Falke und Fohlen
Das Wasser war nicht tief.
Es reichte dem Fohlen gerade mal bis zum Bauch. Ein munterer, junger Fluss, der plätschernd über die Steine sprang und silbern helle rauschte. Die Ufer waren dicht bewaldet. Alte Silberbuchen hoben sich in die Höhe, darunter verkrochen sich Birken und Gestrüpp. Der Wald war finster, und die Bäume standen dicht beieinander. Sobald das schwarze Fohlen das Ufer erreicht hatte, entschwand es aus dem Blick des Falken. Der Falke stieg in die Höhe und überblickte das Land. Soweit das Auge reichte nur Wipfel und Tannenspitzen, die aus dem Dunste stachen. Ein unendlich weiter Wald, und das war auch sein eigentlicher Name. In der fremden Sprache der Elbarien hieß er Aun Dragh. Der Falke stieß einen Schrei aus und aus der Tiefe, verborgen vom Gewirr der kahlen Äste antwortete das Fohlen. Ansonsten war es still. So still. Als würde der unendliche Wald alle Geräusche ersticken. Auch das Geheul der Wölfe war verstummt, verboten worden von dem schweigenden Wald.
Roman fühlte sich frei in der Falkengestalt. Leicht und frei. Kein Gedanke an sein Tun, keine Frage nach dem wozu. Klarheit und Freiheit, das war alles. Und dennoch hatte er sein Ziel nicht vergessen. Das Ziel am Ende des Weges, den die Sterne ihm gezeigt hatten. Den