: Ian Rankin
: Das Erbe der Toten Kriminalroman
: Goldmann
: 9783641304591
: Ein Inspector-Rebus-Roman
: 1
: CHF 9.90
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 496
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Manchmal muss man Grenzen überschreiten, um der Gerechtigkeit Genüge zu tun ...
John Rebus ist angeklagt - für ein Verbrechen, das ihn für den Rest seines Lebens hinter Gitter bringen könnte. Es ist nicht das erste Mal, dass der legendäre Ermittler das Gesetz in die eigene Hand nimmt, aber es könnte das letzte Mal gewesen sein. Während Rebus vor Gericht steht, ermittelt seine alte Freundin Detective Inspector Siobhan Clarke in Edinburghs brisantestem Fall seit Jahren: Ein korrupter Polizist wird vermisst. Er hatte damit gedroht, Informationen zu offenbaren, die den gesamten Polizeiapparat der Stadt in den Abgrund reißen könnten. Und auch in dieser Sache scheinen alle Wege zu Rebus zu führen ...

Ian Rankin, geboren 1960, ist Großbritanniens führender Krimiautor, seine Romane sind aus den internationalen Bestsellerlisten nicht mehr wegzudenken. Ian Rankin wurde unter anderem mit dem Gold Dagger für 'Das Souvenir des Mörders', dem Edgar Allan Poe Award für 'Tore der Finsternis' und dem Deutschen Krimipreis für 'Die Kinder des Todes ausgezeichnet. 'So soll er sterben' und 'Im Namen der Toten' erhielten jeweils als bester Spannungsroman des Jahres den renommierten British Book Award. Für seine Verdienste um die Literatur wurde Ian Rankin mit dem 'Order of the British Empire' ausgezeichnet.

Mit 'Ein Rest von Schuld' hatte Ian Rankin seinen Ermittler John Rebus nach 17 Fällen in den Ruhestand geschickt und ließ Inspector Malcolm Fox die Bühne betreten. Doch mit 'Mädchengrab' kehrte Rebus wieder zurück.

Ian Rankin lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in Edinburgh.

1


Die Pubs hatten wieder geöffnet. Man musste sich nicht mal mehr anmelden und konnte auch nicht mehr nur ausschließlich am Tisch bestellen. Am Tresen stehen kam einem jetzt vor wie etwas ganz Neues, auch wenn an der Tür noch Desinfektionsmittel zum Desinfizieren der Hände bereitstand, einQR-Code aushing oder man seinen Namen, irgendeinen, und eine Telefonnummer, auch irgendeine, in ein Formular auf einem altmodischen Klemmbrett eintrug. Rebus hatte immer noch keine Ahnung, wie das mit demQR-Code eigentlich funktionierte. Hin und wieder hatte es ihm ein fachkundiger Gast oder einer der Barleute zeigen wollen, aber die Information war von der Oberfläche seines Gehirns abgeprallt wie ein flacher Stein auf Wasser und in unergründlichen Tiefen versunken.

Heute saß er in einem Pub am Brougham Place. Er war im Licht der untergehenden Wintersonne mit Brillo über die Bruntsfield Links spaziert, wo Hund und Herrchen lange Schatten geworfen hatten. Wie üblich hatte im Melville Drive reger Verkehr geherrscht, und jede Menge Studenten waren unterwegs gewesen. Vermutlich hatten auch die Universitäten wieder ihren gewohnten Betrieb aufgenommen. Eine Zeitlang war es wirklich sehr ruhig gewesen, Rebus hatte wegen seinerCOPD bis zum Start des Impfprogramms Ausgangsverbot gehabt und zu Hause gesessen. Aber jetzt war er ein freier Mensch und sogar geboostert. Bei Treffen mit seiner Tochter und seiner Enkelin musste er nicht mehr auf Abstand achten, die beiden nicht mehr auf einer Seite des Gartentors und er auf der anderen stehen, und sie stellten ihm auch keine Einkaufstüten mehr vor die Tür. Endlich konnte man wieder sein Leben leben. Er konnte Samantha und Carrie in die Arme schließen, auch wenn er bei seiner Enkelin eine gewisse Zurückhaltung spürte, da sie noch ungeimpft war. Normalisierte sich gerade alles wieder, oder gab es gar keine Normalität mehr, in die es zurückzukehren galt? Die Gäste im Pub setzten immer noch ihre Masken auf, wenn sie aufstanden und herumgingen. Und zuckten nach wie vor zusammen, wenn plötzlich jemand laut hustete. Der Lockdown hatte Rebus den perfekten Vorwand geliefert, trotz seiner Schwindelanfälle und Brustschmerzen nicht zum Arzt zu gehen. Vielleicht würde er ja jetzt doch endlich was unternehmen.

Vielleicht aber auch nicht.

Erst mal begnügte er sich mit der Abendzeitung. Darin war ein Artikel über die Geschäfte auf der Royal Mile, deren Inhaber sich von Ladendieben und Süchtigen bedroht fühlten, die sich offenbar ungestraft an den Waren bedienten. In West Lothian war ein Wagen mit Säure mutwillig beschädigt worden und unweit davon entfernt eine Brandbombe auf ein Haus geflogen. Wahrscheinlich handelte es sich um einen Bandenkrieg, das wusste Rebus. Wobei ihn das gar nichts anging, jedenfalls nicht mehr. Als sein Handy piepte, zuckte ein Säufer am Nachbartisch sichtlich zusammen. Rebus schüttelte langsam den Kopf, um den Mann zu beruhigen und ihm zu signalisieren, dass es sich um eine ganz normale Nachricht handelte und keine Corona-Warnung. Als er aufs Display schaute, erkannte er jedoch, dass die Mitteilung alles andere als normal war, denn sie stammte von Cafferty. Morris Gerald Cafferty, auch Big Ger genannt.

Bist du gar nicht mit dem Hund draußen?

Rebus überlegte, ob er die Frage ignorieren sollte, fürchtete aber, dass Cafferty sowieso nicht lockerließ.

Doch, lautete seine einsilbige Antwort. Cafferty reagierte sofort.

Wieso sehe ich dich dann nicht?

Pub.

Welches?

<