: Chris Ryan
: SÖLDNEREHRE (Extreme 4) Thriller
: Luzifer Verlag
: 9783958357488
: Extreme
: 1
: CHF 4.50
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 364
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Chris Ryans Extreme - extreme Action, extremes Tempo, extreme Sprache. Nordirland, 1993: Als die engagierte MI-5-Agentin Avery Chance von der IRA entführt wird, liegt ihre einzige Hoffnung auf Rettung in der Hand eines jungen SAS-Rekruten ... Zwanzig Jahre später ist John Bald, jene SAS-Legende, nur noch ein Schatten seiner selbst. Eine letzte Mission soll ihn rehabilitieren. Das Ziel: Kurt Pretorius, ein gnadenloser Söldner, der sich in der Wildnis Somalias zu einer Art Gottheit aufgeschwungen hat. Bald soll Pretorius stoppen, bevor dieser einen geplanten Putsch in die Tat umsetzen kann. Doch schon bald findet er sich in einem gefährlichen Spiel aus Verrat und Täuschung wieder, dessen Preis der eigene Kopf sein könnte ... ????? »Niemand versetzt Sie besser mitten in die Action als Ryan.« - EVENING STANDARD Chris Ryan, ehemaliger SAS-Elitesoldat und Erfinder der erfolgreichen TV-Serie »Strike Back«, befördert Sie mit seiner Extreme-Reihe direkt ins explosive Geschehen. Seine Bücher sind atemlose Actionkost - schonungslos, realistisch und knallhart.

Chris Ryan, geboren 1961 in Newcastle, diente über zehn Jahre im Special Air Service (SAS), der berühmten Spezialeinheit der britischen Armee. In dieser Zeit nahm er an dutzenden offiziellen Einsätzen sowie Geheimoperationen teil und befehligte eine Gruppe Scharfschützen einer Anti-Terror-Einheit. Während des Golfkriegs überlebte er als einziger seines achtköpfigen Teams die Flucht aus dem Irak, drei seiner Kameraden wurden bei der Flucht getötet, die anderen vier gefangen genommen. Die Flucht war die bislang längste in der Geschichte des SAS, und Ryan wurde dafür mit der Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. In seinen letzten beiden Dienstjahren kümmerte sich Ryan um die Ausbildung potenzieller Rekruten für den Dienst bei der SAS. In dem Bestseller The One that got away schrieb Ryan über seine Erlebnisse im Einsatz. Das Buch wurde unter dem Titel Todeskommando Irak verfilmt. Von Chris Ryan sind drei weitere Sachbücher erschienen, fünfzehn Bestseller-Romane sowie eine Jugendbuchserie.

Kapitel 2



20:57 Uhr

 

Chance erreichte den Treffpunkt drei Minuten früher. Sie hasste es, zu spät zu kommen.

Sie war von Lisburn heraufgedonnert und hatte ihren silbernen Vauxhall Cavalier noch mehr angetrieben, als sie sich ihren Weg die Prince William Road nach Norden hinauf gebahnt hatte, in die südwestliche Ecke von Belfast. Ein dünner Nebel hatte begonnen, sich wie ein Netz über die Landschaft auszubreiten, als sie von der B101 und auf die A501 nach Andersonstown schoss.

Irgendjemand hatte Chance einmal erzählt, dass Belfast britischer als die Weihnachtsansprache der Queen und irischer als ein Glas Guinness wäre. Und das stimmte. Aber die Zeiten änderten sich. Bill Clinton war zum Präsidenten gewählt worden. Reagan hatte Witze über die Iren gemacht, Clinton wollte Frieden bringen, hieß es in den tabakgeschwängerten Social Clubs überall in der Provinz, und darin lag ein Fünkchen Wahrheit. Clinton drängte auf einen Waffenstillstand und buhlte um Gerry Adams. Und zuhause in Whitehall schob die Gerüchteküche Überstunden. Hinter vorgehaltener Hand hieß es, dass die Briten und die Iren im Begriff seien, eine gemeinsame Erklärung im Friedensprozess abzugeben. Nun war Belfast zweigeteilt zwischen jenen, die ihre Waffen an den Nagel hängen wollten und denen, die geschworen hatten, den bewaffneten Kampf weiterzuführen.

Die Straßen waren menschenleer, als Chance die Kreuzung zwischen der Andersonstown Road und der Suffolk Road erreichte. Sie schaltete in den Park-Modus, ließ aber den Motor an und die Heizung auf voller Pulle laufen. Die warme Luft strich zärtlich über ihren Hals und ihr Gesicht. Dafür war sie dankbar, denn draußen herrschte die Art von Kälte, die einen mit Nadelstichen traktierte und bis auf die Knochen fuhr.

Die Sozialsiedlung bestand aus einer schmucklosen Anordnung finster aussehender Häuser und einem Aufgebot an Läden. Verrostete Rollläden hingen wie schwere Augenlider vor den Fenstern eines heruntergekommenen Wettbüros und einem Taxi-Laden. Vom Dach eines jeden Hauses wehte eine republikanische Flagge. Wandgemälde an den Giebelwänden zeigten Hungerstreikopfer und palästinensische Terroristen, lebendige Farben in einem Meer aus Grautönen, während am Horizont einige Berge wie zwei hochgezogenen Schultern aufragten. Ein Schild an einem Gebäude ganz in der Nähe trug einen Spruch aus dem Alten Testament:Begegne deinem Gott.

Andersonstown war die Art von Gegend, wo man Bullen aus ihren Autos zerrte und am helllichten Tag niederstach, und gutgläubigen Zivilisten in die Kniescheibe geschossen wurde, nur weil sie den falschen Nachnamen trugen. Belfast gehörte zu der Zeit zu den vier großen B, zusammen mit Bagdad, Bosnien und Beirut. Orte, die wie offene Wunden eiterten. Orte, die die Welt vergessen hatte.

Chance wusste, dass sie ein großes Risiko damit einging, ein Treffen im Hinterhof des Feindes abzuhalten. Aber andererseits hielt sie es für den perfekten Treffpunkt für ihren Informanten, ganz nach dem Prinzip, sich direkt vor aller Augen zu verstecken. Es würde ihren Informanten besser schützen, als ihn durch die Tore des nächstgelegenen irischen Polizeiquartiers marschieren zu lassen, wo Hinz und Kunz zusehen konnten.

Außerdem holte sie sich von dem Risiko ihren Kick. Schon von klein an, als ihr Vater ihre als Hochschuldozentin arbeitende Mutter für seine Assistentin sitzen ließ, hatte Chance gelernt, dass es, wenn sie es im Leben einmal zu etwas bringen wollte, nicht reichen würde, einfach nur gleichauf mit ihren männlichen Rivalen zu sein. Sie musstebesser als die Männer sein. Sie musste härter und länger dafür arbeiten und obendrein klüger als sie sein. Und sie musste darauf gefasst sein, ihren Kopf zu riskieren.

Chance wusste, dass sie nicht auf klassische Weise attraktiv war. Aber sie hatte so etwas an sich. Sie war jene Art von Frau, die Männer eher faszinierte, als sie dahinschmelzen zu lassen. Ihr kurzgeschnittenes braunes Haar besaß blonde Strähnen am Pony und ihre schmalen Lippen standen immer ein klein wenig offen und gaben den Blick auf perlweiße Zähne frei. Sie trug einen dunklen Anzug, der ihre Hüften betonte und ihre kleinen Brüste kaschierte – den einzigen Teil ihres Körpers, den sie hasste. Mit sechzehn war sie am St. Hildas College in Oxford angenommen worden, wo sie P