: Susanne Petz
: Mit Liebe zum Wir Die transformierende Kraft der Selbstliebe
: Edition Forsbach
: 9783959042031
: 1
: CHF 15.00
:
: Gesellschaft
: German
: 240
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Gesunde Selbstliebe ist nicht egoistisch! Es ist ein Mangel an Selbstliebe, der die Stimmung in unserer Gesellschaft vergiftet. Mehr gesunde Selbstliebe macht nicht nur jeden und jede einzelne von uns innerlich freier und lebendiger, wir begegnen dann auch anderen Menschen frei von Neid und Konkurrenzgedanken. Die Selbstliebe wirkt ganzheitlich. Sie ist der entscheidende Schlüssel für unsere gesellschaftliche Entwicklung, denn sie öffnet uns, Bestehendes zu hinterfragen und nach neuen, nachhaltigeren Lösungen im Sinne sozialer Gerechtigkeit, Generationen-Ausgleich und umweltschonendem Umgang mit unseren Ressourcen zu suchen. Susanne Petz gibt Impulse zur persönlichen Entwicklung. Sie entwirft Leitlinien für ein ehrlicheres und authentisches Miteinander. Sie beschreibt die Chancen, die gesunde Selbstliebe auch für die gesellschaftliche Transformation eröffnet.

Susanne Petz ist systemisch-integrativer Business-Coach. Sie lebt und arbeitet in einem 100 Jahre alten Haus am Starnberger See. Sowohl vor Ort als auch im virtuellen Kontakt unterstützt sie Menschen in der emotionalen Selbstführung und Führung. Die gebürtige Westfälin ist im ersten Beruf Journalistin. Sie führte für die evangelische Kirche zehn Jahre eine Filmproduktionsfirma. Ihre Leidenschaft gilt dem intensiven Gespräch, dem echten Dialog. Herauszufinden, was Menschen wirklich antreibt, und gemeinsam zu erarbeiten, wie sie dieses Potential für sich und andere erfüllend nutzen können, ist ihre liebste Herausforderung.  Die Förderung gesunder Selbstliebe hat Susanne Petz zu ihrer Lebensaufgabe gemacht. Dazu hat die studierte Politologin ein Projekt ins Leben gerufen: Generation L. L steht für Liebe oder Love. Jeder und jede Interessierte kann sich in der Generation L engagieren. Entstehen sollen zum Beispiel ehrenamtliche Projekte an Schulen, um gesunde Selbstliebe zu reflektieren und eine verständnisvollere Kommunikation miteinander zu fördern. Zum Thema Selbstliebe hat die Autorin bereits einen Dokumentarfilm produziert. In '... wie Dich selbst?' sprechen neun Menschen über ihre Liebe zu sich selbst. Mit dem Buch geht sie noch einen Schritt weiter, untersucht die Auswirkungen von zu wenig Selbstliebe auf unsere Gesellschaft und entwickelt ein Modell, mit dem Kommunikation gelingen kann.   www.susannepetz.de

Leben im Rausch

Wenn wir davon ausgehen, dass das kooperative Zusammenleben in einer Gesellschaft Offenheit benötigt, ein Aufeinander-Zugehen und Aussprechen dessen, was uns wichtig ist, dann liegt der Anfang dazu in uns selbst. Nur wenn wir uns selbst wahrnehmen, unser Handeln reflektieren und unsere Bedürfnisse kennen, verfügen wir über das Material, das Gespräche wahrhaftig macht.

Mit der Selbstentwicklung beginnt diese Reise vom Ich über das Wir bis zu unserem gesellschaftlichen Zusammenwirken. Ich möchte dazu anregen, die Art und Weise, wie wir mit uns selbst umgehen, zu hinterfragen. Es geht um die innere Haltung, mit der wir uns und dem Leben begegnen. Im Laufe unseres Heranwachsens haben wir Strategien des Nicht-Spürens erlernt. Wir haben gute Gründe für diese meist unbewussten Verhaltensmechanismen. Hier zu beschreiben, wie wir dasLeben im Rausch verbringen, soll keine Schuldgefühle in dir auslösen, deshalb beschreibe ich exemplarisch für uns alle in Ich-Form mein Leben im Rausch. Ich möchte damit für eine Veränderung wachrütteln, für einen Schritt näher zu mir, zu uns selbst.

