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DREISTRASSENBLOCKSSÜDLICH, in der Redaktion desBay Area Herald, starrte Lou McCarthy verärgert auf ihren Bildschirm.
Sind Sie sicher, dass Sie bereit zur Veröffentlichung sind?
J/N
Im Stillen verfluchte sie den Software-Entwickler, der eine so idiotische Frage programmiert hatte.
In den vergangenen fünf Jahren hatte sie vielleicht 500 Artikel in das längst überholte News Management System desHerald eingetippt und bei diesem letzten Schritt jedes Mal gezögert. Können Journalisten sich jemals wirklichsicher sein, dass sie bereit sind, einen Artikel zu veröffentlichen? Natürlich nicht. Es gibt immer noch weitere Quellen, denen sie nachgehen müssten, weitere Zitate, die sie überprüfen müssten, weitere Recherchen vor Ort, weitere Nachtschichten und noch mehr schlechten Instantkaffee. Nachrichten werden nicht ohne Grund die erste Rohfassung der Geschichtsschreibung genannt: Irgendwann muss man veröffentlichen, was man hat, und den Dingen ihren Lauf lassen.
Heute Morgen, nach zehn Litern Kirkland House Blend und sechsundzwanzig Stunden ohne Schlaf, nahm diese Frage ein noch größeres Gewicht an.
Sind Sie sicher, dass Sie bereit sind, sich mit dem wertvollsten Privatunternehmen in der Geschichte des Silicon Valley anzulegen?
J/N
Sind Sie sicher, dass Sie das schlimmste Trauma einer Frau für Ihre Zwecke verwenden und es der Allgemeinheit zugänglich machen wollen?
J/N
All das auf Grundlage eines einzigen geleakten Dokuments einer anonymen Quelle? Haben Sie komplett den Verstand verloren?
J/N
Lou blickte auf dieIBM-Schulhofuhr an der Wand: 8:26 Uhr. Sie hatte vielleicht nicht den Verstand verloren, doch Zeit blieb ihr definitiv nicht. In genau vier Minuten würde Stephen Camp die Tür zur Redaktion aufstoßen, sein Koffer vor Unterlagen überquellend, den unnötigen Regenschirm unter den Arm geklemmt, die Langsamkeit des Fahrstuhls und die frische Riege von Idioten verfluchend, denen er gerade imBART, dem Bay Area Rapid Transit, begegnet war, und dann würde sich Lous Zeitfenster für immer schließen.
Sie las noch einmal ihre Schlagzeile, noch immer sichtbar hinter dem dämlichen Pop-up-Fenster.
RAUM-MANAGERDERVERGEWALTIGUNGANGEKLAGT
Eine gute Schlagzeile. Keine Übertreibung. Keine Mehrdeutigkeit. Einfach nur die reinen Fakten, wie ihre Quelle sie ihr genannt hatte.
Doch zugleich handelte es sich um eine beinahe lachhafte Untertreibung. Wenn Alex Wu »ein Manager von Raum« war, dann war Neil Armstrong »ein Ingenieur derNASA«. Als Erfinder des Raum-Bands galt Wu weithin als der mächtigste Mann des gesamten Silicon Valley. Nicht als der reich