: Michaela Huber
: Wege der Traumabehandlung Trauma und Traumabehandlung, Teil 2 Überarbeitete Auflage
: Junfermann Verlag
: 9783749503933
: 1
: CHF 44.30
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: Angewandte Psychologie
: German
: 456
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Bindung als Grundlage der Traumabehandlung Bei komplex traumatisierten Menschen sind aufgrund einer früh erworbenen strukturellen Dissoziation Veränderungen nur schwer möglich. Hilfreich ist allein eine tiefe innere Bindung zu einem anderen Menschen, denn sie kann dazu beitragen, Verbindungen zwischen einzelnen Persönlichkeitsanteilen aufzubauen. Und genau hier muss Psychotherapie ansetzen: Bindungsorientiert 'auf der inneren Bühne' arbeiten und helfen, innere Verbindungen herzustellen. Erst dann können Klient*innen auch von kognitiven und verhaltensorientierten sowie körpertherapeutischen Behandlungsmethoden tief innerlich profitieren. In diesem Standardwerk zur Traumabehandlung werden - aktualisiert und auf den neuesten Stand gebracht - die Behandlungsmethoden vorgestellt, die auch komplex traumatisierten Menschen helfen.

Michaela Huber, psychologische Psychotherapeutin, Supervisorin und Ausbilderin in Traumabehandlung. Sie ist seit deren Gründung 1. Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Trauma und Dissoziation (DGTD).

Einführung


„Menschen, die ein Trauma zu bewältigen haben, fühlen sich oft hilflos und von Umständen überwältigt, die außerhalb ihrer Kontrolle liegen. Wir werden als auf immer geschädigte Menschen angesehen (und sehen uns auch selbst so) – als ‚Überlebende‘ …“ (Linda B. Jones)

„Es ist eine wirklich destruktive Einstellung, zu denken, dass PTBS eine Störung ist. Wir verstehen es grundlegend falsch, wenn wir glauben, es sei ein Zeichen dafür, dass die Betroffenen gebrochen sind. Es ist ein Zeichen für den Drang zu überleben.“ (Mary Catherine McDonald in Blakemore 2020)

„Für den Stellenwert therapeutischer Verfahren zur Linderung oder Heilung posttraumatischer Belastungsstörungen ist grundsätzlich festzuhalten, dass es unrealistisch ist, zu hoffen, dass durch eine Psychopharmakotherapie oder durch eine Psychotherapie in irgendeiner Art und Weise das traumatische Ereignis aus dem Leben und aus der Erinnerung des Betroffenen beseitigt werden kann. Es geht vielmehr immer darum, dass die Betreffenden in die Lage versetzt werden, adäquat mit den belastenden Erlebnissen umzugehen und sich entsprechend ihres Lebensentwurfes auch darauf einzustellen.“ (Steffen Haas)

Wer Opfer eines seelischen Traumas geworden ist, befindet sich oft lange im Status des „Überlebenden“. Und Linda Jones hat recht: Von vielen Menschen werden Überlebende so betrachtet, als hätten sie eine Krankheit, auf die sie sich „adäquat einzustellen“ hätten, ähnlich, wie man sich nach einem körperlichen Trauma etwa auf eine Behinderung einstellen muss. Entsprechend drastisch fallen auch oft die psychischen Diagnosen nach Extremstressereignissen aus. Wer Überlebende/r von Langzeittraumata ist, bekommt nicht selten solche Diagnosen zugeschrieben wie „Borderline“ oder andere „Persönlichkeitsstörungen“, wie denn überhaupt oft von Störungen die Rede ist: depressive Störung, Angststörung, dissoziative Störung, posttraumatische Störung, komplexe posttraumatische Störung … – Und in der Krankenakte sieht es so aus, als sei diese Person eo ipso irreparabel geschädigt, wobei die Ursache aus dem Blickfeld gerät. Dabei ist sie doch „nur“ traumatisiert.

Was heißt „nur“: Sie ist gezwungen worden, extreme Abwehr gegen extremen Stress auszuprägen. Bei den Überlebenden von frühen Traumata bedeutet dies: Sie sind von Kindesbeinen an gezwungen worden, wieder und wieder Gewalt, seelische Quälereien oder körperliche Torturen durch nahe Angehörige, später vielleicht durch Freunde, Partner, Fremde zu erdulden, weit mehr, als ein Gehirn und ein Organismus gesunderweise verkraften können. Und das hatte gravierende Folgen. Aber sind sie deswegen irreparabel geschädigt? Oder lassen sich nicht doch die Folgen der seelischen Traumata durch sorgfältige Behandlung so verändern, dass aus Trauma-Überlebenden „Neurotiker wie du und ich“ werden, also Menschen, die zwar Leid und Probleme kennen, aber Wege