Prolog: Flucht aus Windar
Die Stadt war grau und leer. Nicht leer von Menschen, sondern von Leben – als ob ihr das Blut aus den Adern gesogen und durch Blei ersetzt worden war.
So empfand es der Junge, der hinter einem Stapel Kisten mit Frachtgut kauerte und den Körper an die Hinterwand des Verschlags presste, in dem die Ware untergestellt worden war. Angewidert wich er von dem Fischgeruch zurück, der von den Kisten ausging, und zuckte zusammen, als sich in seinem Rücken Holzspäne durch die Jacke bohrten. Wachsam lauschte er auf die Schreie seiner Verfolger, die den Hafen nach ihm absuchten.
Doch noch mehr als sie fürchtete er die Lautlosigkeit, die sich trotz ihrer Rufe um ihn ballte. Es war fast so, als hätten sie ihn schon gefangen und ihm einen Sack um den Kopf gebunden, ihn ins hinterste Verlies gestoßen und dort zurückgelassen, blind, taub und verzweifelt.
Der Junge ahnte: Dieses Gefühl würde ihn begleiten, wohin auch immer er floh und wie auch immer seine Geschichte weiterging.
Sein linker Arm, getroffen von einer mit Dornen besetzten Keule, pochte und schwoll immer mehr an. Er wusste, dass seine Chancen schlecht standen, wenn die Wunden sich entzündeten.
Aber er achtete kaum darauf.
Sie waren mitten in der Nacht gekommen, hatten an das Hoftor geklopft, bis es unter ihren Schlägen dröhnte. Die Nachbarn mussten sofort Bescheid gewusst haben. Keiner kam heraus, alle erstarrt vor Angst. Wen auch immer die Söldnertruppen vom Rat d