: Henryk Sienkiewicz
: Ohne Dogma
: OTB eBook publishing
: 9783987445514
: Classics To Go
: 1
: CHF 1.80
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: Belletristik
: German
: 218
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ohne Dogma ist ein Manierenroman von Henryk Sienkiewicz, einem polnischen Literaturnobelpreisträger, der 1891 veröffentlicht wurde. Seine Erzählung konzentriert sich auf die Erfahrungen von Leon P?oszowski, einem Mann aus einer wohlhabenden aristokratischen Familie, der Schwierigkeiten hat, den Sinn des Lebens in zu finden Welt ohne Moral, indem er versucht, seine Gefühle gegenüber den angetroffenen Frauen selbst zu analysieren.Der Roman wurde mit dekadenter Bewegung in Verbindung gebracht, ohne eindeutige Verurteilung unmoralischer Handlungen angegriffen und als Versuch erhalten, sich die Generation des Fin de Siècle vorzustellen.Der Roman wurde in der ersten Person geschrieben und ist das einzige Werk von Sienkiewicz, das dem Tagebuchformat folgt.

Erster Teil


Rom, am 9. Januar.

Es ist noch nicht lange her, da habe ich mich mit meinem Freunde Sniatynski, der sich nach Beendigung seiner Studien der Schriftstellerei zuwandte und bereits einen recht guten Namen besitzt, über Literatur unterhalten. Er schwärmte für das Tagebuch und meinte, ein solches gebe, sofern es die Wahrheit enthalte, nicht bloß ein getreues Zeitbild, sondern auch ein unbedingt verläßliches Zeugnis menschlichen Lebens; wer ein Tagebuch schreibe, erwerbe sich, behauptete er, ein unmittelbares Verdienst um die Menschheit, und nur eine Erzählungsform habe Anwartschaft auf wirkliche Unvergänglichkeit, nämlich die Denkwürdigkeiten. Ich bin nun 35 Jahre alt und habe für meine Mitmenschen noch nicht das geringste geleistet, will es drum einmal probieren, ob ich in dieser Weise etwas für sie vollbringen kann. Den Grund dafür, daß ich noch solche Null darstelle, erblicke ich mit in dem Umstande, daß ich nach Vollendung meiner Universitätsstudien mich immer im Auslande herumgetrieben habe. Man nehme diese Worte nicht als Humor, höchstens als eine Art Galgenhumor, und betrachte auch in solchem Lichte meinen Entschluß, ein Tagebuch zu schreiben, ungeachtet der skeptischen Lebensauffassung, mit der ich mich vollgesogen habe wie ein Schwamm mit Wasser . . . Jedes Wort, das ich schreibe, soll wahr sein, und wenn sich meines Freundes Ansicht, der Mensch finde, wenn er sich erst einmal daran gewöhnt habe, seine Gedanken in solcher Form niederzuschreiben, seine Freude daran, bei mir nicht bewahrheiten sollte, dann Gnade der Himmel meinem Tagebuche! es möchte reißen wie eine zu straff gespannte Saite, denn wenn ich schließlich auch ganz gern bereit bin, für die Menschheit etwas zu vollbringen, so wird es mir nun und nimmer einfallen, mich für sie zu »ennuyieren«. Anderseits sollen mich Schwierigkeiten nicht abschrecken; ich denke vielmehr, daß es mir gelingen wird, mich an die Arbeit zu gewöhnen und auch Gefallen an ihr zu finden . . . Mein Freund schärfte mir ein, ja nicht zu schreiben nach Literatenweise . . . er mag ja recht haben, wenn er sagt, man schreibe um so besser, je ungesuchter man schreibe; aber ich bin ja doch nur Dilettant, und wenn es mir wirklich an allen Eigenschaften zur Erfüllung der gestellten Aufgabe fehlen sollte, so doch vielleicht nicht an einer gewissen Dosis Geschmack . . . drum denke ich, ich trete ohne weitere Erwägungen an sie heran und erzähle zunächst einiges über meine Vergangenheit.

Mein Name ist Leon Ploshowski, mein Alter, wie schon bemerkt, 35 Jahre; ich bin der Sohn reicher Eltern und im Besitz eines recht stattlichen Familiengutes. Mein Sinn steht nicht danach, es zu mehren; es wird mir aber auch nicht einfallen, es zu verwirtschaften. Ich bin nicht darauf angewiesen, mir eine Stellung im Leben zu erringen, ich weiß nichts von kostspieligen Liebhabereien, sondern stehe dem Leben und