Die Angst des Studienanfängers vor dem Fehlgriff
Ist das Abitur geschafft, steht eine der großen Lebensentscheidungen ins Haus: Studium ja oder nein? Wenn ja, welche Richtung soll man wählen? Fächer wie beispielsweise BWL oder Wirtschaftsingenieurwesen? Weil sie nicht nur zukunftsträchtig scheinen, sondern auch sehr breit angelegt sind und somit viele Optionen offen lassen?
Passen solche Studiengänge zur Eigenanalyse beispielsweise bezüglich Kreativität oder Kommunikationsstärke?
Vor dem Hintergrund von über siebentausend grundständigen Studienangeboten in Deutschland, unzähligen Angeboten aus dem Ausland und einer digitalen Informationsflut befällt so manchem Studienanfänger (verständlicherweise) dann leicht ein Gefühl der Überforderung.
Zum einen sind Studienanfänger im Vergleich zu früher heute jünger. Mit gerade einmal 18 Jahren haben sie vielleicht noch Lernprozesse vor sich, was aber eine berufliche Orientierung auch nicht gerade erleichtert. Dem Schulabgänger fehle durch die Verkürzung von Schulzeit ein Jahr, in dem er Wissen erwerben und vertiefen könne.
Zudem hat er bisweilen auch aus rein notenstrategischen Gründen naturwissenschaftliche Fächer abgewählt (was in einem späteren MINT-Studium Nachteile mit sich bringen könne) „Die Fülle an Möglichkeiten, sich zu informieren, haben zu einer Unübersichtlichkeit geführt“. Möglicherweise könnten hierbei Angebote zu Brückenjahre helfen, die als Orientierungskurse dafür dienen sollen, um zu erkennen, ob die gewählte Fachrichtung auch wirklich passt.
„Die Vielfalt des deutschen Bildungssystems ist an der Schnittstelle Schule – Studium Segen und Fluch zugleich.“
„Man muss eine lebensrelevante Entscheidung treffen, deren Ausgang man nicht kennt.“
„Also eine Generation die zwar anspruchsvoll aber auch zugleich getrieben ist.“
„?“
„Immer jüngere Absolventen treffen auf immer stärker gestraffte Studiengänge.“
„Die dazu noch oft zu wenigen Gelegenheiten bieten, aus der Schulzeit noch offen gebliebene Wissenslücken zu schließen.“
Zwei Beispiele für unterschiedliche Wege
Welche Rolle spielen Zufall und Wahrscheinlichkeit?
Man weiß es nicht
Heerscharen von Abiturienten mit phantastischen Abschlussnoten überschwemmen Hochschulen: die Aussetzung der Wehrpflicht, doppelte Abiturjahrgänge, die Erhöhung der Abiturientenquote und erweiterte Formen des Hochschulzugangs sorgen für immer neue Rekorde.
„Wenn immer mehr jungen Menschen unabhängig von ihren Leistungen der Zugang zu Universitäten und Fachhochschulen gewährt wird, nehmen wir die Erosion zentraler Qualitätsstandards billigend in Kauf“. Immer mehr Schulabsolventen haben allerdings erhebliche Mängel bei den grundlegenden Anforderungen wie Ausdruck, Rechtschreibung, Textverständnis oder einfacher Mathematik.
In den (zu kurzen) sechs Semestern eines Bachelor-Studiums sollen (neben Praktika und Auslandsaufenthalten) auch noch so etwas wie ein „nachholender Schulunterricht“ untergebracht werden. Den Hochschulen werden immer mehr solcher Anpassungslasten aufgrund bildungspolitischer Versäumnisse (Schulzeitverkürzungen, Lehrermangel, Unterrichtsausfall, Bewertungsexperimente, Inklusionsprobleme) aufgebürdet. „Um Studienabbrüche zu vermeiden, die von der Politik durch Mittelabzug sanktioniert werden, droht auch hier eine Inflationierung und damit Entwertung von Leistungsbewertungen und Bildungsabschlüssen“. Ein böses Erwachen mancher Studenten infolge falscher Selbsteinschätzung wird bis zum Berufseinstieg hinausgezögert. Eine Kultur des Scheiterns könnte dazu beitragen, solche Fehlentwicklungen zu vermeiden. Beispielsweise durch mehr Ehrlichkeit bei der Leistungsbewertung. Beispielsweise durch das Aufzeigen konstruktiver Alternativen für ein Umsatteln (ohne Verlust des Selbstbewusstseins). Bei als falsch erkannten Entscheidungen muss es auch einen Weg zurückgeben (den man hoch erhobenen Hauptes beschreiten kann).
