: Julie Cameron
: Der finstere See Thriller
: Goldmann Verlag
: 9783641251741
: 1
: CHF 2.70
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 416
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Du kannst vor allem davonlaufen – nur nicht vor deiner eigenen Vergangenheit …

Jeremy Horton ist erfolgreicher Architekt und glücklicher Familienvater. Doch er vermeidet jeden Gedanken an seine Vergangenheit und insbesondere an seine kleine Schwester Emily, die vor vielen Jahren unter mysteriösen Umständen ums Leben kam. Erst als seine Mutter stirbt, sieht Jeremy sich gezwungen, in das kleine Dorf zurückzukehren, in dem er die Sommer seiner Kindheit verbrachte. Jeremy spürt deutlich, dass er dort nicht willkommen ist. Immer wieder drängt sich ihm die Frage auf, ob er selbst die Schuld an Emilys Tod trägt. Und wenn ja – ist er dann auch eine Gefahr für seine eigene Tochter Lucy?

Julie Cameron lebt mit ihrer Familie auf dem Land, in einem kleinen Dorf im südenglischen Berkshire. Sie hat Biomedizin studiert, arbeitet im Gesundheitswesen und schreibt nebenher die Art von vielschichtigen Thrillern, die sie selbst am liebsten liest.

2


Sarah hatte darauf bestanden, zu fahren, und jetzt hockte Jeremy neben ihr auf dem Beifahrersitz. Angesichts der schlichten Tatsache, dass sie ihn für fahruntüchtig hielt, fühlte er sich entmannt, hinfällig wie eine jüngferliche Tante. Das alles wurde noch schlimmer, weil sie ihm immer wieder besorgte Blicke zuwarf, als rechnete sie damit, er werde neben ihr still entschlafen und als schlaffer Leichnam an ihrer Seite sitzen. Jeder dieser Blicke ärgerte ihn noch mehr, und er hatte Mühe, seine wachsende Gereiztheit zu unterdrücken. Er wusste, sie konnte nichts dazu, aber nach diesem Zwischenfall war er verstimmt und wütend. Solange er zurückdenken konnte, war es ihm zuwider gewesen, irgendeine Art von Szene zu machen, und obwohl er wusste, dass sein Zorn sich gegen ihn selbst richtete, konnte er nicht verhindern, dass er ihn stattdessen auf sie projizierte.

Wieder blickte sie zu ihm herüber, und diesmal platzte ihm der Kragen.

»Herrgott noch mal, Sarah, sieh mich nicht dauernd so an! Dieses Theater macht mich noch wahnsinnig. Ich war ein bisschen wacklig auf den Beinen, das ist alles. Da war nichts weiter. Man könnte ja glauben, du wärst meine Mutter oder so. Du meine Güte!«

Obwohl, wenn er darüber nachdachte, vielleicht doch nicht geradeseine Mutter. Vielleicht eine normale Mutter, die sich um ihr Kind sorgte.

Er sah die Kränkung in ihrem Gesicht und wünschte, er hätte den Mund gehalten. Sie regte sich nur selten auf. Anders als er war sie nur schwer aus der Fassung zu bringen, und auch jetzt blickte sie fest auf die Straße und tat seinen selbstsüchtigen Wutausbruch mit einer winzigen Kopfbewegung ab, einer kaum merklichen Bewegung wie dem Zucken eines Katzenohrs, das eine Fliege verscheuchte. Er wusste, dass seine Spitzen oft ins Zentrum trafen, aber als sie sprach, klang ihre Stimme ruhig und freundlich wie immer. Es war nie ihre Absicht, aber ihr Gleichmut beschämte ihn manchmal nur umso mehr.

»Ich weiß, du findest, ich übertreibe, aber ich werde es nicht einfach ignorieren. Du warst weiß wie ein Laken, Jez, und es schien fast so, als wüsstest du nicht, wo du bist. Ich sage nicht, dass es das war, aber es könnte ein Anfall oder so etwas gewesen sein, vielleicht sogar das Herz. Da kannst du nicht einfach so tun, als wäre nichts passiert.«

Er erinnerte sich an den Druck in seiner Brust, an die Atemnot, an die Angst, die ihn durchströmt hatte. Er war fast in dem entsprechenden Alter, und so traute er sich nicht, ihr zu widersprechen, so gern er es auch getan hätte.

»Und ich weiß, was du sagen willst, also kannst du dir die Mühe sparen. Ich fahre jetzt, und wir fahren ins Krankenhaus.«

Sie erstickte mit einer Handbewegung jeden möglichen Protest im Keim.

»Ich möchte, dass du in die Notaufnahme gehst, um dich untersuchen zu lassen. Das ist alles. Ich will sicher sein, dass wir keinen Grund zur Sorge haben. Es hat also keinen Sinn, wenn du darüber diskutierst, denn