: Hopwood DePree
: Downton Shabby Ein Amerikaner in Lancastershire, ein uraltes Familienschloss und der kuriose Weg zu einem neuen Zuhause
: Goldmann Verlag
: 9783641304867
: 1
: CHF 13.50
:
: Biographien, Autobiographien
: German
: 416
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Seit seiner Kindheit erzählten Hopwood DePrees Vater und Großvater immer wieder Geschichten über die adeligen englischen Vorfahren seiner Familie, die im 18. Jahrhundert ihr großes Anwesen verlassen hatten, um nach Amerika auszuwandern. Nachdem beide kurz hintereinander versterben, sucht der Produzent und Schauspieler aus Hollywood Trost in der Ahnenforschung – und stößt tatsächlich auf das sagenhafte Familienschloss, das sogar seinen Namen trägt: Hopwood Hall in Middelton, England. Fasziniert von seiner Entdeckung macht sich Hopwood auf ins Vereinigte Königreich, besichtigt zum ersten Mal das große geschichtsträchtige, aber recht verfallene Herrenhaus und beschließt kurzerhand sein Downton Shabby – wie er es nennt – zu renovieren. Und bekommt tatkräftige Unterstützung von seinen liebenswerten, aber manchmal schrulligen Nachbarn – über den schroffen Hausmeister Bob bis hin zu den örtlichen Aristokraten, die ihn irgendwie als einen der ihren akzeptieren. Und während Hopwood alle möglichen Hürden, Pech und Pannen überwindet, lässt er Hollywood hinter sich und findet in England und in seinem Downton Shabby eine neue Heimat. Ein unterhaltsames Werk über unerwartete neue Lebenswege, selbstauferlegtem Renovierungswahnsinn und die eigenen Wurzeln.

Hopwood DePree wuchs bei Michigan auf. Als von der Kritik gefeierter Autor, Darsteller und unabhängiger Filmemacher arbeitet er jetzt hauptberuflich an der Restaurierung von Hopwood Hall, dem Anwesen seiner Vorfahren.

Long Lost Hopwood:
Nomen est Omen


Es war einer dieser Abende, an denen man hofft, für nichts weiter mehr zuständig sein zu müssen als für das Entkorken einer Flasche Wein. Wie wenig ahnte ich, dass eine einfache Internetrecherche mein Leben umkrempeln und komplett auf den Kopf stellen würde, was ich bis dato für meine Bestimmung auf diesem Planeten und meinen Platz im Weltgeschehen gehalten hatte – ganz zu schweigen von meiner bisherigen Vorstellung von einem Heimwerkerprojekt.

Es war der Frühling des Jahres 2013, und ich befand mich in meinem Zuhause in den Hollywood Hills in Los Angeles. Ausnahmsweise kreiste nur ein Helikopter über den Hügeln, es war also ruhiger als gewöhnlich. Draußen vor dem Fenster verwandelte sich das Tageslicht in Abenddämmerung, und die Schreibtischlampe flammte bernsteinfarben auf, als ich mich an meinen Laptop setzte.

An jenem Abend, wie es inzwischen meiner neuen, geheimen Weinzeit-Entspannungsgewohnheit entsprach, durchforstete ich wieder einmal verschiedene Ahnenforschungswebseiten:WikiTree.com,Ancestry.com undMyheritage.com. Inzwischen waren sie mir alle sehr vertraut.

Denn wann immer ich auch nur eine halbe Stunde Zeit hatte, wühlte ich mich etwas tiefer durch die Wurzeln und Verzweigungen meines Familienstammbaums. Falls Sie noch nie auf einer dieser Webseiten waren, seien Sie gewarnt: Sie haben großes Suchtpotenzial, und aus einer halben Stunde werden ganz schnell mehrere Stunden oder die ganze Nacht. Aus diesem Grund musste ich mir meist ein Limit setzen. Hier findet man die Kopie irgendeines vergilbten Dokuments, das man noch nie gesehen hat, klickt auf einen Link, durch den man auf die Existenz eines unbekannten Großcousins vierten Grades stößt, und findet, ehe man sichs versieht, ein altes Schwarz-Weiß-Foto irgendeiner längst verstorbenen Großtante. Davon kann einem schon mal schwindelig werden. Verbringt man genug Zeit auf solchen Seiten, fühlt man sich irgendwann wie ein Detektiv, der einer Indizienspur folgt. Nur dass in diesem Fall die meisten Menschen tot sind, und zwar bereits seit Jahrzehnten.

Eigentlich habe ich immer zu jener Sorte Mensch gehört, die sich stets an der Zukunft orientiert. Ich verbrachte wenig Zeit damit, nach hinten zu blicken. Doch das hatte sich nun geändert. Ich wurde immer neugieriger auf die Vergangenheit. Wie es dazu kam, dass ich mich von der Ahnensuche hatte packen lassen? Es hatte jedenfalls nichts mit den Fernsehsendungen zu tun, bei denen Prominente ihrer Familiengeschichte nachspüren, denn die schaute ich mir nicht an. Ich hegte auch nicht die Hoffnung, irgendeinen verschollenen Verwandten zu finden oder ein Familiengeheimnis aufzudecken. Wenn ich genau benennen müsste, warum ich plötzlich so viele Stunden meines Lebens damit verbrachte, etwas über Menschen in Erfahrung zu bringen, die ich nicht kannte und niemals kennenlernen würde, würde ich sagen, dass sehr viel davon etwas mit Verlust zu tun hatte – mit Verlust und wahrscheinlich auch etwas mit Reue.

Bis vor Kurzem war mein Großvater mütterlicherseits der Ahnenforscher in unserer Familie gewesen. Sein Name war Herbert Hopwood Black, ich nannte ihn allerdings immer Pap. Er hatte ein ansteckendes Lächeln und war über ein Meter achtzig groß, daher hatte er auf mich früher auch immer wie ein lächelnder Riese gewirkt. Als ich noch klein war, erzählte mir Pap sehr gern Geschichten über unsere Vorfahren, zum Beispiel wie sie 1791 die kleine Stadt Hopwood in Pennsylvania gegründet hatten. Und Pap musste es schließlich wissen, denn er war in Hopwood geboren und aufgewachsen. Er verließ seinen geliebten Heimatort in den 1920er-Jahren nur, weil man ihm angeboten hatte, in Michigan in ein schnell wachsendes Unternehmen namens General Motors einzusteigen. B