: Lisa Andersson
: Sommerglück in Schweden Roman
: Goldmann Verlag
: 9783641284619
: 1
: CHF 10.80
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 336
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der kleine Emil aus Stockholm wünscht sich nichts sehnlicher, als den Sommer in Småland zu verbringen – dort, wo die Geschichten seiner Lieblingsautorin Astrid Lindgren spielen. Als seine Mutter Milla jedoch plötzlich ins Krankenhaus muss, droht der geplante Urlaub zu platzen. Millas beste Freundin Sofia erweist sich als Retterin in der Not und fährt mit Emil in ihre alte Heimat, die sie vor zehn Jahren überstürzt verlassen hatte. Wider Erwarten ziehen die grünen Wiesen, tiefblauen Seen und hübschen roten Holzhäuser Sofia in ihren Bann – genau wie der Tierarzt Bengt, auf dessen Hof Emil und sie einen unvergesslichen Sommer verbringen …

Lisa Andersson ist das Pseudonym einer erfolgreichen deutschen Autorin, die bereits zahlreiche Romane veröffentlicht hat. Sie lebt mit ihrer Familie und Hund Henry in der Nähe von Köln. Ihren Urlaub verbringt sie am liebsten in Schweden, und auch ihre Leser*innen entführt sie gerne in den Norden.

Kapitel 2


Als Sofia am frühen Abend nach Hause kam, saß Rune im Wohnzimmer vor dem Fernseher. Er schaute kaum auf, als sie das Zimmer betrat.

»Das Wetter ist wunderschön!«, sagte Sofia und hoffte, dass er von sich aus auf die Idee kommen würde, mit ihr auszugehen.

Am Anfang ihrer Beziehung hatten sie die Sommerabende oft in einem Restaurant am See verbracht, dessen Außenterrasse auf dem Wasser zu schweben schien und das eine herrliche Aussicht auf den Riddarfjärden bot. Es war die perfekte Umgebung für zwei verliebte Menschen gewesen.

Seit wann gab es diese schönen Momente zwischen ihnen eigentlich nicht mehr?

Sofia konnte sich nicht erinnern, wann sie zuletzt etwas Ähnliches erlebt hatten. Offenbar war ihre Entfremdung ein schleichender Prozess gewesen. Selbst über die Zukunftspläne, die sie einmal geschmiedet hatten, sprachen sie nicht mehr: Hochzeit, Kinder, ein Haus irgendwo auf dem Land … Inzwischen hatte Rune offensichtlich andere Pläne.

Vor fünf Jahren war ihm überraschend die Leitung des Skatteverket übertragen worden, nachdem sein Vorgänger aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig hatte ausscheiden müssen. Zuerst hatte Sofia geglaubt, dass er sich veränderte, weil er sich in seinen neuen Aufgabenbereich einarbeiten musste. Schließlich hatte er als Vorgesetzter der Menschen, die vorher seine Kollegen gewesen waren, mit einem Mal weitreichende Entscheidungen treffen müssen.

Sofia hatte Verständnis für ihn gezeigt, auch als nach und nach im privaten Bereich vieles anders geworden war. Doch irgendwann hatte sie feststellen müssen, dass der Wandel keineswegs an den neuen Anforderungen lag, die Rune beschäftigten. Vielmehr hatte sich seine Perspektive verändert. Sein Beruf war zu seinem Lebensmittelpunkt geworden, hinter dem alles andere, auch Sofia, zurückstehen musste.

Wieso habe ich das so lange hingenommen?, fragte sie sich selbst, als sie jetzt neben dem Sofa stand und ihn beobachtete.

Plötzlich schien er zu spüren, dass sie ihn unverwandt anschaute. Er drehte ihr den Kopf zu und runzelte unwillig die Stirn.

»Was ist?«, knurrte er. »Warum starrst du mich die ganze Zeit so an?«

»Hast du überhaupt gehört, was ich gesagt habe?«

Er schien nachzudenken, schüttelte aber schließlich den Kopf.

»Ich möchte das sehen«, erklärte er mit strenger Stimme und wies auf den Fernseher. »Das ist ein äußerst interessanter Bericht über das schwedische Wirtschaftssystem.«

Früher hatten sie sich gemeinsam Krimis angeschaut. Wenn es richtig spannend geworden war, hatte Sofia sich Schutz suchend an ihn gekuschelt.

»Rune …«, begann sie, doch plötzlich wurde ihr bewusst, dass sie über all das nicht reden wollte.

»Was?« Er schaute ungeduldig auf und fühlte sich sichtl