: Rudyard Kipling
: Soldatengeschichten
: OTB eBook publishing
: 9783987445675
: Classics To Go
: 1
: CHF 1.80
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: Belletristik
: German
: 99
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Auszug: Einmal lebten sehr weit von England drei Männer, die einander so liebten, daß weder Mann noch Weib sie trennen konnte. Sie waren nichts weniger als fein, und nicht geeignet, in die Vorzimmer vornehmer Leute gelassen zu werden, denn sie waren gemeine Soldaten in Ihrer Majestät Armee; und der gemeine Soldat in englischen Diensten hat wenig Zeit für seine Vervollkommnung. Seine Pflicht ist, sich und seine Ausrüstung fleckenlos sauber zu halten, sich zu hüten, öfter betrunken zu sein, als unbedingt nötig, seinen Vorgesetzten zu gehorchen und um Krieg zu beten. Alles dies thaten meine Freunde; und als Zugabe vollführten sie noch einige Faustkämpfe, die nicht im Dienstreglement vorgesehen waren. Ihr Schicksal bestimmte sie zum Dienst in Indien, das kein goldenes Land ist, obgleich manche Dichter es als solches besungen haben. Die Menschen sterben dort mit großer Schnelligkeit, und die, welche leben bleiben, erfahren viele und merkwürdige Dinge. Ich glaube nicht, daß meine Freunde sich viel um die sozialen oder politischen Verhältnisse des Orients kümmerten.

Krischna Mulvaney.


Anm.: Auf Wunsch des Übersetzers bemerken wir, daß diese Erzählung nicht von ihm verdeutscht wurde.

Einmal lebten sehr weit von England drei Männer, die einander so liebten, daß weder Mann noch Weib sie trennen konnte. Sie waren nichts weniger als fein, und nicht geeignet, in die Vorzimmer vornehmer Leute gelassen zu werden, denn sie waren gemeine Soldaten in Ihrer Majestät Armee; und der gemeine Soldat in englischen Diensten hat wenig Zeit für seine Vervollkommnung. Seine Pflicht ist, sich und seine Ausrüstung fleckenlos sauber zu halten, sich zu hüten, öfter betrunken zu sein, als unbedingt nötig, seinen Vorgesetzten zu gehorchen und um Krieg zu beten. Alles dies thaten meine Freunde; und als Zugabe vollführten sie noch einige Faustkämpfe, die nicht im Dienstreglement vorgesehen waren. Ihr Schicksal bestimmte sie zum Dienst in Indien, das kein goldenes Land ist, obgleich manche Dichter es als solches besungen haben. Die Menschen sterben dort mit großer Schnelligkeit, und die, welche leben bleiben, erfahren viele und merkwürdige Dinge. Ich glaube nicht, daß meine Freunde sich viel um die sozialen oder politischen Verhältnisse des Orients kümmerten. Sie nahmen an einem nicht unbedeutenden Kriege an der Nordgrenze teil, an einem andern an der Westgrenze und an einem dritten in Ober-Birma. Dann bezog ihr Regiment Quartier, um sich zu ergänzen, und die grenzenlose Eintönigkeit des Lebens in einer Militärstation ward ihr Teil. Sie wurden morgens und abends auf demselben Exerzierplatze gedrillt. Sie spazierten zwei lange Jahre hindurch dieselbe weiße, staubige Straße auf und ab, besuchten dieselbe Kirche und dieselbe Branntweinkneipe und schliefen in derselben weißgetünchten Kaserne. Einer war Mulvaney, der Vater der Truppe, der bei verschiedenen Regimentern von Bermuda bis Halifax gedient hatte, ein alter Krieger, narbenbedeckt, sorglos, in keiner Lage um ein Auskunftsmittel verlegen und in seinen frommen Stunden ein unvergleichlicher Soldat. An ihn wendete sich ein sechs und einen halben Schuh großer, schwerfälliger Yorkshirer, im Hügelland geboren, im Thale aufgewachsen und im wesentlichen zwischen den Wagen hinter dem Bahnhofe von York erzogen, um Rat und Hilfe. Sein Name war Learoyd und seine vornehmste Tugend eine unerschöpfliche Geduld, kraft deren er in den Faustkämpfen Sieger blieb, wie Ortheris, ein Foxterrier von einem CockneyA1, dazu kam, einer der drei zu werden, ist ein Rätsel, das ich bis heute nicht erklären kann, »Wir sind immer drei gewesen,« pflegte Mulvaney zu sagen. »Und mit Gottes Hilfe werden wir, solange wir dienen, immer drei bleiben. Es ist besser so.«

Sie verlangten keine Gesellschaft außer ihrer eignen, und es war für keinen Mann des Regiments geraten, sich mit ihnen in einen Streit einzulassen. An physische Beweisgründe war nicht zu denken, soweit Mulvaney und Learoyd in Betracht kamen, und ein Angriff auf Ortheris bedeutete eine kombinierte Attacke dieser beiden – ein Handel, wonach keine fünf Mann des Regiments vereint lüstern waren. Daher blüht