KAPITEL EINS
Alana
Hätte ich gewusst, dass ich heute Nacht sterben würde, hätte ich heißere Unterwäsche angezogen. Oder zumindest etwas viel Schöneres als den nicht zusammenpassenden Schlafanzug mit den Löchern und lauter ausgeblichenen Stellen.
Meine Mutter hält mir wahrscheinlich vom Himmel aus eine Standpauke und fragt sich, was sie bei meiner Erziehung falsch gemacht hat.
Perdona me, Mami. Debería haberle escuchado.
Ich bekreuzige mich schnell, bevor ich meine Pistole auf den Schatten richte, der im Türrahmen steht. Mein Herz hämmert wie wild, und der Abstand zwischen den einzelnen Schlägen wird immer kürzer. »Ich zähle bis fünf, dann hast du mein Haus verlassen. Sonst schieße ich. Eins … zwei …«
»Mist.« Etwas Schweres prallt gegen die Wand, ehe ein Schalter betätigt wird und helles Licht den Flur erleuchtet.
Mein Griff um die Waffe festigt sich, als ich die Person erkenne, von der ich geglaubt hatte, sie nie wiederzutreffen. Wir sehen uns an.
Sein Blick folgt der Form meines Gesichts wie eine unsichtbare Liebkosung, was einen warmen Rausch durch meinen Körper jagt.
Trotz der Alarmglocken in meinem Kopf, die mir sagen, ich solle weglaufen, kann ich nicht widerstehen, Callahan Kane in seiner gesamten einen Meter dreiundneunzig großen Pracht anzuschauen.
Alles an ihm wirkt vertraut, sogar der Schmerz in meiner Brust, der mich nie verlassen hat, selbst nachdemer es getan hatte.
Sein gelassenes Lächeln.
Sein zerzaustes dunkelblondes Haar, immer ungekämmt und als bettelte es darum, gezähmt zu werden.
Seine blauen Augen wie der wolkenlose Himmel, funkelnd wie die Wasseroberfläche eines Sees in der Mittagssonne.
Es ist mehr als sechs Jahre her, seit ich ihn zuletzt gesehen habe. Sechs lange Jahre, die mich so abgehärtet haben, dass ich sofort erkenne, was hinter seiner Anziehungskraft steckt.
Eine Falle.
Wenn ich genau hinschaue, kann ich die Risse in seiner Fassade erkennen, die er hinter Schönheit und Charme zu verstecken versucht. Er wollte andere Leute nie die gebrochene Person hinter seiner Maske sehen lassen. Das war es, was mein Interesse an ihm geweckt hat und was mir letztendlich zum Verhängnis wurde.
Ich war dreiundzwanzig, als er mir das Herz gebrochen hat, und dennoch fühlt sich der Schmerz noch so frisch an, als wäre es gestern gewesen. Doch statt das Gefühl zu ignorieren, lasse ich lieber meine Wut davon befeuern.
»Was zur Hölle machst du hier?«, rufe ich.
Sein Lächeln gerät ins Wanken, ehe es zurückkehrt. »Freust du dich, mich zu sehen?«
Ich winke ihn zu mir heran. »Bin total aus dem Häuschen. Warum kommst du nicht ein bissch