„Unsere Welt ist voll von Süchtigen, die von etwas abhängig sind – von Alkohol, Drogen, Essen, Zigaretten, Arbeit, Fernsehen, Macht, Beziehungen, Religion, Bestätigung, Fürsorge, Sex, Zuneigung, Romantik – lauter Versuche, Sättigung und Befriedigung von außen zu erlangen.“

Diese Erkenntnis haben Erika J. Chopich und Margaret Paul ihrem BuchAussöhnung mit dem inneren Kind vorangestellt – vor über dreißig Jahren. Gefühlt, wie die Wetterfrösche so schön sagen, haben wir uns seitdem nicht verändert. Ich kann mir kaum vorstellen, dass es Menschen gibt, die sich in jedem dieser Aspekte völlig frei und unabhängig fühlen. Auch ich kann das nicht.

Unsere Methoden und Konzepte, wie wir Anerkennung im Außen erreichen, haben bis heute viel mit den zuvor genannten Süchten zu tun: Alles, was zählt, ist die Leistung (sieheStartschuss: Aufstehen, Endlos-Marathon: Arbeiten); Pausen sind überflüssig, Life is Action (sieheOhne Pause: Freizeit); was nicht schnell geht, geht gar nicht (sieheDie Falle: Geschwindigkeits-Flash); Medienpräsenz ist ein Statussymbol; Ablenkung, Betäubung und Ersatzbefriedigungen in Form von TV/Internet/Social Media, Alkohol und Konsum machen uns das Leben leichter und Schlaf gilt als vergeudete Zeit (sieheWeniger ist mehr: Schlafen).

Der Sozialpsychologe Heiner Keupp spricht von einer „unaufhaltsamen Beschleunigungs-Dynamik“ und stellt die These auf: „Der gesellschaftliche und berufliche Fitness-Parcours hat kein erreichbares Maß, ein Ziel, an dem man ankommen kann, sondern es ist eine nach oben offene Skala, jeder Rekord kann immer noch gesteigert werden. Hier ist trotz Wellness-Industrie keine Chance, eine Ökologie der eigenen Ressourcen zu betreiben, sondern in einem unaufhaltsamen Steigerungszirkel läuft alles auf Scheitern und einen Erschöpfungszustand zu.“3

Einerseits sehe ich es nicht so schwarz wie Keupp, sonst würde ich dieses Buch gar nicht schreiben. Andererseits hat der Fitness-Parcours eine Nebenwirkung, die uns zusätzlich bei der Stange hält: Der Geschwindigkeitsrausch bedingt einen Mangel an Präsenz. Durch unsere Flucht aus der Gegenwärtigkeit kommt die Realität nicht so bedrohlich nah an uns heran. Zweifel und Ungereimtheiten belasten uns weniger.

Denn was nehmen wir unter diesen rauschhaften Bedingungen noch wahr? Was kommt so an uns heran, dass aus einzelnen Erlebnissen echte Erfahrungen werden, die wir mit anderen Erfahrungen vergleichen, sodass Impulse für Veränderung entstehen?

Bei den Recherchen zu dem Dokumentarfilm… wie Dich selbst? ist mir ein weiterer Aspekt aufgefallen, der uns in Distanz zu uns selbst verharren lässt: Viele Menschen haben Angst, sich selbst zu viel Liebe zu geben (ieheDie Angst vor zu viel Liebe). Warum ist der Begriff Selbstliebe so negativ besetzt? Wie entsteht diese Angst? Kann es wirklich zu viel Selbstliebe geben?

DieWege zu mir selbst und zum Wesentlichen sind keine geheimnisvoll verschlungenen Pfade, sie sind eigentlich ganz einfach: Der Schlüssel dazu liegt in der Entschleunigung, durch die Wahrnehmen erst möglich wird.

Startschuss: Aufstehen

Abrupt beendet der Wecker die Nacht. Kein Gedanke an den letzten Traum oder die innere Frage, wie ausgeschlafen ich mich fühle. Dieses Klingeln wirkt auf mich wie ein Schalter, der gedrückt wird: und jetzt funktionieren! Alles, was zu tun ist, ist vom ersten Augenblick des Tages an wichtiger als meine sonstigen,