: Jean-Claude Spichiger
: Die Klage des Faultiers Tierische Kurzgeschichten
: Books on Demand
: 9783756806416
: 1
: CHF 7.40
:
: Fantasy
: German
: 204
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Seien Sie ehrlich: Wünschen Sie sich nicht manchmal ein Leben wie ein Faultier? Diese interessanten Zeitgenossen verbringen fast ihre gesamte Lebenszeit kopfüber an einem Ast hängend. Auf diese Weise nehmen sie alles aus einer völlig anderen Perspektive wahr. Mit dieser Sammlung an ausgewählten Kurzgeschichten erhalten auch Sie die Gelegenheit, die Dinge einmal aus neuen Blickwinkeln zu betrachten. Öffnen Sie Ihren Geist und tauchen Sie ein in den Facettenreichtum alternativer Realitäten!

Jean-Claude Spichiger wurde 1957 in Luzern als jüngstes von drei Kindern geboren. Schon früh beschloss er, andere Wege als seine Eltern und Geschwister zu gehen. Weil er wissen wollte, wer er ist, studierte er Klinische Psychologie. Später arbeitete er als Forscher, Analytiker und Programmierer, doch diese Tätigkeiten erfüllten ihn nicht wirklich. Zudem stellte er eines Tages fest, dass er seinen Teddybären als leblose Stoffpuppe verkannt hatte, denn in Tat und Wahrheit lebte er. Dieses Erlebnis beeindruckte Jean-Claude nachhaltig und inspirierte ihn, es niederzuschreiben. Über ein Vierteljahrhundert hinweg entstand eine Reihe von Kurzgeschichten, in denen der Autor seiner Fantasie und Kreativität freien Lauf ließ. Seine Texte sind nicht immer wahr, dafür umso berührender und unterhaltsamer.

Offene Türen


Plötzlich war sie da, hatte sich auf dem Boden des Balkons unserer Vierzimmerwohnung mit einer Selbstverständlichkeit zur Ruhe gelegt, als ob es ihr Zuhause wäre.

Wie jeder weiß, sind Enten in der Nähe von Gewässern anzutreffen. Sie werden sich daher vielleicht fragen, was eine Ente weit weg vom nächsten Gewässer mitten in einem Stadtquartier auf dem Balkon eines Wohnhauses im dritten Stock zu suchen hatte. Ich kann Ihnen auf diese Frage – über die ich wirklich lange nachgedacht habe – leider auch keine schlüssige Antwort geben. Die Ente war einfach da, trat unaufgefordert in unser Leben und veränderte es nachhaltig.

Damals lebte ich noch mit meiner Partnerin Laura zusammen. Inzwischen ist sie ausgezogen. Aber wie konnte es nur dazu kommen? Welches Recht nahm sich diese Ente heraus, sich in unsere Beziehung einzumischen?

Es war an einem lauen Sommerabend. Wir deckten gerade den Tisch auf dem Balkon für das Abendessen. Wir hatten ihr Kommen gar nicht bemerkt. Bis dahin wussten wir nicht viel über Enten. Aber sie konnten offenbar fliegen, jedenfalls unsere.

Wir staunten, glaubten an einen kurzen Besuch und freuten uns. Der Städter genießt ja jedes noch so kleine Lebenszeichen der Natur. Der Besuch eines solchen Vogels stellt da bereits ein besonderes Ereignis dar.