Schatzsuche
Der erste Morgen auf Farquhar begann besser als erwartet. Keine nächtlichen Besuche diverser Insekten und fester Schlaf hatten meine Laune auf ein ungewohnt hohes Niveau gehoben. Ich kam ungehindert aus der Tür, fand das Speisezimmer ohne Probleme wieder und war auch ganz allein mit mir, so wie ich es bevorzugte. Während meines Frühstücks ging ich die Wünsche der Braut durch und konnte sie sogar mit Humor nehmen.
Das Haus ist groß und es hat bestimmt seinen Charme.
Es half, mir dies wieder und wieder vorzubeten, auch bei der zweiten Besichtigung des kleinen Schlosses. Zwanzig Schlafzimmer und nicht eines war bezugsfähig. Ich durchschritt ebenso viele Gesellschaftsräume, Salons, Musikzimmer und Ateliers.
Schließlich öffnete ich am Ende des Hauptganges im ersten Stock eine breite Flügeltür. Ein Saal erwartete mich. Ich trat ein und wurde geblendet – die Hand erhoben, blinzelte ich und stieß den Atem aus.Wow. Sonnenstrahlen schnitten durch Staubschwaden, aber es tat dem Anblick keinen Abbruch. Es war ein majestätischer Raum, oder er könnte es sein, wenn er nur nicht ganz so unbeachtet bleiben würde wie bisher.
Spinnweben hingen von den drei großen goldenen Lüstern und wirkten dabei wie schmucklose Girlanden. An der langen Seite hingen zwei überlebensgroße Gemälde von hübschen, jungen Damen von anno dazumal. Ihr Lächeln strahlte mit der Sonne um die Wette und erinnerte mich an ein anderes Bild. Die Frau, die ich am Vortag bewundert hatte. Die Rahmen waren ebenfalls vergoldet und kunstvoll verziert. Zwischen den Gemälden und jeweils zur freien Seite hingen breite, bestickte Teppiche, die zwar dringend einen Staubklopfer benötigten, aber in ihrer detaillierten Art sogar eingestaubt bewundernswert waren. Ich stand auf einer Art Empore und eine geschwungene Treppe führte hinab in den Saal. Auf der gegenüberliegenden Seite wiederholte sich der Aufbau und man konnte beide Treppen über die schmalen Gänge an beiden Seiten des Saals erreichen. Sicherlich war es ein toller Ort, um den Abend zu verbringen, wenn die Tanzfläche unten vollgestopft war mit Gästen, die sich im sanften Klang vornehmer Musik im Kreis drehten. Bestimmt ließen sich die Fenster auf der linken Seite des Saals auf dieser Höhe mühelos öffnen und man stand im angenehmen Durchwind, während sich unten die Hitze staute. Obwohl sich hinter den zugezogenen Vorhängen wohl auch Fenster versteckten. Verandatüren vermutlich, schließlich brauchte ein so großer Raum mehr Durchlüftung, als die Fenster hier oben erreichen konnten. Kein Wunder, dass die feinen Herrschaften Riechsalz dabei hatten, wenn sie auf einen Ball gingen. Bei dem zu erwarteten Gedränge und der schlechten Luftzufuhr, war es wohl an der Tagesordnung, dass die Damen umkippten.
Die Erinnerung an eine Szene meines Lieblings-Zeichentrickfilms überrollte mich und ich fühlte mich auf einmal wie Anastasia, die im heruntergekommenen Sommerpalast in einem Tagtraum schwelgte. Ich liebte den Film. Anastasia war so herrlich frech, manche mochten sie zickig nennen, aber ich fand, dass sie sich schlicht nichts gefallen ließ – auch nicht von Dimitri.
Grinsend und mir bewusst, wie verdammt albern es war, streckte ich geziert die Hand nach der Reling aus und schwebte so gut es mir möglich war die Treppe hinunter, um dann tiefer in den Raum zu trippeln und in einen Knicks zu versinken. Oder in etwas, was einem Knicks vermutlich nicht einmal nahe kam, denn ich kannte derartige Gepflogenheiten nur aus dem Fernsehen und hatte es nie zuvor selbst probiert. Ich hob die Hand und erhob mich wenig grazil, schließlich war mein Tanzpartner nur eingebildet. Das erklärte nicht meine peinliche Performance, die mit einem Walzer sicherlich nicht viel gemein hatte, aber mehr als Foxtrott hatte ich nie gelernt. Ich drehte mich, bis mir ganz schwindlig wurde und ging dann kichernd zu Boden. Staub wirbelte auf und ließ mich husten. Mit jedem Atemzug wurde der Reiz stärker und mein Husten fester. Ich rappelte mich auf, aber es half nichts. Die eine Seite des Saals war eine Fensterfront, auf die stolperte ich zu, mich krümmend vor Atemnot. Die schweren, zugezogenen Vorhänge entließen noch mehr Staub und machten es mir fast unmöglich, auch Sauerstoff einzuatmen. Ich zerrte am Vorhang, der sich nicht lüftete und krümmte mich noch stärker.
Zu allem Überfluss ging im nächsten Moment nicht nur Staub auf mich nieder, sondern gleich die ganze Länge Samt. Ich wurde förmlich unter dem Vorhang begraben und schrie