHF 10.60
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: Erzählende Literatur
: German
Fode sitzt im Senegal fest, nachdem er wegen politischer Verfolgung aus seinem Heimatland Guinea flüchten musste. Seine Freundin Hannah versucht in Wien alle Hebel in Bewegung zu setzen, um ihm eine Einreise nach Österreich zu ermöglichen. Doch die bürokratischen Hindernisse sind unüberwindbar, und Fode sieht sich gezwungen, die Flucht über Mali, Niger, Libyen und die Mittelmeerroute nach Sizilien anzutreten. Wird er brutale Schlepper, die endlose Wüste und das furchterregende Meer überleben? Gleichzeitig begibt sich Michael nach Guinea um Aminata bei der Trennung von ihrem gewalttätigen Ehemann Madu zur Seite zu stehen. Madu nimmt die Einmischung eines anderen Mannes gar nicht gut auf, und greift zu immer hinterhältigeren Mitteln, um das zu bekommen, was er am meisten liebt: Geld.

Nach ihrem Studium der Soziologie und Publizistik in Wien verschlug es sie nach Westafrika, um die Djembemusik zu erlernen. Es folgten mehrere intensive Studienreisen nach Guinea und Mali, wo sie Unterricht bei bekannten Trommelmeistern und Tänzerinnen nahm. Seit 2003 leitet sie gemeinsam mit ihrem Mann Daniel Giordani das 'Rhytmotop-Institut für Rhythmuserfahrung' im österreichischen Waldviertel. Sie leitet Workshops und Fortbildungsseminare zum Thema Trommeln und Rhythmus und spielt in verschiedenen Musikformationen. 2018 erschien ihr erster Roman 'Rote Erde' in der Edition Mokka. 'Gestrandet' ist der Fortsetzungsroman dazu.

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Fode stand am Hafen von Dakar und starrte nachdenklich aufs Meer. Er sah die kleinen Pirogen mit ihren Fischernetzen, das glitzernde Wasser und den blauen Himmel, aber alles wirkte farblos und schal, und obwohl die Sonne mit voller Kraft herunterbrannte, fröstelte es ihn. In der Ferne konnte man unscharf die ehemalige Sklaveninsel Gorée erkennen, verhangen von Dunstschleiern, die vom Wasser aufstiegen. Er schob die Hände in seine Hosentaschen und kickte lustlos ein paar kleine Steine vor sich hin. Soeben hatte er eine Nachricht von seiner Freundin Hannah bekommen, in der sie schrieb, dass auch ihr letzter Versuch, ein Visum für Österreich für ihn zu beantragen, gescheitert war. Das war eine herbe Enttäuschung für sie beide, denn sie hatten sich große Hoffnungen gemacht, dass es diesmal endlich funktionieren würde. Sein Problem bestand darin, dass er keinen Pass hatte und es auch nicht wagte, auf die Botschaft zu gehen, um einen zu beantragen. Er war aus Guinea geflohen und wollte auf keinen Fall riskieren, wieder dorthin zurückgeschickt zu werden. Hannah hatte in Österreich alles erdenklich Mögliche versucht, um ihm zu helfen, aber es hatte einfach nicht geklappt.

Jedenfalls war alles ziemlich trostlos, um es auf den Punkt zu bringen. Er hing nun seit fast einem halben Jahr in dieser verdammten, heruntergekommenen Stadt herum und hatte nichts anderes zu tun, als zu warten. Er wartete auf ein Mail oder einen Anruf von Hannah, er wartete auf ein Visum für Europa, er wartete auf Geld von seiner Mutter, er wartete darauf, dass sein Leben endlich weiterging. Hier hatte er keine Freunde, keine Familie, keine