Elegien
I Römische Elegien
Wie wir einst so glücklich waren!
Müssens jetzt durch euch erfahren.
I
Saget, Steine, mir an, o sprecht, ihr hohen Paläste!
Straßen, redet ein Wort! Genius, regst du dich nicht?
Ja, es ist alles beseelt in deinen heiligen Mauern,
Ewige Roma; nur mir schweiget noch alles so still.
O wer flüstert mir zu, an welchem Fenster erblick ich
Einst das holde Geschöpf, das mich versengend erquickt?
Ahn ich die Wege noch nicht, durch die ich immer und immer,
Zu ihr und von ihr zu gehn, opfre die köstliche Zeit?
Noch betracht ich Kirch und Palast, Ruinen und Säulen,
Wie ein bedächtiger Mann schicklich die Reise benutzt.
Doch bald ist es vorbei; dann wird ein einziger Tempel,
Amors Tempel, nur sein, der den Geweihten empfängt.
Eine Welt zwar bist du, o Rom; doch ohne die Liebe
Wäre die Welt nicht die Welt, wäre denn Rom auch nicht Rom.
II
Erste Fassung
Fraget nun, wen ihr auch wollt, mich werdet ihr nimmer erreichen,
Schöne Damen, und ihr, Herren der feineren Welt!
Ob denn auch Werther gelebt? Ob denn auch alles fein wahr sei?
Welche Stadt sich mit Recht Lottens, der einzigen, rühmt?
Ach, wie hab ich so oft die törichten Blätter verwünschet,