Überrascht erwiderte das Schlüsselloch unter der schmiedeeisernen Klinke ihren Blick. „Du hier?“, fragte es dunkel. Dorothea nickte und steckte den Schlüssel in den schwarzen Spalt. Als wäre sie Ewigkeiten weg gewesen und nicht bloß drei Monate, knirschte das Schloss und leistete denselben Widerstand, mit dem es versucht hatte, ihren Abschied hinauszuzögern. Dorothea konzentrierte sich und erwiderte die Kampfansage der Tür. Sie probierte es mit Kraft, mit Fingerspitzengefühl, links herum, rechts herum – vergeblich. Das Schloss klemmte. War sie hier vielleicht gar falsch? Sie blickte sich um. Das stumpfe, blätternde Weiß des Holzes, die hellblauen Bretter der Kassettentür, zwei senkrecht, zwei waagrecht zur Versteifung des Rahmens eingearbeitet, darüber das kleine Blechdach, dessen geschwungene Linie sie immer an den Faltenwurf eines Kleides erinnerte … Und da, gleich daneben, die kleine Zwillingstür zur Rumpelkammer. Kein Zweifel, sie war am richtigen Ort.
Dorothea zog den Schlüssel aus dem Loch, ging in die Hocke und nahm die kleine Öffnung ins Visier. Ob jemand während ihrer Abwesenheit das Schloss ausgetauscht hatte? Wohl eher nicht. Sie senkte die Augenlider und stellte sich vor, wie sie gleich die dahinterliegende Wendeltreppe hochsteigen würde. Dann führte sie erneut den Schlüssel ein. Diesmal sprang die Tür auf, noch ehe Dorothea die Schnalle berührt hatte. Ein kalter Luftzug stürzte