: Henryk Sienkiewicz
: Kohlenzeichnungen
: OTB eBook publishing
: 9783987445484
: Classics To Go
: 1
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: Belletristik
: German
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Auszug: Im Dorfe Widderkopf war es in der Gemeindekanzlei ganz still, der Scholze, ein nicht mehr junger Landwirt, Franz Burak, saß am Tische und kritzelte mit Anstrengung etwas auf dem Papier, der Gemeindeschreiber aber, ein hoffnungsvoller junger Mann, mit Namen Zolzikiewicz, stand am Fenster und wehrte die Fliegen von sich ab. Fliegen gab es in der Kanzlei wie in einem Schafstall, alle Wände waren von ihnen besudelt und hatten ihre frühere Farbe eingebüßt. Das Glas auf dem über dem Amtstische hängenden Bilde, das Papier, das Gemeindesiegel, das Kruzifix und die Amtsbücher waren mit zahlreichen Pünktchen bedeckt.

2. Einige andere Personen und unangenehme Bilder.


Später, ungefähr nach einer Stunde, kam Rzepa mit dem Zimmermann Lukasch auf einem herrschaftlichen Wagen aus dem Walde gefahren.

Rzepa war ein fleißiger, kräftiger Bauer, schlank wie eine Tanne, wie mit der Axt zugehauen. Er mußte jeden Tag in den Wald fahren, weil der Gutsbesitzer einen Teil des Waldes, worauf keine Servituten lasteten, den Juden verkauft, und nun wurden die Bäume gefällt. Rzepa hatte sehr viel verdient, denn er war ein tüchtiger Arbeiter. Wenn er, die Hände mit Speichel benetzt, die Axt ergreift, ausholt, so erzittert der Baum beim Dreinschlagen, daß die Späne ringsherum fliegen. Wurden die Stämme aufgeladen, war er ebenfalls der erste. Die Juden, die mit dem Zollstock im Walde hin und her spazierten, die Gipfel der Bäume betrachteten, als ob sie Krähennester suchten, staunten über seine Kräfte. Der reiche Kaufmann Drißl aus Eselsfeld sagte immer: »Rzepa, Dich soll der Teufel holen. Hier hast Du sechs Groschen auf Branntwein … nein, warte, hier hast Du fünf Groschen auf Branntwein.«

Rzepa zuckt mit den Achseln, hebt die Axt und läßt sie fallen, daß es kracht, mitunter läßt er auch zum Vergnügen im Walde seine Stimme ertönen: »Hoh! Hop!« Er hört seine Stimme als Echo wieder. Dann hört man nur noch den Schlag von der Axt, und die Tannen flüstern sich rauschend zu, was der Wald sagt. Mitunter, wenn die Holzhauer ein Lied anstimmen, ist Rzepa immer der erste, er hat sie auch das Lied gelehrt:

Etwas im Walde schallt?
      Buuu!
So, daß es schrecklich wiederhallt?
      Buuu!
Von der Eiche fiel die Mücke,
      Buuu!
Ach, sie brach Arm und Genicke
      Buuu!
Die arme Fliege klagt,
      Buuu!
Die arme Mücke eiligst fragt:
      Buuu!
Bedarfst Du eines Doktors?
      Buuu!
O, es bedarf keines Doktors.
      Buuu!
Auch keiner Apotheke?
      Buuu!
Nichts als Spaten und Hacke.
      Buuu!

In der Schenke war Rzepa auch immer der erste, nur liebte er den Schnaps und suchte Händel, wenn er angetrunken war. Einem herrschaftlichen Knechte hatte er sogar ein Loch in den Kopf geschlagen und zwar so, daß man durch d