: T. J. Klune
: Die unerhörte Reise der Familie Lawson Roman
: Heyne
: 9783641275433
: 1
: CHF 11.70
:
: Fantasy
: German
: 480
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
In einem Baumhaus hoch oben in den Wipfeln eines idyllischen Hains lebt Familie Lawson: Vater Giovanni Lawson ist ein Roboter, sein Sohn Victor Lawson ist ein Mensch. Mit ihnen wohnen dort noch ein Pflegeroboter mit einem leichten Hang zum Sadismus und ein schüchterner kleiner Staubsauger. Eines Tages entdeckt Vic einen beschädigten Androiden namens Tom im Wald und repariert ihn. Dann wird Giovanni von seiner Vergangenheit eingeholt und in die Stadt der elektrischen Träume verschleppt, wo er neu programmiert werden soll. Gemeinsam mit seiner Patchworkfamilie begibt sich Victor auf die gefährliche Reise, um Giovanni zu retten. Und inmitten widersprüchlicher Gefühle von Verrat und Zuneigung zu Tom muss Victor für sich selbst entscheiden: Kann er eine Liebe mit Bedingungen akzeptieren?

Im Alter von sechs Jahren griff T. J. Klune zu Stift und Papier und schrieb eine mitreißende Fanfiction zum Videospiel 'Super Metroid'. Zu seinem Verdruss meldete sich die Videospiel-Firma nie zu seiner verbesserten Variante der Handlung zurück. Doch die Begeisterung für Geschichten hat T. J. Klune auch über dreißig Jahre nach seinem ersten Versuch nicht verlassen. Nachdem er einige Zeit als Schadensregulierer bei einer Versicherung gearbeitet hat, widmet er sich inzwischen ganz dem Schreiben. Für die herausragende Darstellung queerer Figuren in seinen Romanen wurde er mit dem Lambda Literary Award ausgezeichnet. Mit seinem Roman 'Mr. Parnassus' Heim für magisch Begabte' gelang T. J. Klune der Durchbruch als international gefeierter Bestsellerautor.

EINS


Ein kleiner Staubsaugerroboter fuhr schreiend im Kreis herum, wieder und wieder. »Oh mein Gott, oh mein Gott, wir werden alle sterben!«, kreischte er und fuchtelte wild mit seinen Ärmchen, an denen kleine Greifzangen befestigt waren. »Ich werde aufhören zu existieren, und dann gibt es nur noch Dunkelheit!«

Neben dem Staubsauger stand ein weitaus größerer Roboter und sah zu, wie der Kleine zum millionsten Mal einen Nervenzusammenbruch hatte. Dabei handelte es sich um einen schlichten Blechkasten, eineinhalb Meter hoch und einen halben Meter breit, der weder Arme und Beine noch Füße hatte. Es handelte sich um die ehemalige Krankenschwester, Modell 6-10-JQN, Serie Alpha. Ihre abgenutzten Reifen waren durch gezahnte Metallräder mit einer Kette darum herum ersetzt worden, ganz ähnlich wie bei einem Panzer. Hinter den Klappen auf beiden Seiten ihres Chassis verbargen sich ein Dutzend Metalltentakel mit verschiedenen medizinischen Werkzeugen daran, falls eine Operation nötig werden sollte. Auf dem Display an der Vorderseite erschien ein grünes Gesicht mit gerunzelter Stirn, ansonsten blieb die robotische Krankenschwester, Gerät für Reha, Operationen und Bohren (kurz: Schwester Grob), unbeeindruckt. Mit tonloser Stimme sagte sie: »Wenn du stirbst, spiele ich mit deiner Leiche. Ich würde so lange Löcher in dich bohren, bis nichts mehr übrig ist. Dabei könnte ich viel lernen.«

Der Saugroboter wurde nur noch panischer, was Schwester Grob zweifellos beabsichtigt hatte. »Oh nein«, wimmerte er. »Nein, nein, nein, das darfst du nicht. Victor! Victor! Komm zurück, bevor ich sterbe und Schwester Grob mit meiner Leiche spielt! Sie will Löcher in mich bohren, und du weißt genau, wie sehr ich das hasse.«

Hoch über ihnen, auf halber Höhe eines mindestens sechs Meter hohen Haufens Metallschrott, ertönte leises Gelächter. »Das werde ich verhindern, Rambo«, sagte Victor Lawson und schaute zu ihnen hinunter. Er hing an einer selbst gebastelten Seilkonstruktion mit Klettergurt, die alles andere als unfallsicher war, doch er machte das schon seit Jahren so und war noch nie abgestürzt. Nun ja, einmal, aber je weniger über diesen Vorfall gesagt wurde, desto besser. Der Schrei, den er damals ausgestoßen hatte, als er den Knochen sah, der rot aus seinem Arm ragte, war das lauteste Geräusch gewesen, das er je von sich gegeben hatte. Sein Vater war nicht besonders glücklich gewesen und hatte ihm gesagt, dass es keinen Grund für einen Zwölfjährigen gab, sich auf dem Schrottplatz herumzutreiben. Victor hatte versprochen, es nie wieder zu tun. Eine Woche später war er wieder dort gewesen. Und jetzt, mit einundzwanzig Jahren, kannte er sich auf dem Schrottplatz so gut aus wie in seiner Westentasche.

Rambo glaubte ihm nicht. Seine Greifer öffneten und schlossen sich ununterbrochen, während er weiter zitternd seine Kreise drehte. Auf der Oberseite seines runden Gehäuses stand in verblasster, nie eindeutig zu entziffern gewesener Schrift ein R, dahinter ein Kreis, der ein O oder ein kleines a darstellen mochte, gefolgt von einem M (möglicherweise), einem B und schließlich einem weiteren O oder a am Ende. Victor hatte das kleine Ding vor Jahren gefunden und es mit Liebe und Metall repariert, bis es wieder zum Leben erwacht war und sofort verlangt hatte, sauber machen zu dürfen. Es musste sauber machen, denn wenn es das nicht tat, gab es keinen Sinn in seinem Leben, dann gab es gar nichts. Vic hatte lange gebraucht, um die Maschine zu beruhigen, während er weit