„Die deutsche duale Berufsausbildung mit ihrer einzigartigen Kombination aus schulischer und betrieblicher Ausbildung wird zwar weltweit bewundert und ist ein entscheidender Standortvorteil Deutschlands im internationalen Wettbewerb sowie Erklärungsfaktor für eine hierzulande unterdurchschnittliche Jugendarbeitslosigkeit.“
„Dessen ungeachtet bleibt der Akademisierungsdrang ungebrochen.“
„Und erfährt eine praktische Ausbildung oft nicht die ihr zukommenden Anerkennung.“
Immer mehr junge Menschen studieren, aber scheitern hierbei. Oder, wenn sie sich bis zum Ende durchquälen, laufen sie Gefahr, dass sie später nicht ihrer Qualifikation gemäß eingesetzt werden (können). Und hätte insofern vielleicht etwas anderes machen sollen. Als Folge eines vorherrschenden Akademisierungs-Klimas gehen zu viele junge Menschen an Universitäten oder studieren dort das Falsche. Dazu beigetragen die Abschaffung von Zugangsvoraussetzungen für „billige“ Studiengänge (weil diese vermeintlich ohne teure Infrastruktur und intensive Betreuung auskommen) wie Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Wobei ein allgemeines studium generale dann vielleicht noch dazu beigetragen hätte, mündige Bürger oder verantwortliche Akademiker hervorzubringen.
„Welche Fächer studiert werden, ob eine Nachfrage für die Absolventen dieser Fächer besteht, wie hoch die Studienabbrecher-Quote ist, wie eine richtige Balance zwischen Hochschulzugang und praktischer Ausbildung aussehen könnte – all das interessiert doch niemanden“.
„Im Ergebnis sind zu viele Studierende mit dem von ihnen gewählten Fach nicht glücklich.“
„Und gleichzeitig besteht ein Mangel an MINT-Absolventen.“
„Und qualifizierten Handwerksberufen.“
„Das heißt?“
„Manch einer wäre in einer dualen Ausbildung besser aufgehoben.“
„Statt Lebenszeit für ein Studium einzusetzen?“
„Für das man nicht „brennt“ und deshalb zu wenig oder nichts führt und oft auch nicht zu Ende geführt wird.“
Obwohl unbestritten ist, dass die Akademikerarbeitslosigkeit im Durchschnitt niedriger als bei allen anderen Berufen ist, muss ein Studium (unabhängig von der gewählten Fachrichtung) nicht in jedem Fall die beste Lösung oder der einzig richtige Königsweg sein.
„Bei der Berufsplanung entstehen viele Probleme im Bereich der „3-W“-Fragen.“
„Und wie?“
„Durch Auswechseln und Umkehr der angesprochenen Reihenfolge.“
„?“
„Das heißt, man beschäftigt sich bereits mit der dritten W-Frage des „wie komme ich dorthin?“ ohne eine genaue Zielvorstellung der zweiten W-Frage nach dem „wo will ich hin?“ ausreichend geklärt zu haben.“
„Ach so, das wäre ja in etwa so, wenn sich ein Läufer im Stadion bereits auf den Weg machen würde, ohne eine genaue Vorstellung davon zu haben, ob sein Ziel nun die 100m-, 200m-, 400m-, 800m-, 5.000m- oder 10.000m-Strecke sein soll, ob etwa ein 110m-Hürden- oder ein 3.000m-Hindernislauf anstehen könnte.“
„Stimmt, denn immer wird eine Antwort auf die erste W-Frage des „wo stehe ich heute?“ Voraussetzung und Ausgangspunkt für die zweite W-Frage, nämlich die nach dem „wo will ich hin?“, sein.“
„Der Erfolg wird sich nachhaltig immer nur dann einstellen, wenn eine Stellensuche mit der entsprechenden Bewerbung vor dem Hintergrund klarer Zielvorstellungen, das heißt der Frage: „Wo will ich hin?“ erfolgt.“
„Wenn, wie so oft gesagt wird, der Weg das Ziel ist, so sollte weder der Bewerber für eine Stelle noch der Anbieter einer Stelle die hierfür anstehenden Verfahren quasi im Blindflug absolvieren wollen.“
„Denn auch ein Bewerber steht ja im stetig härter und komplexer werdenden Wettbewerb.“
„Genau, und hierauf nur zu reagieren und sich dabei das Heft des Handelns allmählich aus der Hand nehmen zu lassen, dürfte für die Zukunft kein Erfolgsmodell sein.“
„Es gilt also, selbst proaktiv zu denken.“
„Und auch so zu handeln.“
„Dafür unabdingbar ist jedoch, dass man die eigene Wettbewerbs- und Marktposition genauestens kennt.“
„Und die Klaviatur der hierfür relevanten Einflussfaktoren beherrschen lernt.“
„Das heißt?“
„Jeder im Arbeitsmarkt sollte diese erfolgsrelevanten Faktoren, die als Stellhebel dienen können……“ „und gewissermaßen als Saiten zum Klingen gebracht werden müssen….“
„identifizieren und bewerten.“
Als ihr persönliches Vorbild betrachten Studenten hierbei vorwiegend ihre Eltern.“
„Echt?“
„Ja, danach kommen dann Freunde, Partner, Bekannte.“ Die überwiegende Mehrheit...