: Cat Lewis
: Schatten über Havensbury
: dp Verlag
: 9783986377885
: 1
: CHF 5.40
:
: Erzählende Literatur
: German

Eine nie vergessene Liebe und die Suche nach der Wahrheit…
Die berührende Geschichte für Fans von Familiensagas

Die junge Webdesignerin Emilia ist am Boden zerstört, als sie London verlässt, um ihre Großmutter im Krankenhaus zu besuchen, und diese bei ihrer Ankunft bereits verstorben ist. Gerührt stellt Emilia fest, dass ihre geliebte Oma ihr ein altes Medaillon hinterlassen hat, in dessen Inneren das verschwommene Portrait eines Mannes steckt. Ein beigelegter Brief deutet auf ein ungeklärtes Familiengeheimnis hin, das Emilia von Oxford in die kleine Küstenstadt Havensbury führt. Da sie in ihrer Trauer nach Ablenkung sucht, kommt ihr die mysteriöse Aufgabe gerade recht und sie stößt dabei auf immer mehr Fragen: Wer ist der Fremde auf dem Foto? Warum soll Emiliaüberhaupt nach Havensbury reisen? Und kann der attraktive Archivar Jamie ihr bei der Suche nach der Wahrheit helfen?

Erste Leser:innenstimmen
„Packende Familiensaga mit sympathischer Protagonistin und abwechslungsreichen Settings.“
„Es ist eine sehr turbulente, aufregende und spannende Mystery, die sich sehr zügig lesen lässt.“
„Ein flotter Schreibstil, detailliert ausgearbeitete Charaktere und eine dynamische Handlung mit vielenüberraschenden Wendungen!“
„Fans von Familiengeheimnisse sollten unbedingt dieses Buch lesen. Wahnsinn, was für eine fesselnde Story!“



Cat Lewis wurde 1990 in Brandenburg geboren, lacht viel und gerne und liebt es zu reisen. Gemeinsam mit ihrem Mann und ihrem Sohn lebt sie in der Nähe von Frankfurt am Main. Schon als Kind hat sie ihre Freizeit lieber in fremden Welten verbracht und spannende Abenteuer erlebt. 2015 hat sich Cat Lewis endlich an die Öffentlichkeit gewagt und als Autorin ihr erstes Buch veröffentlicht. Seitdem ist das Schreiben aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken. Ob es sich dabei nun um märchenhafte Settings, Rockstar Romances oder Urlaubsromane handelt - sie alle haben etwas gemeinsam: Sie handeln von der großen Liebe.

Kapitel 2


Zusammengesunken kauerte Emilia auf einem der Stühle im Wartebereich und umfasste ihren Kopf mit den Händen. »Zu spät. Zu spät. Ich bin schon wieder zu spät«, wiederholte sie immer wieder. Granny war fort. Sie hatte es nicht mehr rechtzeitig nach Oxford geschafft, um ihr bei ihrem letzten Atemzug beizustehen.

»Ist mit Ihnen alles in Ordnung? Brauchen Sie Hilfe?« Eine Krankenschwester mittleren Alters ging vor Emilia in die Hocke. »Haben Sie sich schon in der Ambulanz angemeldet?«

»In der Ambulanz?« Emilias Stimme fühlte sich kratzig an und es dauerte eine Weile, bis sie begriff, dass die Schwester auf ihre Verletzungen anspielte.

»Em!«, hallte es plötzlich durch den Raum und Jennifer, der rothaarige Wirbelwind, kam auf Emilia zugeeilt. »Da bist du ja endlich!«

Warum musste ihre Cousine bloß immer so laut sein?

»Vielen Dank, es geht schon«, erwiderte Emilia an die Krankenschwester gewandt.

Diese stand auf und machte Jennifer Platz.

