: Wolfgang Stephan
: Die Unruhe des Uhrmachers und andere denkwürdig sonderbare Geschichten
: Heiner Labonde Verlag
: 9783937507873
: 1
: CHF 7.00
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 212
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Eine Zeit- und Raumreise, durch sonder- und wunderbare Welten der Realität und Fantasie, die uns vom Niederrhein nach Andalusien und ans Mittelmeer führt, in der wir braven Bürgern und eitlen Königen, Zauberern und Verliebten begegnen, allerlei unfassbare Wesen und Getier unseren Weg kreuzt, wir einen Blick in etwaige Zukunft erhaschen und abtauchen ins dunkle Mittelalter. Welch' ein buntes Kaleidoskop!

Die Tätigkeit von Wolfgang Stephan (geb. 1936 in Berlin, jetzt wohnhaft an der Erft in Grevenbroich) erstreckt sich auf viele Felder der Literatur und Bildenden Kunst. Hauptanliegen ist die poetische, fantasievolle und spannende Darstellung von Eindrücken aus aller Welt, mit kulturellem, sozialem und humoristischem Belang, in Bildern und Texten. Gekleidet in Märchen, Sagen, Gedichte und Szenarien werden auch aktuelle Fragen beschrieben und gezeichnet. Mit Novellen, Fabeln, Romanen, Erzählungen und Kurz- geschichten stößt er im großen Gebäude der Geschichte, der Zeit-Räume und des kleinkarierten Alltags Fenster zu Sehnsüchten von Mensch und Tier auf und macht die Wunder erlebbar.

Die Unruhe des Uhrmachers

1

Vor vielen Jahren, als die Haustüren und Fenster im Dorf in einem harten Winter völlig zuschneiten, erzählte man sich in den warmen Stuben die Geschichte eines Uhrmachers aus der Nachbarstadt. Alle hörten andächtig zu, denn es war schon eine sonderbare Sache, die dem Uhrmacher passiert war.

Unten an der Mündung des kleinen Flusses sammelte er häufig große runde und auch flache Steine für Uhrgewichte. Weil er nicht nur goldene Uhren machte, sondern auch althergebrachte mit einfachen Gehwerken. Bei seinen Wanderungen mit Stock und Brotbeutel verweilte er dann lange vor den Toren der mehrtausendjährigen Stadt. Im Gnadental und wie sich die schönen Flecke sonst noch nannten!

Und wenn es windstill war, nahm er aber auch den einen oder anderen der Flachsteine und ließ ihn wie einen Frosch über den großen Strom vor der Mündung des kleinen Flüsschens springen. Falls es ihm dann auch noch Spaß machte, blieb oft nur ein einziger Stein seiner Sammlung übrig. Mal eine Achatscheibe oder ein weißer, geschliffener Quarzit. Dann wurde die bestellte altmechanische Uhr leider nicht so schnell fertig, und ein schlechtes Gewissen hatte er auch.

In seiner Werkstatt hingen und lagen etliche, eigentlich unzählige Uhren, unfertig, zerlegt, tickend, schlagend und mit der Zeit auf alle möglichen Arten verwandt.

Vorn an der Hoftür hieß es: Ernst A. Schmied – Uhrmacherei und Reparaturen. Das A stand, wie er behauptete, für Anachronos, den Unzeitgemäßen. Tiefer Eingeweihte wussten aber