: Henryk Sienkiewicz
: Im Strudel
: OTB eBook publishing
: 9783987445477
: Classics To Go
: 1
: CHF 1.80
:
: Belletristik
: German
: 347
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der vorliegende Roman »Im Strudel« ist ein Gesellschaftsroman. Er spielt in Polen. Ethisch und künstlerisch steht er auf der Höhe, sein Wert ist dauernd.

Erster Teil.


I.


Kurz vor Mitternacht hielt ein Wagen mit Herrn Gronski vor dem Schlosse der Besitzung zu Jastrzemb. Alles lag schon in festem Schlafe, ausgenommen der alte Diener und der junge Erbe Wladislaw Krzycki, der den Gast erwartete, um ihn zu bewillkommnen und ihm ein Abendbrot vorzusetzen. Die Begrüßung war sehr herzlich, denn trotz des Altersunterschiedes verbanden sie frühere Zeiten: Gronski hatte, als er noch Student war, den jungen Gymnasiasten Krzycki fast väterlich beschützt. In späteren Jahren sahen beide sich oft wieder, während die Beziehungen Gronskis zur Familie Krzycki ununterbrochen freundschaftliche blieben.

Nach den ersten Begrüßungen begaben sich beide nach dem Speisezimmer. Der junge Erbe von Jastrzemb umarmte noch einmal den angekommenen Gast, führte ihn an den Tisch, wischte sich den Schlaf aus den Augen, der ihn immer noch gequält hatte, und begann mit unverhohlener Freude:

»Ich schätze mich sehr glücklich, daß wir Sie wieder in Jastrzemb haben. Und meine Mutter, wie hat die nach Ihnen ausgeschaut. So oft ich in Warschau bin, beginne ich meine Besuche bei Ihnen; aber seit Ihrer letzten Anwesenheit in Jastrzemb sind schon mehrere Jahre vergangen.«

Herr Gronski erkundigte sich nun nach dem Wohlbefinden von Frau Krzycka und dem jungen Nachwuchs in der Familie des Herrn Wladislaw, worauf er sagte:

»Es ist schon lange her, seit ich auf dem Lande weilte, weder hier noch anderswo war ich bei unseren Grundbesitzern. Im Sommer schickt man mich Jahr für Jahr nach Karlsbad, und von Karlsbad verläuft man sich irgendwo im Westen. Zudem brodelt es jetzt in Warschau wie in einem Hexenkessel: Tag für Tag gibt es da Neuigkeiten, man kann sich daher schwer losreißen.«

Das Gespräch ging nun auf öffentliche Dinge über, was ziemlich lange andauerte. Krzycki begann sodann als erster mit Privatangelegenheiten:

»Haben Sie außer der Todesnachricht des Onkels Zarnowski den Brief meiner Mutter erhalten? Ich frage deshalb, weil ich die Todesnachricht absandte, während meine Mutter einen Tag später sich entschloß, e