»Ach du scheiße, wie siehst du denn aus? Wurdest du von einem Laster überfahren?«

»So ähnlich.«

Für das, was geschehen war, sah Jennifer überraschend gut aus. Im Gegensatz zu Emilias roten, vom Weinen verquollenen Augen, waren deren makellos geschminkt und die Trauer sah man ihr keineswegs an. Darin war Jennifer schon immer eine Meisterin gewesen: Gefühle hinter ihrer scheinbar perfekten Fassade zu verstecken. Das lag offenbar in der Familie. Ihre Mutter und ihr Bruder verhielten sich nämlich genauso. Nur, dass Jennifer zumindest ab und zu Empathie zeigen konnte. So wie auch jetzt. Sie sah aus, als sei sie unschlüssig, ob sie Emilia in den Arm nehmen sollte oder nicht. Stattdessen sagte sie: »Meine Mum und Colin sind in der Cafeteria.«

Granny ist gestorben und ihr geht Kaffeetrinken? Emilia spürte Wut in sich aufsteigen. Dabei wusste sie ganz genau, wie irrational und von Trauer getrieben ihre Gefühle waren. Schnell mahnte sie sich daher zur Vernunft. »Was ist mit meiner Mum?«

Ein trauriger Ausdruck erschien auf Jennifers Gesicht und sie legte Emilia eine Hand auf die Schulter. »Ich habe sie angerufen, aber Christine sagte, sie habe kein Interesse daran, herzukommen.«

Ja, das klang ganz nach Emilias Mutter. Diese wusste genau, wie sehr Emilia an ihrer Großmutter hing, und dennoch hielt sie es nicht für nötig, zum Krankenhaus zu kommen. »Schon gut. War ja nicht anders zu erwarten.«

»Tut mir leid, Em. Warte, ich helfe dir hoch.«

Sie streckte Emilia die Hand entgegen, die diese nach kurzem Zögern ergriff. Beim Aufstehen schwankte sie und fasste sich an den Kopf. Schwindel und die dumpfen Kopfschmerzen, die sie seit dem Unfall begleiteten, drohten nun, sie zu Fall zu bringen. Verzweifelt versuchte Emilia, sich auf den Beinen zu halten, und sich dabei möglichst nichts anmerken zu lassen.

»Bist du sicher, dass mit dir alles in Ordnung ist? Du bist ganz blass«, hakte Jennifer nach. »Ist das etwa Blut an deiner Kleidung?«

»Nicht der Rede wert«, nuschelte Emilia und ließ die Hand sinken.

Das nutzte Jennifer aus, um vorsichtig Emilias Pony beiseitezuschieben, wodurch die geklebte Wunde sichtbar wurde. »Was, um Himmels Willen, ist mit dir passiert, Em? Bist du etwa mit dem Skateboard hergekommen?«

»Mit dem Taxi, aber ich musste zwischendurch umsteigen.«

»Red keinen Scheiß und beantworte meine Frage.«

Emilia stöhnte genervt auf. »Ich habe mir den Kopf gestoßen, okay?«, keifte sie und riss sich von ihrer Cousine los. »Warum interessiert dich das überhaupt so brennend, obwohl Granny gerade gestorben ist?« Ihre Stimme hallte von den Wänden wider. Die anderen Wartenden schauten irritiert zu ihr hinüber. Die Stille, die daraufhin einkehrte, machte Emilia nur umso schmerzlicher bewusst, was ihre eigenen Worte bedeuteten. Die Trauer drückte sie nieder wie eine Lawine und sie verlor den Boden unter den Füßen. Laut schluchzend sank sie in die Arme ihrer Cousine und ließ den Tränen freien Lauf.

 

Jeder geht anders mit dem Tod einer geliebten Person um. Die einen können ihre Trauer nicht verbergen, die anderen leiden still, und dann gab es Menschen wie Tante Lucy und ihren Sohn Colin. Die beiden saßen seelenruhig in der Cafeteria, aßen Kuchen, tranken Kaffee und taten so, als sei nichts geschehen.

Als Emilia und Jennifer sich ihnen näherte