: Heny Ruttkay
: Abschied unter kalter Sonne Roman
: Picus
: 9783711754882
: 1
: CHF 16.20
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 192
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Eigentlich führen Angelika und Gabriel ein relativ gutes Leben im realsozialistischen Bratislava: Angelika ist angesehene Chirurgin, Gabriel Institutsdirektor, ihre drei Kinder sind gute Schüler und sie haben einen netten Freundeskreis. Und dennoch hat die Familie beschlossen zu fliehen. An einem kalten Februarsamstag soll es unter dem Vorwand einer Urlaubsreise über die Grenze, über den Eisernen Vorhang nach Österreich und dann weiter in die Bundesrepublik gehen. Die letzten Tage vor der Flucht gestalten sich als Spießrutenlauf. Wer soll von ihren Plänen erfahren? Machen sie sich am Ende trotz aller Vorsicht verdächtig? Die Situation spitzt sich zu, als Gabriel von einem westlichen Agenten angeworben werden soll, während parallel auch seine Schwester Klara einen Fluchtversuch startet ... Latentes Misstrauen, diffuse Gefahren und fatale Optionen: Eine Familie in der Tschechoslowakei plant ihre Flucht aus dem Überwachungsstaat hinter dem Eisernen Vorhang.

Heny Ruttkay, geboren 1961 in Bratislava, ist im Alter von elf Jahren nach Deutschland gezogen. Nach dem Studium der Biologie (Doktorat) hat sie in verschiedenen Berufen gearbeitet und einen Master in technischer Übersetzung abgelegt. Heute lebt sie als Übersetzerin und Autorin in der Nähe von Paris. Ihr letzter Roman »Somerset Maughams Traum« erschien 2017 im Größenwahn-Verlag. »Abschied unter kalter Sonne« ist ihr fünfter Roman.

1. Gabriel


Als er um die Ecke der Buchhandlung bog, hatte Gabriel wieder das Gefühl, dass ihm jemand folgte. Er blieb vor dem Schaufenster stehen, umklammerte die Henkel der schweren Tasche fester und betrachtete das Spiegelbild der Einkaufsstraße hinter seinem Rücken.

Die Sonne schien, der Schnee war bis auf die grauen Reste am Fahrbahnrand verschwunden und die meisten Passanten hatten ihre Mäntel aufgeknöpft. Niemand verlangsamte seine Schritte, niemand beachtete ihn oder drehte sich gar nach ihm um. Langsam zählte er bis zwanzig, ohne die Lippen zu bewegen.

Ein junges Paa