Die Unruhe des Uhrmachers
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Vor vielen Jahren, als die Haustüren und Fenster im Dorf in einem harten Winter völlig zuschneiten, erzählte man sich in den warmen Stuben die Geschichte eines Uhrmachers aus der Nachbarstadt. Alle hörten andächtig zu, denn es war schon eine sonderbare Sache, die dem Uhrmacher passiert war.
Unten an der Mündung des kleinen Flusses sammelte er häufig große runde und auch flache Steine für Uhrgewichte. Weil er nicht nur goldene Uhren machte, sondern auch althergebrachte mit einfachen Gehwerken. Bei seinen Wanderungen mit Stock und Brotbeutel verweilte er dann lange vor den Toren der mehrtausendjährigen Stadt. Im Gnadental und wie sich die schönen Flecke sonst noch nannten!
Und wenn es windstill war, nahm er aber auch den einen oder anderen der Flachsteine und ließ ihn wie einen Frosch über den großen Strom vor der Mündung des kleinen Flüsschens springen. Falls es ihm dann auch noch Spaß machte, blieb oft nur ein einziger Stein seiner Sammlung übrig. Mal eine Achatscheibe oder ein weißer, geschliffener Quarzit. Dann wurde die bestellte altmechanische Uhr leider nicht so schnell fertig, und ein schlechtes Gewissen hatte er auch.
In seiner Werkstatt hingen und lagen etliche, eigentlich unzählige Uhren, unfertig, zerlegt, tickend, schlagend und mit der Zeit auf alle möglichen Arten verwandt.
Vorn an der Hoftür hieß es: Ernst A. Schmied – Uhrmacherei und Reparaturen. Das A stand, wie er behauptete, für Anachronos, den Unzeitgemäßen. Tiefer Eingeweihte wussten aber