Einleitung
Zwei Wochen in einem 500-Einwohner-Dorf. Das kann ja heiter werden, denke ich mir, als mein Vater gerade die Heckklappe mit einem festen Ruck schließt und ich mich neben meinen Bruder ins Auto setze. Zwei Wochen mit der ganzen Familie in einem öden Fischerdorf an der Nordsee. So habe ich mir meine letzten Ferien ganz bestimmt nicht vorgestellt, aber mein Vater wollte unbedingt noch einen gemeinsamen Familienurlaub machen, bevor ich wegziehe und zu studieren beginne. Was und wo ich studieren werde oder ob ich überhaupt studieren werde, steht zwar noch nicht fest, zumindest für mich nicht, aber mein Vater ist der festen Überzeugung, dass ich mich nach dem Sommer an der Uni einschreibe und die Karriereleiter nach oben klettern werde. Ich denke über meine ungewisse Zukunft nach, das schwarze Loch, das sich da vor mir ausbreitet. Dann mischen sich wieder Bilder von meinen Freundinnen in meine Gedanken – wie sie bei 30 Grad am Strand liegen, Sommerkleider an Marktständen kaufen, abends Sangria trinken. Eigentlich hatte ich vor, mit ihnen nach Ibiza zu fliegen. Jetzt sitze ich hier, im Auto, auf den Weg in den Norden mit meiner Familie.
Bevor ich mich weiter mit dem Thema beschäftigen kann, höre ich meine Mutter aufgeregt fragen: „Seid ihr alle bereit?“
Mein Bruder Oskar, der zehn Jahre jünger ist als ich, stimmt ihr freudig zu. Er kann den Urlaub kaum erwarten und so sitzt er nun voller Vorfreude neben mir. Es wundert mich, dass er sich nicht schon die Schwimmflossen angezogen hat, so zappelig wie er ist. Als wir alle angeschnallt sind, startet mein Vater das Auto und so geht die vierstündige Autofahrt los.
Die Fahrt ist, im Gegensatz zum hektischen Packen in der Früh,