Auf Umwegen zur Hölle – Trottel mit Flügel sucht neuen Job
Jürgen sah auf seine Armbanduhr. „Was machst du denn schon wieder solange da unten? Bring mal Bier mit hoch, wenn du schon so ewig im Keller rum machst. Essen gibt’s wohl heute auch nicht mehr, oder wie?“ Charlotta seufzte. Ihr Mann Jürgen war wieder einmal ein wahrer Ausbund an Freundlichkeit und Charme. Sein ewiges Gezeter und Gemaule hingen ihr schon so lange zum Hals heraus. Dabei kannten sie sich nun schon fast eine halbe Ewigkeit und man könnte meinen, sie hätte sich mittlerweile daran gewöhnt. Und es war ja auch nicht so, als sei er früher der absolute Märchenprinz gewesen und hätte sich dann erst mit der Zeit so sehr zum Schlechten verändert. Aber mit zunehmendem Alter wurden seine Sticheleien, seine kleinen Boshaftigkeiten und seine schier grenzenlose Blödheit fast schon unerträglich. Kennengelernt hatten sie sich vor 28 Jahren, da war Charlotta gerade mal zarte 17 Jahre alt. Jürgen war damals schon 26, also neun Jahre älter als sie und stand mit beiden Beinen fest im Berufsleben. Er war gelernter Maurer, und das durch und durch. Auch, was seine ziemlich derbe und sehr laute Art betraf. Damals hatte Charlotta sein burschikoses und männliches Auftreten sehr imponiert. Sie war fasziniert von dem muskelbepackten Mann, der keine Widerrede duldete, in keinem Bereich seines Lebens. Wenn er etwas behauptete, dann war das so, egal, was andere sagten. Wenn er behauptete, die Sonne leuchtet grün, dann war das eben so, da gab es nichts zu diskutieren. Vor 31 Jahren sah er allerdings wenigstens noch nahezu unverschämt gut aus. Er hatte dichtes, dunkelbraunes Haar, trug einen gepflegten Bart und hatte einen ziemlich beeindruckenden Körperbau. Und ganz zu Anfang behandelte er Charlotta ja sogar fast noch liebevoll, war aufmerksam und ein wirklich fantastischer Liebhaber. Ihre Eltern waren damals begeistert von dem adretten Mann, der sein eigenes Geld verdiente, ein kleines Häuschen von seinen Eltern in Aussicht hatte und genau wusste, wohin er im Leben noch wollte. Und offenbar hatte er ihre Tochter Charlotte nun dazu auserkoren, Teil dieses Lebens zu werden. Ungefähr eineinhalb Jahre nach ihrem Kennen