Burg Zackenfels - im November des Jahres 2021
Von weitem leuchtete die Burg im Licht der untergehenden Sonne und schwarze Vögel – oder waren es Fledermäuse? - flogen wie Schattenrisse um ihre Türme, die wie wilde Zacken aussahen.
Wir, meine Schwester und ich, hüpften vor Aufregung auf dem Rücksitz unseres Autos auf und ab. „Kinder, nicht so wild", lachte unsere Mutter und versuchte ein böses Gesicht zu machen. Aber ich wusste ganz genau, dass sie heute garantiert nicht böse werden würde. Wir waren nämlich alle aufgeregt, Papa, Mama, Lisa, genannt Fips, und ich. Ach so, ich heiße übrigens Jenny, Jenny von Zackenfels und bin 12 Jahre alt.
Wir alle freuten uns auf unser neues Zuhause, es war wirklich und wahrhaftig eine richtige, große Burg, fast schon ein Schloss. Normalerweise sah sie grau und schwer aus und nicht leuchtend rosaorange, so wie heute Abend. Aber das kam ja nur von der Sonne, die sie mit ihren letzten Strahlen beschien. Sie war aus hellgrauen Granitsteinen gebaut und ur-ur-ur-uralt, über tausend Jahre, wirklich. Früher hatte die Burg schon mal Mama und Papa gehört. Na ja, natürlich nicht eigentlich Mama und Papa, sondern ihren Vorfahren, also meinen Ur-ur-ur-ur und noch viel mehr ur, Urgroßeltern. Aber das erzähle ich später noch mal genau. Also, heute zogen wir in die Burg endgültig ein.
„Hoffentlich spukt es dort auch!", krähte Fips neben mir. „Na, das solltest du dir lieber nicht wünschen", meinte Papa. „Es gibt Legenden, dass dort mehrere Gespenster umgehen, weil einige unserer Vorfahren nämlich ermordet wurden." „Aber Hans, nun hör schon mit den Gräuelmärchen auf", lachte Mama. „Sonst kriegen unsere Mädchen noch Angst."
„Wir doch nicht!", riefen Fips und ich wie aus einem Munde, und Fips klatschte vor Begeisterung in die Hände. Ihre Wangen wurden vor lauter Aufregung noch roter: „Unsere Geisterburg, unsere Geisterburg!", schrie sie. In diesem Augenblick machte unser Auto einen ganz merkwürdigen, holprigen Riesensatz nach rechts. Mama schrie vor Schreck ein bisschen auf und Papa sagte: „Was war das denn? Müssen wohl Schlaglöcher in der Straße sein."
„Also, uns kann nichts und niemand mehr von hier vertreiben, keine Schlaglöcher, keine Gespenster, einfach nichts", meinte Mama. „Richtig, Schatz, ganz sicher nicht", stimmte Papa ihr zu und strich ihr zärtlich über den Kopf. Fips und ich guckten uns an und glucksten vor Vergnügen.
Papa und Mama redeten schon seit Wochen davon, dass die Familie nun endlich wieder mit ihren Vorfahren vereint sei. Na ja...... von mir aus. Aber ich finde es schon toll, dass in der Burg so viele Bilder unserer Vorfahren hängen und