: Bernhard J. Schmidt
: Narzissmus Arschloch-Krankheit und Tollwut der westlichen Kultur
: Books on Demand
: 9783756849352
: 1
: CHF 12.30
:
: Psychologie
: German
: 168
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Zumindest theoretisch kann man Narzissmus unter drei verschiedenen Perspektiven betrachten, nämlich der 1. geläufigen individuellen, 2. sozial-psychologischen, und der - uns bisher weitgehend fremden - 3. kultur-historischen. Aber um Narzissmus vollständig zu verstehen, ist die Wahrnehmung aller drei Perspektiven in ihren Wechselwirkungen notwendig. Die sozial-psychologische Perspektive wurde bereits in dem Buch"Symbiotischer Narzissmus als Gruppenphänomen" von Dr. Ganz und mir (Schmidt, B.; Ganz, A. 2017) ausführlich behandelt. In diesem Buch sollen deshalb vor allem die kultur-historische Perspektive erst einmal eingeführt, und dann die individuellen Ausprägungen von Narzissmus unter dieser betrachtet werden. Denn es sind die vergangenen zweitausend Jahre unserer Geschichte, die nicht nur ein zentrales Problem unserer Selbstwahrnehmung erschaffen, sondern zugleich die Lösung des Problems bisher verhindert haben.

geb. 1962 in Dortmund, Psychonom, eremitierter Universaldilattant

EINLEITUNG


Zumindest theoretisch kann man Narzissmus unter drei verschiedenen Perspektiven betrachten, nämlich der

  1. geläufigen individuellen,
  2. sozial-psychologischen, und der – uns bisher weitgehend fremden –
  3. kultur-historischen.

Aber um Narzissmus vollständig zu verstehen, ist die Wahrnehmung aller drei Perspektiven in ihren Wechselwirkungen notwendig.

Die sozial-psychologische Perspektive wurde bereits in dem Buch “Symbiotischer Narzissmus als Gruppenphänomen” von Dr. Ganz und mir (Schmidt, B.; Ganz, A. 2017) ausführlich behandelt.

In diesem Buch sollen deshalb vor allem die kultur-historische Perspektive erst einmal eingeführt, und dann die individuellen Ausprägungen von Narzissmus unter dieser betrachtet werden. Denn es sind die vergangenen zweitausend Jahre unserer Geschichte, die nicht nur ein zentrales Problem unserer Selbstwahrnehmung erschaffen, sondern zugleich die Lösung des Problems bisher verhindert haben.

Es ist das Problem des aus dieser Entwicklung entstandenen Be-Deutungs-Rahmens (Frame of Meaning) eines Wir-losen (Norbert Elias), Kultur- und Körper-losen ICHs (Schmidt, B. 2020b), welcher nicht nur Problem ist, sondern zugleich die Lösung mittels einer kultur-historischen Betrachtung bisher verhindert hat.

Es ist das Dogma, dass sich das ICH aus sich selber heraus, ursprünglich von göttlicher Macht eingehaucht, entwickelt.

Dass das ICH, als Seele oder Geist, unabhängig ist vom Körper, unabhängig vom sozialen Umfeld, und der dieses soziale Umfeld formende historischen Entwicklung innerhalb einer Kultur.

Dies zeigt sich gut am Begriff des Kindergartens, in dem die Kinder heranwachsen wie die Blumen im Garten. So benötigen die Blumen zwar Licht und Wasser um zu gedeihen, aber keine anderen Blumen. Und die Kinder erhalten eine schöne Umgebung, Lernmaterialien und Anregungen zu ihrer Entwicklung – die Bedeutung der