Der Gestapo-Mann war ihm von der Ludwigstraße an gefolgt.
Er hieß Keller, Jakob Weiss hatte ihn sofort wiedererkannt, sein Gesicht war ihm von einem stundelangen Verhör nur noch zu genau in Erinnerung, er kannte alle Züge, die es annehmen konnte, von verächtlichem Grinsen bis zum unverhohlenen Sadismus, wenn er zuschlug – meist gab er ihm mit flacher Hand eine Ohrfeige, oder er ging scheinbar ziellos hinter ihm im Zimmer auf und ab, um ihm plötzlich einen Fußtritt zu versetzen, den er bereits sorgsam geplant hatte, er traf ihn meist seitlich im Bauch und löste bei ihm heftige, stechende Schmerzen aus, die von möglichen inneren Blutungen kommen konnten.
Aber nicht die körperlichen Schmerzen waren für Jakob Weiss das Schlimmste, mehr litt er darunter, einem solchen brutalen Menschen wehrlos ausgeliefert, seiner Menschenwürde und seiner Rechte völlig beraubt zu sein, sein Selbstwertgefühl wurde mindestens so sehr verletzt wie sein Körper; dass sein Leben völlig in seiner Hand war, machte ihm der Gestapo-Mann dadurch besonders fühlbar, dass er hinter ihn